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	<title>The-Short-Story &#187; Krimi</title>
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		<title>Besuch von Harry Eppendorf</title>
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		<pubDate>Mon, 17 Nov 2008 19:46:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner-Kurt</dc:creator>
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		<description><![CDATA[von Paola Reinhardt (copyright) Alida schreckte an diesem Morgen mit einem kurzen Schrei aus ihrem Traum hoch, der sie minutenlang mit einer alten Bahnhofsuhr konfrontiert hatte. Der überlaut tickende große Zeiger war kurz vorher mit einem gewaltigen Gongschlag auf die Zwölf gesprungen und hatte sich dabei demonstrativ über den kleinen gelegt, der bereits dort stand. [...]]]></description>
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<p><em>von <a href="http://www.the-short-story.de//?p=68">Paola Reinhardt</a> (copyright)</em></p>
<p>Alida schreckte an diesem Morgen mit einem kurzen Schrei aus ihrem Traum hoch, der sie minutenlang mit einer alten Bahnhofsuhr konfrontiert hatte. Der überlaut tickende große Zeiger war kurz vorher mit  einem gewaltigen Gongschlag auf die Zwölf gesprungen und hatte sich dabei demonstrativ über den kleinen gelegt, der bereits dort stand.<br />
Ein Traum, es ist ja nur ein Traum, dachte Alida erleichtert, als sie ihr Daunenlaken in den Händen spürte, an das sie sich noch immer festgeklammert hielt. Ihr Herz klopfte so stark, als wollte es durch die Haut springen. Völlig benommen stand sie auf, zog die Jalousien hoch und sah, wie sich die Sonne langsam durch ein diffuses Wolkengebilde ihren Weg bahnte. Noch gelang es ihr nicht,  ihr volles Licht zu entfalten. Aber es würde ein schöner Tag werden, das konnte man schon jetzt sehen.<br />
Alida ging zu ihrem Bett zurück, setzte sich aufrecht vor das hinter den Rücken geschobene Kopfkissen und begrüßte den frühen Morgen mit einem antrainierten Lächeln, das ihr heute allerdings schwer fiel. Papier und Kugelschreiber für ihre täglichen Morgenseiten lagen griffbereit auf der Konsole neben dem Doppelbett, von dem die eine Hälfte seit ungefähr zwei Jahren nicht mehr benutzt wurde.  Ein Umstand, den Alida allerdings nicht bedauerte. Daher hegte sie auch nicht den Wunsch, dies in absehbarer Zeit zu ändern.<br />
Mit ihrer schwungvollen Schrift setzte Alida an den oberen Rand des Papiers das aktuelle Datum: 10.7.2008.  Darunter schrieb sie in großen Buchstaben: Träume sind Schäume! Dann unterstrich sie diesen Satz und setzte ein dickes Ausrufzeichen dahinter. Anschließend begann sie sich alles von der Seele zu schreiben, was ihr gerade so einfiel und sie dazu verdammt hätte, mit angehäuftem Seelenmüll in den neuen Tag zu starten.<br />
Scheiß-Traum! Ich weiß beim besten Willen nicht, was er zu bedeuten haben soll! Am besten, ich vergesse ihn. Also weiter im Text: „Das erste Vogelkonzert ist zu Ende. Schade. Die Gefiederten legen gerade eine Pause ein. Die Rotbuche müsste unbedingt  im Wuchs gestutzt werden, sonst ragt sie zu sehr aus der Hecke Gruppe heraus. Man könnte meinen, sie wäre bevorzugt gedüngt worden. Haha! Das Rasenschneiden werde ich wohl auf den Abend verschieben müssen.  Das Gras ist noch nass vom Tau.  Ob mein Verleger wohl endlich das fällige Honorar für meinen letzten Roman überwiesen hat? Es ist Anfang Juli und die Abrechnung ist seit März überfällig. Hoffentlich hat der Verlag keine Insolvenz angemeldet. Auf meinem Konto sieht es zurzeit echt mies aus. Ich könnte wirklich jeden Cent gebrauchen.  – Aha, jetzt geht das Vogelkonzert anscheinend doch weiter.  Allerdings so leise,  als wollten die Gefiederten die Nochschläfer kurz vorm Klingeln ihrer Wecker nicht stören. Was bewegt manche Menschen bloß dazu, so lange in den Betten liegen zu bleiben? Ich bin immer heil froh, wenn die Nacht vorbei und es endlich draußen  wieder hell wird!“  Auch dahinter setzte Alida ein dickes Ausrufzeichen.<br />
Jetzt unterbrach sie den Schreibfluss und trank einen Schluck Wasser aus dem bauchigen Glas, das neben dem Papierstapel stand. Es war inzwischen lauwarm geworden.     Aber bestimmt gesunder, als eiskaltes Wasser auf nüchternen Magen. Ihren roten Lieblingskugelschreiber noch in der Hand,  mit dem sie im Laufe der letzten Jahre schon einige Morde begangen hatte, reckte und dehnte sie sich nun erst einmal ausgiebig. Auf einmal war mit dem Gongschlag zwölf dieser Traum wieder präsent, als sei sie gerade erst daraus erwacht.<br />
Alida erschrak. Sollt er vielleicht doch eine Bedeutung haben?  Ach was, sie glaubte weder an Horoskopen noch an Hellseherei, auch nicht an Vorahnungen. Alles, womit sie diesen Traum in Verbindung bringen konnte war dieser Western mit Grace Kelly und Cary Cooper: Zwölf Uhr mittags. Sie hatte ihn mindestens drei Mal gesehen. Aber nicht gestern Abend.<br />
