Seelenfunken

von Pablo Wezel (copyright)

Schliess die Augen.
Öffne dein Herz.
Öffne auch meins.
Lass mich noch einmal eintauchen im Ozean deiner Liebe.
Verstumme die Schreie meiner Kinderseele.
Tauche mein Wesen in Wärme.
Ich werde fallen.
Lieber zu früh,
als ohne Dich.

Sarah

von Pablo Wezel (copyright)

Du bist sechs Jahre alt und hast in mir bereits tausend Jahre bewegt. Die Schönheit Deines Wesens löst in mir eine Ohnmacht aus.
Pastellfarbene Gefühle.
Du schenkst der Sonne das Licht.
Deine Kraft kommt aus Dir heraus und fällt auf mich herab.
Öffnest in mir alle Schranken. Sprengst alle Grenzen. Musik in all Deinen Bewegungen.
Du weitest die Felder wenn der Weg schmal wird.
Du rundest die Ecken wenn das Zimmer enger wird.
Du überforderst mich.
Und ich danke Dir.
Dich mit all meiner Liebe überschütten.
Das ist alles was ich kann.

Letzte Nacht

von Paola Reinhardt (copyright)

Oktober im Gesicht
in den Augen das Glitzern von Silberfischen
die weiter schwimmen
bei deinen Umarmungen
vermisste ich das Echo
gemeinsamer Sommertage
während dein Schweiß auf meine Haut tropfte
waren deine Lippen wild entschlossen
mir nicht weh zu tun
doch nie waren meine Zweifel größer
als in der letzten Nacht
und deine Lügen schöner
obwohl sie noch immer schmerzen.

Wer bist du?

von Paola Reinhardt (copyright)

Im Weiß des Gesichts
ein breiter Mund
der lacht und weint
fürs Publikum
die Füße klein
in Schuhen übergross
das rote Haar
fast verdeckt von einem Hut
die Tränen nicht echt
das Herz versteckt
unter Karo und Rüschen
den Schirm in der Hand
spaziert über ein Seil
traumwandlerisch sicher
weil Manegen erprobt

Es amüsiert uns der Clown
mit seinen Späßen
spukt Wasserfontänen ins Publikum
streitet sich mit seinem Kollegen
August Dumm
spielt uns ein Lied auf dem Akkordeon
singt herzzerreißend falsche Töne
oder melancholisch leise
eine bekannte Kinderweise:
Li La Lu

Oft frag ich mich
wer bist du Clown
ein alter oder junger Mann
weise oder eher Rebell
längst desillusioniert -
im Herzen ein Kind
das nie erwachsen werden will
und deshalb eine Maske trägt
damit er sich nicht
so leicht verrät
wie du und ich und andere auch
es ebenfalls im Alltag tun?

Viel mehr als nur ein Wort

von Paola Reinhardt (copyright)

Es war im Frühjahr
ein kühler Neumondabend
die ersten Veilchen blühten
nicht weit von unserer Bank im Park
als ich den ersten Kuss von dir bekam
du legtest deinen Arm um meine Schultern
und sagtest „Liebe wärmt“
ich glaubte dir das große Wort
das fremd und schön in meinen Ohren klang

Im Sommer
trafen wir und uns oft am Fluss
das Gras war nass vom Abendtau
und ich so unerfahren glücklich
versprach dir nach der ersten heißen Julinacht
auf ewig dein zu sein
du lächeltest und schwiegst
ich glaubte es sei Rührung
und küsste voller Andacht deine Lippen

Im Herbst
entdeckte ich wie sehr dich
auch noch andere Frauen interessierten
ich aber wollte keine weitere Trophäe
in der Sammlung deiner Eroberungen sein
die Einsicht ließ mich schmerzlich reifen
doch als ich dich verlassen wollte
versprachst du mir mit solchen Abenteuern
sei nun endlich Schluss

Dann kam der Winter
der Ort war tief verschneit die Sterne kalt wie Eis
und ich allein mit den Erinnerungen an dich
du warst den Zugvögeln längst nachgereist
dein Abschiedsbrief – zwei Zeilen nur – es tut mir leid
mir nicht mein Schatz – ich habe dich geliebt
im nächsten Frühjahr blühen wieder neue Veilchen
doch wird ihr Duft mich nicht noch mal berauschen
denn Liebe ist für mich viel mehr als nur ein Wort.

Gescheiterte Liebe

von Paola Reinhardt (copyright)

Wir sind nicht mehr die Gleichen
wie vor zwanzig Jahren
doch das weiß ich nicht erst seit gestern
als ich dich mit der Anderen sah
du ähneltest dem jungen Mann
der mir einmal gefährlich war
dein Lachen und dein zärtlicher Blick
es war alles wieder da

Die Erinnerung schürte Eifersucht
als ich dich mit ihr so glücklich sah
doch dann begriff ich allmählich
dass es nur noch verletzte Eitelkeit war
es ist nicht einfach zuzugeben
dass eine Liebe gescheitert ist
wir hatten unsere Chance
genutzt haben wir sie beide nicht

Aber mit Lügen und Heimlichkeiten
möchte ich nicht weiter leben
so tun als sei alles in Ordnung
das halte ich nicht für fair
drum gebe ich dich heute frei
und wünsche dir viel Glück
glaub nur nicht es fällt mir einfach
doch ich sehe keinen anderen Weg.

