Denkste

von Dieter J. Baumgart (copyright)

Es war einmal ein wildes Schwein,
das war wohl gar nicht gern allein.
Drum kam es häufig zu Besuch
und las ganz still in einem Buch.

Es las darin von andren Schweinen,
von großen und auch vielen kleinen,
und wunderte sich dann und wann,
was Schwein so alles finden kann.

Von Trüffeln war da auch die Rede,
die findet man ganz leicht am Wege.

Ganz einfach, dachte sich das Schwein,
und hob zur Probe mal ein Bein.
Und wühlte hier und auch mal dort,
und mal an einem andren Ort.

Die Menschen dachten: Ei, wie fein,
wir haben wohl ein Trüffelschwein.
Sie liefen hinterher und gruben,
gar viele hübsche kleine Gruben.

Schule des Lebens

von Eduard Breimann (copyright)

Ich bin angekommen, stehe reglos!
Hatte ich eine andere Wahl?
Schwarze Gedanken überfallen mich, stürmen herein.
Was für eine Qual!
Was will ich nur hier, tausend Jahre später?
Oh Gott, so hilf mir doch!
Wo sind sie jetzt, meine Lehrer, Richter, Züchter?
Leben sie gar noch?

Da steht sie, droht nicht mehr.
Stummer Zeuge, gebaut aus toten Steinen.
Für das Leben lernt ihr; Buße muss sein!
Gott will nicht, dass wir weinen.
Schule des Lebens; Hort der Kindheit; Wort für Scham.
Hier entstand mein Hass.
Stimmen, Lachen, Schmerzen; ich will nicht mehr!
Mein Gesicht ist tränennass.

Leidenschaft der Mutter! Schande für uns!
Todsünde aus Trunkenheit!
Muffiger, schwarzer Talar, pfeifender Stock,
Blick voller Lüsternheit.
Du wirst dafür büßen; Kind der Sünde.
Gib mir die Hand, deinen Arm.
Alles in mir ist nass; ich weine lautlos.
Aus Hass – und auch aus Scham.

Ewiges Stigma; Narben auf meiner Seele;
Striemen in der Hand.
Ich will nur sterben; Nebel, grinsende Engel
tanzen auf der Wand.
Neblige Ohnmacht, Eis ist in mir.
Wie Kinderlachen boshaft schallt.
Seht ihn euch an! Gott ist gnädig!
Warum ist seine Stimme so kalt?

Oh, mein Gott! Ist jetzt wirklich alles anders?
Dass Schmerz mit der Zeit vergeht?
Ob sie noch leben? Ob sie noch strafen?
Ob dieser Talar noch weht?
Spielende Kinder, Lachen,
Hände die sich ums Geländer ranken.
Wie kann man nur vergessen?
Was erlöst mich von diesen Gedanken?

Frühling

von Paola Reinhardt (copyright)

Lerchenblauer Himmel über uns
der Morgen schwelgt im Sonnenebel
geschenkter Lebenstag
der noch ahnungslos ist
geduckter Huflattich am Ackerrain
leuchtet neben dem Grün der aufgegangenen Saat
in den Wiesen warten die Lämmer
auf ihren Ostertod
noch bevor die Sterne in die Nacht hineinwachsen
wird es geschehen.

Der Wind / Le vent

von Dieter J. Baumgart (copyright)

Der Wind
blättert in den Bäumen
und erzählt Geschichten aus der Zukunft,
denn er
wird der Letzte sein,
der geht.

Le vent
feuillette dans les arbres
et conte des histoires à venir,
car c’est lui
qui sera le dernier
à partir.

Liebeslügen

von Paola Reinhardt (copyright)

Die Wildheit der Nacht
liegt hinter uns
der Morgen aber
ist beladen mit Lügen
er wird verfaulen
noch ehe deine Hand
sich von meiner Haut löst.

Warum konntest du nicht
in Stummheit verharren
sich meine Ohren in Taubheit
verschließen
du hast mich verletzt
sag nie wieder ich liebe dich!

Sie ist alles, die Liebe

von Paola Reinhardt (copyright)

Du schlichst dich heimlich
in mein Bett
törichte blind machende Liebe
und ich konnte den Zauber des Rosengartens
in deinen Augen nicht widerstehen
du warst die große Ruhe inmitten des Sturms
aber auch der Monsum der über mich hinwegfegt ist
weh mir!

Frühlingshauch

von Paola Reinhardt (copyright)

Ein zarter Frühlingshauch
streift mein Herz
rührt an der Starre
die mich gefangen hält
kühlt die Narben
alter Verletzungen
im Zentrum des Schmerzes
erfahre ich Hoffnung
denn alles verändert sich
auch wir.

Birkenbaumtrauervogel

von Paola Reinhardt (copyright)

Raureifherz in Flammen geworfen
nie Feuer gefangen unversehrt geblieben
nun lasten dunkle Erde welke Kränze und die
verlogenen Lobeshymnen deiner Freundfeinde
schwer auf deinem harten Eichenbett.

Von verschwendeter Zeit ohne Rückkaufswert
hat dir der Birkenbaumtrauervogel gesungen
bevor er den Ast verließ und weiter flog
da Todesstarre dich fest umklammerte
warst du zum Zuhören verurteilt.

Wolltest Gefühle nie zugelassen
ersetztest den toten Hund genauso schnell
wie jede abgelegte Gespielin
sprangst auf den Loopingjet Zerstreuung
um im Rausch die innere Leere zu vergessen.

Und doch ist es mir gelungen
deinem Hartkokon aus Selbstgefälligkeit
einige Haarrisse beizubringen
während du dich verzweifelt gegen die
Ansteckungsgefahr Liebe gewehrt hast.

In einem anderen Land

von Paola Reinhardt (copyright)

Jasminaugen und ein Duft von Sandelholz
braune Hände reichen mir Tee
in den Souks von Tunis
wo die Händler und Kunden um Preise feilschen
doch ich will keinen buntgeknüpften Teppich
kein Leder und keine blaue Traumseide
spüre nur Sehnsucht nach dir
doch Karthago ist näher als du
unter den fremden Sternen
ist mir nicht einmal der Mond vertraut
aber Zeit und Stunde stimmen genau überein
als wir jetzt zum Himmel hoch schauen
ich hier und du in einem anderen Land
die Technik überwindet gerade Schallmauern
höre deine Stimme an meinem Ohr
zwischen Jasminduft und dem Spiel der Flöten
und ich weine obwohl mich ein Märchen
aus Tausend und eine Nacht umgibt.

Hier und heute

von Paola Reinhardt (copyright)

Ich gehe
setze einen Schritt vor den anderen
guter Tag heute
die Frau die ihren Krebs besiegt hat
überholt mich
das Gespenst Angst sitzt noch
immer in ihren Rockfalten
ich
fühle mich unverwundbar
solange die Träume meine Bettdecke nicht
wegziehen
habe meine Haut in Drachenblut gebadet
kein Ahornblatt fiel darauf
daher
überschätze ich mich manchmal
Libellen tanzen im Sonnenlicht
der Fisch
springt ans Licht und zurück
ins rettende Wasser
die Ameise
unter meinem Fuß stirbt plötzlich
weil die Welt so ist wie sie ist
deshalb lasst
die Geigen für uns spielen
damit sie den Tod vertreiben.

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