„Schluss aus! Man darf sich nie zu lange bei einer Frage aufhalten, die man nicht lösen kann. Das verdirbt einem die Laune“, sagte Alida und sprang aus dem Bett Selbstgespräche gehörten seit langem zu ihrem Alltag, genauso wie die selbst gewählte Einsamkeit. Jetzt begannen die Routinearbeiten des Alltags: Kaffee kochen, Brötchen vom Gesterneinkauf aufwärmen, Tisch decken, Blumen gießen, frühstücken, die regionale Tageszeitung lesen und die drei Sudoku Rätsel darin lösen. Pünktlich um sieben Uhr würde sie, wie an jedem Morgen, an ihrem Schreibtisch sitzen und auf gute Einfälle für ihren neuen Krimi warten. Dieses Mal wollte es einfach nicht so recht voran gehen. Die ersten hundert Seiten hatte sie schon etliche Male umgeschrieben. Wahrscheinlich steckte sie gerade in einer Schreibblockade. Das sollte sogar bei Top Autoren vorkommen.<br />
Alida sprang aus dem Bett. Ihr Kugelschreiber landete dabei achtlos auf dem grünen Veloursboden neben den bequemen Gummischlappen in der kitschig rosa Farbe, die sie nie angezogen hätte, wäre sie neben einem Mann aufgewacht.<br />
„Keine Angst, das passiert mir so schnell nicht wieder! Ich habe es schließlich mehrfach getestet und dabei herausgefunden, dass Männer und Treue einfach nicht zusammen passen.“ Sie lachte und ging nach nebenan ins Bad, um die Jalousien hoch zu ziehen.  Die Nachbarin, etwa dreißig Meter von ihrem Haus entfernt, ebenfalls eine Frühaufsteherin wie sie, begutachtete bereits in ihrem Garten das Wachsergebnis der letzten Nacht bei den Salat-, Tomaten- und Erdbeerenpflanzen. Wie üblich trug sie dabei ihren nachtblauen Satinmorgenmantel. Ihr weißer Pagenkopf leuchtete durch das Grün des Spalierobstes. Sie war eine harmlose alte Frau, die schlecht sehen und hören konnte und ein ausgesprochener Fan ihrer Kriminalromane war. Alida lächelte.<br />
Als das Wasser der Toilettenspülung unter ihr rauschte, entschloss sie sich, auch in den Wohnräume den Morgen hereinzulassen. Mit einem fast feierlichen Schwung ließ sie kurz darauf die beigefarbenen Stoffbahnen zur Seite rauschen. Alida liebte den Blick auf die Terrasse mit den rosa blühende Oleanderbäume, die während der  momentan anhaltenden Hitzeperiode täglich gewässert wurden mussten. Daran schloss sich der Rasen mit der dichten Laubhecke im Hintergrund, die sie vor neugierigen Blicken schützte.<br />
Die Morgenluft war noch kühl, aber rein wie der junge Tag. Alida machte ein paar Atemübungen, drehte sich danach zehn Mal nach rechts, dann nach links im Kreis herum und beschloss, dass ihre Morgengymnastik heute damit beendet sei.<br />
„Ich gehe jetzt die Zeitung holen“,  sagte sie in die Stille der Diele hinein, die sie im Anschluss daran durchquerte. Plötzlich stockten ihre Füße. Hinter den dicken Glasscheiben der Haustür stand ein alter Mann, der ganz offensichtlich zu ihr wollte.  Seine Augen, halb verdeckt von schweren Lidern, sahen sie über die randlose Brille hinweg prüfend an, als wollte er sich vergewissern, ob sie auch die Person sei, die er suchte.<br />
Alida blieb einen Meter von ihm entfernt hinter dem schützenden Holz der Tür stehen und betrachtete ihn eingehend: Sein dichter Bart zeigte über der Oberlippe noch die leichten Spuren einer früheren dunkleren Farbe. Die restlichen Barthaare waren grau und leicht gekräuselt, genau wie sein Kopfhaar, das oben schon leicht schütter wirkte. Es stieß im Schulterbereich auf den Sakkokragen seines schwarzweiß gestreiften Anzugs, dessen Qualität erkennen ließ, dass es sich bei dem Fremden nicht um einen Vertreter des gewohnten Zeitungsboten handeln konnte. Sogar die drei tief eingegrabenen Falten auf seiner Stirn, von denen die eine wie ein leichtes V wirkte, waren von ihrer Position aus deutlich sichtbar.<br />
Erst jetzt sah Alida den Brief  in seiner rechten Hand, für den er offensichtlich den richtigen Adressaten suchte. Ihre Hand lag schon auf der Türklinke, als sie beschloss, den Fremden mit einer Geste auf den neben der Tür angebrachten Postkasten zu verweisen. Schließlich war er groß genug, eine Menge Briefe aufzunehmen. Doch dann zuckte es belustigt um ihre Lippen. Alida, du hast doch nicht etwa Angst vor einem alten Mann, dachte, dache sie. Und im Bewusstsein der Überlegenheit eines sportgestählten Körpers wischte sie alle Bedenken zur Seite. Ja, sie  ignorierte sogar die Tatsache, dass sie nicht einmal einen Morgenrock über das weiße Nachthemd mit den Mohnblüten trug. Sie drehte den Schlüssel im Schloss einfach rechts herum.  Die Tür öffnete sich mühelos.<br />
„Guten Morgen“, sagte der Alte.<br />
„Guten Morgen“, erwiderte Alida.<br />
„Mein Auftraggeber hat mich angehalten, Ihnen diesen Brief persönlich zu überreichen. Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, Sie schon um diese Zeit  anzutreffen. Ich hätte natürlich auch noch auf Sie gewartet.“<br />
