Trotzdem

von Paola Reinhardt (copyright)

Tränen in den Augen
während mein Mund lügt
dabei kann er diese
schlaflosen Nächte nicht leugnen
lächele die Amsel an
die in den tristen Blättern
des Fliederbaums
neben meinem Fenster singt
die schweren Dolden
sind längst vertrocknet
nun wirkt er wie eine Frau
die ihre Jugend verschwendet hat
und nicht an das Alter dachte
trotzdem nehme ich nichts zurück
von meinem Treueschwur
werde dazu stehen
auch wenn ich umsonst
auf deine Rückkehr warte.

Wo bist du?

von Paola Reinhardt (copyright)

Du hast dich einfach davon gemacht
wie der Schillerfalter im letzten Sommer
der sorglos und tänzelnd die Blumen beglückte
und dann weiter flog als hätte es nie
diese zärtlichen Berührungen gegeben.

Ich habe überall nach dir gesucht
sogar im fernen Regenbogenland
wo die Farben zuhause sind und
alle Wünsche ihre Heimat haben
doch ich habe dich nicht gefunden.

Nur Gedankenspiele

von Paola Reinhardt (copyright)

Herbstzeitlose Gedanken vergiften mein Blut
obwohl es in den Tälern bereits
zitronenfaltergelb und augenblau blüht
mein Herz aber ist im Gletschereis
der Berge über uns stecken geblieben
seitdem du so beharrlich
Pfirsichblütenträumen nachjagst
die Farbe blasslila hat dir nie gefallen
gib acht dass sie dir nicht zum Verhängnis wird
so blind wie dich dein Spätjugendwahn gemacht hat.

Ich kann dir Liebe nicht erklären

von Paola Reinhardt (copyright)

Ich kann dir Liebe nicht erklären
mal ist sie flüchtig wie der Wind
mal nistet sie sich in Familienschluchten ein
beisst sich fest in warme Höhlen
hält eisern fest an der Gewohnheit Sitten
obwohl vom nahen Turme längst
laut und frech der Hahn schon vier Mal krähte

Judas lebt mitten unter  uns
wir schlucken willig seine Lügen
und ölig warm wird es dabei um unser Herz
das in der Eisigkeit erstarrt nun schmilzt
als habe es Zweifel vorher nie gegeben
doch später erschrickt uns wieder die Vernunft
die Fakten liebt und Liebe stets in Frage stellte
ich kann dir Liebe nicht erklären
sie ist mir oft begegnet aber fremd geblieben
und doch stirbt Hoffnung nicht zuletzt
heißt es – ich lebe noch.

Rückkehr

von Paola Reinhardt (copyright)

Morgennebel zwischen bunten Blätterschluchten
Hügelwiesen hüten Schaf- und Rinderherden
keine Orte keine Städte
nirgendwo ein Mensch zu sehen
vor mir läuft das graue Band der Autobahn
meine Hände zittern auf dem schwarzen Leder
Geschwindigkeitsrausch fast ausgelebt
möchte mit den Wolken fliehen
doch die Erde hält mich fest.

Plötzlich eine Stimme aus dem Äther
und sie trifft direkt ins Herz
das vom ersten Raureif fest umsponnen
kratzt daran und legt Gefühle frei
in der Tiefkühlkammer der Gedanken
legt sie auch ein Schalter um
langsam langsam wird’s mir wärmer
und ich nehm’ die Ausfahrt Ost
Morgensonne auf den Lidern
fahr ich lächelnd nun zurück.

Vertrauen

von Paola Reinhardt (copyright)

Der Herbst verbrennt seine Farben
zurück bleibt trockenes Laub
ich suche Schutz in deinen Armen
habe kein Haus für den Winter gebaut

Ich will meine Seele nicht halten
will dass sie deine berührt
werfe mich dem Schicksal in die Arme
und hoffe dass es mir gnädig ist.

Während du schliefst

von Paola Reinhardt (copyright)

Der Tag an dem nichts geschah
wollte nicht enden
wir vermieden es uns anzusehen
verloren uns im Haus
entkleideten uns im Dunkeln
während die Sterne hinter dem Fenster
für die Ewigkeit funkelten
überlegte ich nüchtern und kalt
warum ich die letzten Jahre
mit dir geteilt hatte
ich fand keinen Schlaf und wachte
während du schliefst
als sei deine Welt in Ordnung
wusste ich plötzlich
dass wir unsere Liebe verloren hatten
ich stand auf und ging
in einen Morgen ohne dich
lächelte voller Trotz meine Tränen weg
und begrüßte meine Entscheidung.

Warum?

von Paola Reinhardt (copyright)

Von der Nacht meiner tiefsten Dunkelheit
habe ich mich nie ganz erholt
damals verkroch ich mich im Damast
Blutgeschmack im Mund
blaue Flecken nicht nur auf der Seele
dennoch erteilte ich ihm die verlangte Absolution
obwohl mein Körper in seiner Nähe
vor Furcht zu Eis erstarrt war

Erst der Sonnenstrahl gegen Mittag
der mich im Hinterhof
neben den Mülltonnen traf
taute mich wieder auch
als er voller Mitleid
lange in meinem Gesicht verweilte
die frischen Narben küsste
und mir erzählte dass ich kein Nichts sei
mit dem man so umgehen konnte
begann ich zu erstarken.

Treulos

von Paola Reinhardt (copyright)

Ich steh weinend am Ufer und sehe ihr nach
wie sie allmählich im Nebelland verschwindet
meine schöne Geliebte die treulose Christine
sie trägt hohe Schuhe und ein Kleid aus Reif,
fühlt sich hörig dem brüchigen Eis und dem Winter

Diese Sprache verstehe ich nicht das weiß sie
bin ein toter Baum unter Bäumen doch sie lacht
Eis fällt auf meinen Mantelkragen und ich schweige
warte bis mich die Schollen am Ufer vertreiben
und der Wind mich heim jagt über das offene Feld

höre den Ruf der aufgeschreckten Krähen über mir
und fliehe entsetzt vor dem Morgen in die Stadt
dort suche ich verzweifelt in allen Bars nach ihr
wo sie sich gern mit anderen Männern vergnügt
warum kann ich sie nicht einfach vergessen!

Halbtrauer

von Paola Reinhardt (copyright)

Lavendelduft im Haar
verfolgt von den Gedanken an die Provence
wo der Ginster gelb lodert bevor er verglüht
Farbe klebt an meinen Händen
doch die Leinwand vor mir bleibt leer
die Zeit vergeht in Halbtrauer.

Gibt mir meine Kreativität zurück
die du mir in den blauen Feldern gestohlen hast
als wir die Mittagssonne einfangen wollten
den ockerfarbenen Felsen im Hintergrund
nahmen wir mit in dein Atelier
das nach wildem Thymian roch

Mir fehlt dieses einmalige Licht
das sich hinter der flirrenden Hitze verbreitet
Ruinenromantik und derber Einfachheit
Schauspieler und Pantomimen auf den Straßen
laute Musik und bunte Happenings
der Schatten der Olivenbäume in deinem Dorf.

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