Flittern

von Paola Reinhardt (copyright)

Venedig – Markusplatz – die vielen Tauben stören dich
sagst du ich bin enttäuscht weil auf Romantik eingestimmt
doch du siehst nur den grauen Himmel und den Regen
später auf der Seufzerbrücke fluchst du sogar ganz ungeniert
obwohl die fremden Passanten doch nichts dafür können
dass unser Gepäck noch immer fehlt und gegenüber
unserem kleinen Hotelzimmer eine volle Wäscheleine hängt

Das schmutzig graue Wasser des Canale Grande stinkt
an den sanierten Palazzos bröckelt schon wieder etwas Putz
und der Gondoliere hat zugegeben nur noch wenig Zähne
ist schon alt und richtig singen konnte er wahrscheinlich nie
lege meinen Kopf an deine rechte Schulter und summe
ein deutsches Liebeslied möchte dass du mich endlich küsst
doch du grummelst nur übelgelaunt etwas vor dich hin
romantisches Venedig wo hast du deinen Zauber nur versteckt
die schlechte Laune meines Liebsten färbt allmählich auf mich ab
von Flittern keine Spur denk ich und ahne eher eine echte Krise.

Ich weiß nur eins…

von Paola Reinhardt (copyright)

Am stillen See gehen die Winde
spielerisch mit dem Wasser um
umgaukeln den Abglanz der Sonne
der sich auf die seichten Wellen gelegt hat
wir teilen uns diese Idylle mit den Schwänen
deren majestätisches Gleiten über das Wasserparkett
schon leichte Neidgefühle bei mir auslöst
sie sollen ein Leben lang treu sein heißt es
überlege ob unsere Liebe wohl eine Chance hat
den angebrochenen Sommer zu überdauern?

Finde keine Antwort darauf in deinen Schelmenaugen
du lachst so gern und unbekümmert
nimmst das Leben nicht so ernst wie ich
spazierst selbstbewusst auf der Straße der Sieger
die ich nur vom Hörensagen kenne
dich kümmern auch die Wolkenberge nicht
die sich inzwischen vor die Sonne geschoben haben
so ist das Wechselspiel der Natur sagst du nur
gleich wird es anfangen zu regnen na und!

Ob unsere Liebe auch Überraschungen standhält
oder schon beim ersten heißen Diskurs scheitern wird
möchte ich dich fragen schweige aber lieber
dabei kommunizieren wir sonst fast ständig miteinander
in Zukunft will ich einfach versuchen
von deiner Leichtigkeit zu lernen
ohne mich dabei gleich verbiegen zu müssen
ob es mir gelingen wird weiß ich nicht
ich weiß nur eins dass ich dich liebe.

Bin so allein

von Paola Reinhardt (copyright)

Hastende Schritte über feuchtglitzerndem Asphalt
ihr dumpfes Echo hallt von Häuserfronten wider
die entkleidet vom Neonlicht der bunten Reklame
zwischen Heute und Morgen ihr tristes Dasein frönen
die kleine Stadt schläft und versteckt ihre Einsamkeit
in toten Fensternischen und dunklen Hauseingängen
ich aber weiß nicht wo ich meine lassen soll
schaue verzweifelt hoch zum sternenlosen Nachthimmel
der dicht über den erkalteten Schornsteinen liegt
und die Mondsichel von gestern verschluckt hat

Der zweite Glockenschlag vom nahen Kirchturm
lässt Gänsehaut auf meinen Armen wachsen
ich sehe mich erschrocken um und überlege
ob die Angst bereits eine Gestalt hat die mir folgt
das blonde Tangamädchen auf der Litfaßsäule
scheint auch zu frieren genau wie ich
ziehe den Kopf noch tiefer zwischen die Schultern
als könnten sie mich wärmen und vor der Nacht verbergen

Während ich den Weg durch die einsamen Straßen fortsetze
folgt mir ein fremder Hund auf Schritt und Tritt
jetzt reibt er sein Fell an meine Wade
als wollte er mich mit Schmeicheleien bezirzen
ihn mitzunehmen um ihm Asyl zu gewähren
dabei suche ich selbst eine Bleibe für diese und kommende Nächte.

An mein Kind

von Paola Reinhardt (copyright)

Du tanzt durch deine Lebenstage
leichtfüßig und elfengleich
hinein in eine Zukunft
die dir wie ein Märchen erscheint

Meine Füße sind bereits schwer geworden
vom anstrengenden Erdengang
ich fühlte mich dabei oft betrogen
vom Schicksal und von Gott

Inzwischen weiß ich es besser
ich selbst habe Fehler gemacht
verzeihen heißt nicht auch verstehen
denn Liebe fordert nichts ein

Verschenken anstatt nur wegzugeben
das habe ich von dir gelernt
vor Enttäuschungen kann ich dich nicht bewahren
doch bin ich immer für dich da.

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