Alida antwortete ihm nicht darauf. Der Abstand zwischen ihrer Hand und der seinen, in der sich der Briefumschlag befand, betrug nur wenige Zentimeter, als ihr Herz plötzlich wie wild zu  rasen begann und das Blut schneller durch die Adern zu pumpte. Ein feiner Tabakgeruch stieg ihr in die Nase. Wahrscheinlich hatte der Absender des Briefes beim Schreiben eine Zigarre geraucht. Wer hatte ihr wohl etwas so Dringendes mitzuteilen, dass er schon morgens in der Früh einen Boten zu ihr schickte. Sollte das vielleicht eine Antwort auf die angemahnte Honorarabrechnung sein, für die sich der Verleger auf eine originelle Art bei ihr entschuldigen wollte?<br />
„Mein Name ist Harry Eppendorf“, sagte der Fremde und unterbrach ihre Gedanken.<br />
„Wie ich heiße wissen Sie ja, sonst hätten Sie mich nicht gefunden“, erwiderte Alida kühl.<br />
„Ja. Allerdings frage ich mich, ob sie nicht ein wenig leichsinnig sind, einem Fremden um diese Uhrzeit die Tür zu öffnen?“  Dann lachte der Mann kehlig und verhalten wie über einen ausgeleierten Witz.<br />
„Warum, ich habe keine Angst“, erwiderte Alida.  Und um ihre Aussage zu  bekräftigen, fügte sie spontan hinzu: „Wenn Sie einen Kaffee mit mir trinken möchten, dann lade ich Sie dazu ein. Ich wollt mir gerade einen aufbrühen.“  Während sie dies sagte, war sie sich durchaus der grotesken Situation bewusst, in der sie sich befand. Doch der vermehrte Adrenalinausstoß in ihrem Blut, übertönte die vorsichtige Warnung in ihrem Kopf.<br />
„Gern“, erwiderte der Mann, der sich Harry Eppendorf nannte, schob die Tür noch ein wenig mehr zur Seite und folgte ihr in den Wohnbereich.  Dort angekommen, setzte er sich ohne eine weitere Aufforderung abzuwarten auf einen der Stühle, die um den langen Esszimmertisch mit der anthrazitfarbenen Rauchglasplatte standen. Alida zog indessen den Morgenmantel über, der noch auf einen der eckigen Sessel hing. Er war genau so farbenfreudig wie ihr Nachthemd.<br />
„Margeritten, selbst gepflückt auf einer Wiese?“, fragte der Alte,  als sie  zurückkam und deutete dabei auf die runde Glasvase, die mitten auf dem Tisch stand.<br />
„Ja“, antwortete Alida. Dann ging sie in die Küche, um die Kaffeemaschine mit Wasser zu füllen und gab anschließend vier gehäufte Dosierlöffel Kaffeepulver in den Filter.  Sie stellte die Maschine an und die Dose mit dem gemahlenen Kaffee in den weißen Hängeschrank zurück. Aus einem anderen holte sie zwei weiße Tassen und Unterteller und dann noch die Dosensahne aus dem Kühlschrank. Kurz darauf war der Kaffee auch schon in die Glaskanne gelaufen und konnte eingegossen werden. &#8211;  Draußen zwitscherten die Vögel jetzt frech und unbekümmert ihr Morgenlied.<br />
„Ja, so trinke ich ihn gern, nicht zu stark und nicht zu schwach“,  stellte Harry Eppendorf  nach dem ersten Schluck anerkennend  fest. Interessiert sah er sich dabei im Zimmer um als suche er ein bestimmtes Detail, das er auf dem ersten Blick noch nicht wahrgenommen hatte.<br />
Vielleicht ist er gar nicht so harmlos wie er aussieht, überlegte Alida plötzlich,  die ihn dabei aus den Augenwinkeln beobachtete. Auf jeden Fall schien er kein gesprächiger Typ zu sein. Der intellektuelle Ausdruck in seinem Gesicht hatte sie angezogen und nun war sie enttäuscht, keinen Gesprächspartner sondern nur den Überbringer einer simplen Nachricht vor sich zu haben.  Am liebsten wäre sie ihn auf der Stelle wieder losgeworden.<br />
Nun fiel ihr Blick auf den längliche Briefumschlag, der noch immer dort lag, wo sie ihn hingelegt hatte. Vor ihr auf dem Tisch. Alida nahm ihn in die Hand und betrachtete ihn eingehend. Ihr Name war mit einem Füllhalter auf die Vorderseite geschrieben worden. Offenbar bevorzugte der Absender eine breite Feder.  Die Anfangsbuchstaben fielen auffallend groß aus und die Unterlängen lang und eckig.<br />
„Ich glaube, Ihnen steht heute noch ein aufregender Tag bevor“, sagte Harry Eppendorf plötzlich mit klarer akzentuierter Stimme, die sich fast feindselig anhörte.<br />
„Aha. Wenn Sie wahrsagen können, dann erzählen Sie mir doch ein bisschen mehr über mich?“, spöttelte Alida und hielt ihm die Innenfläche ihrer rechten Hand entgegen. Harry Eppendorf ging ohne weiteres darauf ein und betrachtete eingehend die unterschiedlichen Linien und Verzweigungen darin.<br />
„Ich sehe, dass Sie momentan unter einem enormen Druck stehen, ohne sich dies eingestehen zu wollen. Leiden Sie auch  manchmal an Verfolgungswahn?“<br />
„Nein!“, schrie Alida und fügte dann schnell etwas gefasster hinzu: „Ach, das ist doch alles Humbug. Ich glaube nicht an solche Mätzchen. Und außerdem dürfte ein guter Wahrsager seinem Klienten natürlich keine Angst machen.“<br />
„Oh, wenn ich Ihnen Angst eingejagt habe, so tut es mir leid. Aber Sie müssen ja nicht glauben, was ich sage“, erwiderte Harry Eppendorf.<br />
In diesem Moment kehrte Mimi, die schwarz-weiß gefleckte Katze, von ihrem nächtlichen Ausflug zurück und huschte durch die offene Terrassentür. Ihr Miauen klang erstaunt, als sie den Fremden witterte.  Dann setzte sich neben Alidas Stuhl und hielt den Kopf hochgereckt und die Ohren gespitzt.<br />
Harry Eppendorf versteifte sich augenblicklich auf seinem Stuhl, streckte seine blankgeputzten Schuhe mit den leichten Spitzen von sich, und für einen kurzen Moment sah es fast so aus, als wollte er Mimi einen Tritt damit versetzen.<br />
Alida war bei dieser Geste zusammen gezuckt.<br />
„ Ich mag keine Katzen“, sagte der Alte. „Ihre Haare lösen bei mir eine Allergie aus, die sich oft in Atemnot ausdrückt.“<br />
„Verstehe“, erwiderte Alida irritiert.<br />
Der Fremde wurde ihr allmählich unheimlich, denn er erinnerte sie in diesem Augenblick an einen Mann, an den sie nicht erinnert werden wollte.<br />
Harry Eppendorf war inzwischen aufgestanden. Seine Schultern wirkten ein wenig eingefallen, als habe er früher einmal Sport getrieben, dies aber in den letzten Jahren stark vernachlässigt, so dass die Muskeln inzwischen leicht verkümmernt waren.  Die Ärmel seines dunklen Blazers, unter dem er ein graues Strickhemd trug, reichten bis zu den dunkel behaarten Handrücken, auf dem deutlich blaue Adern hervortraten. Der Zeigefinger seiner rechten Hand trug eine leichte gelblichbraune Färbung und verriet den starken Raucher.<br />
Alida hatte sich ebenfalls von ihrem Platz erhoben, nahm die Katze auf den Arm und streichelte sie. Doch Mimi, die Eigenwillige, sprang sofort wieder hinunter und verschwand fast panikartig, als hätten ihre feinen Nerven längst die atmosphärische Veränderung im Raum gespürt.<br />
„Benötigen Sie eine Quittung?“, wandte sich Alida an den Mann und wedelte mit dem Brief in ihrer Hand.<br />
„Eine Quittung? Nein! Wofür? Ich habe Ihnen doch nur einen leeren Umschlag überreicht.“  Harry Eppendorf griff in seine Brusttasche und zog eine goldene Taschenuhr hervor.<br />
„Ach, sie ist mal wieder stehen geblieben, zeigt genau 12 Uhr an. Dabei müsste es inzwischen doch bereits sieben Uhr sein“, sagte er im Ton eines Selbstgesprächs.<br />
Da war er wieder dieser Traum! Diese Uhr mit dem großen Zeiger, der mit einem Gongschlag auf Zwölf gesprungen war.  Eine  feine Gänsehaut kroch über Alidas Arme und von dort weiter bis hoch zum Nacken.<br />
„Meine Zeit ist um. Ich muss gehen. Danke für den Kaffee. Schade, dass wir uns nicht unter anderen Umständen kennen gelernt haben. Ich glaube, ich hätte sie sogar gemocht“, sagte Harry Eppendorf.<br />
Seine grauen Augen, die den Glanz der Jugend schon lange verbraucht hatten, wirkten plötzlich lauernd, als müsste er vor ihr auf der Hut sein. Und dann hörte sie, wie sich seine Schritte mit einer Geschwindigkeit entfernten, die sie dem Alten nie zugetraut hätte.  Kurz darauf fiel die Haustür laut hinter ihm ins Schloss.<br />
„Ich muss verrückt gewesen sein, als ich diesen Harry Eppendorf herein gelassen habe, was meinst du, Mimi?“, fragte sie die Katze, die inzwischen zurückgekommen war.  Doch Mimi gab keinen Laut von sich. Da kniete Alida nieder und streichelte mit zitternden Händen das weiche Fell.  Doch Mimi fauchte laut und zog ihr mit den scharfen Krallen eine rötliche Spur durch das Gesicht.<br />
„Bist du verrückt geworden, Katze!“, schimpfte Alida. Doch Mimi nahm keine Notiz von ihr, rollte sich auf dem Boden zusammen, als sei sie völlig unschuldig an dem Geschehen.<br />
„Das wirst du noch bereuen!“, schrie Alida außer sich vor Wut und stampfte mit dem Fuß auf,  so dass Mimi sich blitzschnell entschloss,  das Weite zu suchen. Alida schickte ihr einige Flüche hinterher,  bei dem sich ihr ebenmäßiges Gesicht mit den tief dunkelblauen Augen und den vollen Lippen zu einer wütenden Grimasse verzerrte.<br />
„Ich glaube, ich habe dieses Gesicht des Mannes, der sich Harry Eppendorf nannte, schon irgendwo einmal gesehen. Aber wo und wann?“, sagte sie laut. Doch dann lächelte sie.  „Ruhig Blut Alida, verliert jetzt nur nicht die Nerven! Schließlich kann dir der Alte den Mord an Mark doch nicht nachweisen. Niemand!“<br />
„O doch“, erwiderte der Mann, der plötzlich im Rahmen der Terrassentür stand und fügte hinzu: „Harry Eppendorf, Kriminalhauptkommissar Harry Eppendorf,  kurz vor dem Ruhestand. Daher war es mir auch sehr wichtig, den ungeklärten Fall Mark Bongart zum Abschluss zu bringen.“<br />
Hinter den Scheiben der Terrassentür sah Alida plötzlich fremde Männer in gelben Gummistiefeln, die sich auf ihrem Grundstück mit Spitzhacken und Schaufeln zu schaffen machten. Und etwas abseits von ihnen stand die alte Damen von nebenan, als habe sie ein Recht hier zu sein.<br />
„Sie könnten uns die Suche erspare und sich das Warten, wenn Sie uns sagen, wo Sie ihn begraben haben“, sagte der Kriminalkommissar und hielt ihr erneut einen weißen Briefumschlag entgegen.<br />
Alida starrte ihn fassungslos an. Diese Mal würde er nicht leer sein, sondern einen Durchsuchungsbefehl enthalten, das wusste sie ganz genau.<br />
„Unter der Rotbuche“, entgegnete Alida leise. Dann ging sie langsam zum Tisch zurück und  trank den letzten Schluck aus ihrer Kaffeetasse. Er war längst kalt geworden, aber er schmeckte köstlich, nach einer Freiheit, die sie bereits verloren hatte.
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		<title>Verschobene Rache</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jan 2007 16:53:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner-Kurt</dc:creator>
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<p><em>von <a href=http://www.the-short-story.de/?p=398>Angela Brown</a> (copyright)</em></p>
<p>Sheriff Dockery sah die Leiche minutenlang wortlos an. Dann schob er seinen Cowboyhut in den Nacken, kaute an seinem Kugelschreiber (eine Angewohnheit die jeden in seiner Umgebung verrückt machte) und lief um die Liege herum, die normalerweise dazu benutzt wurde um Patienten vom OP zur Station zu transportieren. Jetzt lag einer der beiden Chirurgen, Dr. Sheffield, quer darüber drapiert und in seinem Rücken steckten zwei Skalpelle.  Seine haarigen, muskulösen Arme hingen fast bis auf den Boden. Dockery dachte an den Sommer, als seine 15-jährige Tochter eine Blinddarmoperation brauchte und er zweifelte, ob Dr. Sheffield der richtige für seinen kleiner Engel war. “Hast du seine Hände gesehen, Lissy? Groß wie T-Bone Steaks und die Finger sehen aus wie Würstchen.” Aber seine Frau, praktisch wie immer, hatte sich nicht beirren lassen. “Ich habe keine Lust nach Asheville zu fahren”, hatte sie ihm gesagt. “Dr. Sheffield hat einen guten Ruf.” Und es war wirklich alles gut gegangen. Shana war zwei Tage später wieder zu Hause. Und jetzt war Dr. Sheffield tot. Sein Gesicht hatte einen erstaunten Ausdruck, so als hätte er mit allem gerechnet, nur nicht mit zwei Messern im Rücken.<br />
Vom Schwesternzimmer am anderen Ende des OP kam lautes Schluchzen. Wahrscheinlich Schwester Melissa, die den Toten gefunden hatte, als sie um sechs Uhr morgens den OP Nummer Zwei für eine Gallenblase fertig machen wollte.<br />
Der Sheriff fluchte leise. “Das ist nicht unser typischer Mordfall, Ricky”, sagte er zu seinem Deputy der Tabak kauend  neben ihm stand. “Wer hat etwas gegen einen Arzt hier in Murphy? Wir sind froh, für jeden, den wir in unser Krankenhaus locken können.”<br />
“Er hat mir im vorigen Jahr die Kugel von dem Morrow aus dem Arsch operiert”, war alles was Ricky einfiel.<br />
“Schließ die Tür, stell dich davor bis die Leute von Asheville kommen. Bis dahin geht hier niemand rein.”<br />
Dockery verließ den Operationssaal und lief zur Tür hinter der immer noch lautes Weinen zu hören war. Auf dem Flur lief ihm ein aufgeregter Krankenhausleiter entgegen. Herbert Bucker fingerte nervös an seiner Brille herum und sah den Sheriff verzweifelt an.<br />
“Das ist eine Katastrophe”, sagte er dreimal hintereinander. “Dr. Sheffield war unser fähigster Chirurg. Jetzt haben wir nur noch Dr. Ritter.”<br />
Die Brille sass endlich so, wie er es wollte. “Ein sehr guter Chirurg, keine Frage. Aber Dr. Sheffield brachte uns das meiste Geld. Und das sechs Monate vor meiner Pensionierung.”<br />
Dockery dachte, dass es wirklich sehr unhöflich von dem Toten war, sich ausgerechnet jetzt ermorden zu lassen. Er  hatte genug von den Tiraden des Mannes, den er immer für einen Weichling gehalten hatte. Buckner war schon in Murphy so lange der Sheriff zurückdenken konnte. Er machte seine Arbeit gut, keine Frage. Sein Vertrag wurde jedes Jahr verlängert. Aber er war kein Mann,  sondern ein Waschlappen eben. Seit zwanzig Jahren schon leitete er den Club der Vogelschützer, den er selbst gegründet hatte. Anstatt wie die meisten Männer hier ihre Zeit mit Jagen und Fischen zu verbringen, lief er bei jeder Gelegenheit durch den Wald und suchte nach verletzten Vögeln, die er dann bei sich zu Hause gesund pflegte.<br />
Der Aufenthaltsraum der Schwestern war klein, nicht mehr als eine Besenkammer mit einem Tisch und vier Stühlen. Auf einem der Stühle sass Melissa und ließ sich von ihren Kolleginnen trösten.<br />
“Mein Gott”, schluchzte sie. “Ich habe gestern abend noch mit ihm gesprochen. Da war er noch so lebendig. Bis morgen, Melissa, hatte er gesagt.”<br />
“Um wie viel Uhr war das?” fragte der Sheriff.<br />
Melissa sah ihn einige Augenblicke verwirrt an. Sie bemerkte den Sheriff erst jetzt. “Gegen zehn Uhr. Ich bin gegen zehn Uhr nach Hause gegangen.”<br />
“Etwas spät für eine Operation.” Dockery waren die vielsagenden Blicke nicht entgangen, die die  anderen Krankenschwestern sich zuwarfen.<br />
“Nun, der letzte Eingriff war gegen sieben Uhr fertig. Aber Dr. Sheffield wollte mit mir noch den nächsten Tag besprechen und dann bestellte er Pizza und dann redeten wir noch ein bisschen über Fort Louderdale. Wir kommen beide von dort her&#8230;&#8230;” Sie zuckte hilflos mit den Schultern. “Und jetzt ist er tot.”<br />
Mehr war im Moment aus Melissa nicht rauszukriegen. Sie fing wieder an laut zu heulen und Dockery gab’s auf. Er würde später noch einmal mit ihr reden.<br />
*<br />
“Wann haben Sie ihren Mann das letzte Mal gesehen?” Der Sheriff nahm dankbar die Tasse Kaffee an, die die kubanische Witwe von Dr. Sheffield ihm reichte.<br />
Die Frau dachte kurz nach. “Gestern morgen”, sagte sie mit ihrem melodischen spanischen Akzent. “Er war wie immer. Um sieben Uhr aufstehen, eine halbe Stunde joggen, eine halbe Stunde Gewichte. Mein Mann war ein Gewohnheitstier. Veränderungen machten ihn verrückt.”<br />
Dockery bemerkte, wie schnell Isabella Sheffield von ihrem Mann in der Vergangenheit sprechen konnte.<br />
“Kam er oft spät nach Hause?”<br />
Isabella zog verächtlich die Lippen nach unten. “Auch darin war mein Mann ein Gewohnheitstier. Seit zwanzig Jahren die selbe Geliebte.”<br />
“Schwester Melissa?” Dockery sah sie ungläubig an und verglich in Gedanken diese attraktive Kubanerin mit der plumpen Krankenschwester.<br />
Isabella lachte bitter. “Ja, genau die. Das fing vor über zwanzig Jahren an. Damals wohnten wir noch in Florida. Als er die Stelle hier annahm, dachte ich es wäre endlich zu Ende. Bis mir bei einem Rundgang im Krankenhaus die neue OP Schwester vorgestellt wurde. Sie war schon drei Monate vor uns hier angekommen.”<br />
“Sie sehen mich überrascht. Warum würde ein Mann eine Frau wie Sie mit einer Frau wie Melissa betrügen?”<br />
Isabella zuckte die Schultern. “Das habe ich mich schon hundert Mal gefragt. Die beste Antwort die ich habe ist, dass selbst Rumba und Pina Colada mit der Zeit langweilig werden. Und dann sehnt sich ein amerikanischer Mann nach seiner Mutter, Apfelkuchen und Milch.”<br />
“Und das hat sie nicht gestört?”<br />
“Was hätte ich tun sollen? Mich scheiden lassen? Wieder nach Fort Louderdale zurück gehen? Ich bin dreiundfünfzig Jahre alt. Ich habe zu viel Zeit in diese Ehe investiert.”<br />
“Wo waren sie gestern abend?”<br />
Isabella zuckte leicht zusammen und lächelte dann. “Ich verstehe, ich bin die Hauptverdächtige. Ich war ausgegangen. Mit einem Freund &#8211; Dr. Ritter. Wenn ich die Affaire meines Mannes auch hinnehme, dann heißt das noch lange nicht dass ich gerne allein bin.”<br />
*<br />
Eine Woche später kam endlich ein Durchbruch. Das Labor in Charlotte war am Apparat. Ein einziger Daumenabdruck auf den sonst sterilen Mordwaffen. Ein Daumenabdruck, der eindeutig zu einer Melissa Teems gehörte. Ob dieser Name dem Sheriff etwas sagte.<br />
Dockery fiel fast vom Stuhl. “Melissa Teems? Das ist die OP Schwester.”<br />
Der Mann am anderen Ende kicherte. “Ihr Fingerabdruck ist auf der Mordwaffe. Keine Zweifel.”<br />
“Wieso ist sie überhaupt in einer Kartei? Vorbestraft?”<br />
“Nein, überhaupt nicht. Aber sie hat als Achtzehnjährige einen Armeedienst absolviert. Sie ist in der Militärkartei.”<br />
Nachdem Dockery aufgelegt hatte starrte er minutenlang auf die graue Wand vor ihm. Melissa Teems &#8211; das passte einfach zu gut. Sie hatte kein Alibi, gab zu, dass sie die letzte war, die Sheffield lebend gesehen hatte. Sie hatte ein Verhältnis mit ihm. Sie war sehr emotional.<br />
*<br />
“Aber warum sollte ich ihn denn ermorden?” sagte sie schon zum zehnten Mal in den letzten dreißig Minuten. “Wir haben uns doch geliebt.”<br />
“Vielleicht war dir ein Verhältnis nicht mehr gut genug. Vielleicht wolltest du mehr. Nach zwanzig Jahren kann man eigentlich mit einer Ehe rechnen. Du bist die einzige, die weiß warum.”<br />
“Nein”, sie schüttelte ihren Kopf so heftig, dass ihre blonden Locken in alle Himmelsrichtungen fielen. “Nein. Das ist überhaupt nicht wahr. Ich hätte nie darauf bestanden, dass er seine Frau verläßt. Er hat mir gesagt, dass er sich das finanziell nicht leisten kann. Und ich verstehe das. Wir haben uns oft genug gesehen&#8230;”<br />
Sie sah den Sheriff und seinen Deputy bittend an. “Sie müssen mir glauben.” Ihre veilchenblauen Augen füllten sich mit Tränen, dann weinte nur noch still vor sich hin und schaute auf ihre Hände. Kleine, weiße Porzellanhände, denen man eher zutraute, dass sie Schokoladenplätzchen backten. Irgendwie konnte er sich nicht vorstellen, dass diese Hände zwei Skalpelle in den Rücken eines Mannes stoßen konnten.<br />
Die Tür öffnete sich und einer seiner Deputies trat ein. Melissa bemerkte ihn nicht einmal.<br />
Er trat hinter den Schreibtisch und flüsterte dem Sheriff etwas ins Ohr. “Bist du sicher?” fragte Dockery. Der Deputy nickte.<br />
“Melissa. Ich glaube es ist besser, wenn du dir einen Anwalt nimmst.”<br />
“Einen Anwalt”, flüsterte die Krankenschwester und wurde bleich. “Aber ich habe doch nichts getan.”<br />
“Melissa. Wir haben in deinem Spind eine Schwesternuniform  gefunden. Mit großen Blutflecken. Ich muss dich leider wegen Mordes verhaften.”<br />
Ricky sprang von seinem Stuhl, als hätte er nur auf dieses Stichwort gewartet. Er riss die fast ohnmächtige Melissa hoch und bog ihre Arme auf den Rücken.<br />
“Aber ich arbeite doch im OP. Da kommt öfter Blut an meine Hosen”, rief sie noch. Dann zog Ricky sie aus dem Raum.<br />
Als er alleine war, steckte Dockery sich endlich eine Zigarette an. Es war eigentlich nicht erlaubt, das Sheriffsbüro war rauchfreie Zone, aber das störte ihn im Moment nicht. Seine Welt war wieder in Ordnung. Morde in Murphy waren immer schnell gelöst. Immer war Eifersucht, Rauschgift oder Familienzwist der Grund für die Tat. Und immer fand man den Täter in der nächsten Umgebung des Opfers. Ehemann erschießt Ehefrau. Bruder ersticht Bruder. Sohn erdrosselt Mutter. Und jetzt Geliebte ersticht verheirateten Mann. Eine kleine Variante, aber trotzdem immer noch nach dem Schema.<br />
Er schaute auf die Uhr. Schon kurz nach fünf. Seit einer Woche hatte er schon keine warme Mahlzeit mit seiner Frau gegessen. Sie und die Kinder aßen immer um sechs und er war kaum vor zehn Uhr nach Hause gekommen. Aber jetzt hatte er frei. Jetzt konnte er mit seiner Frau und den Kindern am Küchentisch sitzen, Hackbraten und Käsenudeln essen, und froh sein, dass seine kleine Welt noch heil war. Dann würde er eine Dose Bier aufmachen und sich entspannen. Und vielleicht konnte er Lissy dann auch noch zeigen, wie froh er war, mit ihr verheiratet zu sein. Seine praktische, verlässliche Lissy auf die er sich immer verlassen konnte.<br />
*<br />
Sheriff Dockery streckte seine Beine unterm Schreibtisch aus und nahm einen Schluck Kaffee während er die Zeitung Lass. In drei Tagen begann der Mordprozess gegen Melissa Teems. Er seufzte leise. Sie würde wohl verurteilt werden. Die Beweise waren einfach zu viel. Das Blut auf ihrer Kleidung, das einwandfrei zu dem Toten gehörte, der Fingerabdruck. Ein Motiv, kein Alibi. Warum hatte sie nicht auf ihren Anwalt und den Staatsanwalt gehört und gestanden. Eine Tat aus Leidenschaft, sechs oder sieben Jahre, dann wäre die Sache überstanden. Aber sie behauptete steif und fest, dass sie nichts mit dem Mord zu tun hatte.<br />
Die letzten neun Monate in Untersuchungshaft waren hart für sie gewesen. Dockery erinnerte sich an das letzte Mal, als sie wegen eines Antrags ihres Anwalts hier in einer Zelle übernachtet hatte. Ihre ehemals blonden, lustigen Locken waren weiß und strähnig gewesen und ihre vollschlanke Figur hatte sie auch verloren. Sie würde es nicht leicht haben im Frauenknast.<br />
Ein leichtes Klopfen an der Tür störte ihn in seinen Gedanken. “Herein”, rief er und Jenny, die ältliche Postbotin trat ein.<br />
“Einschreibebrief für den Sheriff persönlich”, rief sie und hielt ihm einen Umschlag hin. Dockery unterschrieb und sah sich den Brief an. Kein Absender, aber in Raleigh abgestempelt. Ein einziges Blatt fiel heraus, vollgeschrieben mit einer pendantischen, engen Schrift. Während Dockery es Lass, fühlte er wie sich seine Nackenhaare sträubten.<br />
“Lieber Sheriff Dockery, sicher sind sie überrascht von mir zu hören. Sie hatten nie viel von mir gehalten und ich nicht von Ihnen. Zu einfältig, immer den einfachen Weg gehend, so lösen Sie ihre Fälle. Aber vielleicht muss man das auch in Murphy, wo immer ein Cousin Bobby Jo seine Verwandtschaft umbringt. Ich habe in der Zeitung gelesen, dass die arme Melissa nächste Woche ihren Prozess bekommt. Was soll ich sagen? Sie haben den falschen Mörder. Ja, genau. Ich habe den Arzt auf dem Gewissen. Hätten Sie mir nicht zugetraut, oder? Ich habe es meiner Frau versprochen und jetzt ist sie glücklich. Sehen Sie, unser geschätzter Chirurg hat nämlich unsere einzige Tochter auf dem Gewissen. Das war vor fünfzehn Jahren gewesen als ich für sechs Monate auf den Galapagosinseln war um Vögel zu studieren. Meine Tochter ging gesund ins Krankenhaus um einen Leistenbruch zu operieren und verblutete unter seinem Messer. Der Herr hatte es eilig zu seinem Golfspiel zu fahren und überließ das Zusammennähen seiner Assistentin, einer einfachen Krankenschwester. Schwester Melissa sagte natürlich, dass er es selbst gemacht hätte. Sie wissen ja, dass die beiden ein Verhältnis hatten. Und so haben sie jetzt beide gebüßt. Sheffield für den Tod meiner kleinen Amy und die Teems dafür, dass sie für ihn gelogen hat.”<br />
Dockery steckte sich gedankenlos eine Zigarette an. Er konnte kaum glauben, was er da las.<br />
“Wir sind dann nach Murphy umgezogen und ich habe jahrelang gedacht, dass ich meine Rache nie bekomme. Aber dann, eines Tages bewirbt dieser Mörder sich um eine Stelle in meinem Krankenhaus. Das war ein Wink des Schicksals. Eine höhere Macht hat ihn in meine Hände gegeben. Er wusste natürlich nicht, wer ich bin. Vielleicht hat er die ganze Geschichte damals in Florida auch schon vergessen. Aber wir haben nichts vergessen. Den Fingerabdruck von Melissa auf das Skalpell zu bekommen, war einfach. Die Frau ist viel zu naiv und hat mir die Mordwaffe auch noch selbst gegeben. Und das mit dem Blut auf ihrer Hose war auch nicht schwer. Wo ein Wille ist&#8230;. Machen Sie sich nicht die Mühe nach uns zu suchen. Wir sind weit weg von Murphy. Dort wo ich ganz neue Arten von Vögeln studieren kann und meine Frau endlich Zeit für einen Garten hat. Es wird uns niemand finden.  Mit freundlichem Gruß, Herbert Bucker.  P.S. Ich hoffe doch, dass sie Melissa Teems jetzt frei lassen, sie hat ihre Strafe schon abgebüßt. Ich bin schließlich kein Unmensch.”</p>

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		<title>Loslassen!</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Dec 2006 16:49:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner-Kurt</dc:creator>
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<p><em>von <a href=http://www.the-short-story.de/?p=264>Susanne Henke</a> (copyright)</em></p>
<p>“Wenn wir uns beeilen, schaffen wir es noch zur nächsten Verteilung der Dictionnaries.” Den Messeplan auf den Knien ausgebreitet, unterstützt Frauke den optimistischen Aufwärtstrend ihrer Stupsnase mit dem Zeigefinger. Hendrik schlüpft zurück in seine Schuhe, bereut sofort, dass er der Versuchung, seinen Fußen ein wenig Frankfurter Luft zu gönnen, nicht widerstanden hat.  Die Ausbeute von Fraukes dreistündigem Raubzug sprengt längst das Fassungsvermögen seines Rucksacks. Die Schnüre der großformatigen Umhängetaschen schneiden ihm ins Fleisch. Neidisch schaut er auf den kleinen Jungen, der von seiner Mutter im Bollerwagen durch das Bücherparadies kutschiert wird. Frauke strahlt ungebrochen Landfrauenfrische aus. Anti-Ageing-Creme braucht sie nicht, ihr Gesicht ist gut gegen Falten gepolstert, auf ihren Wangen leuchtet natürliches Rouge. Kaum haben sie den Eingang zur Halle 3 passiert, werden sie mitgerissen von der Lawine Leselustiger, aus der fünf schwarze Zipfel hervorragen. Mit geballter Fülligkeit bahnt Frauke sich eine Schneise durch die jungen Harry-Potter-Fans. Hendrik ist nicht schnell genug. Ein Zauberstab bohrt sich in seine Rippen.<br />
Könnte er sich doch damit zurück in sein Studierzimmer hexen, in den perfekt seiner Körperform angepassten Ohrensessel und die Lektüre des neuen Wissenschaftsmagazins fortsetzen. Die Stille seines Refugiums, das auch für Frauke tabu ist, genießen.</p>
<p>Der Anzug der Mitarbeiterin am Stand des Sprachverlags schlottert um sie herum, als hätte sie seit Tagen nichts mehr zu essen bekommen. Zittrig und absturzgefährdet wirkt ihr Lächeln angesichts der Meute, die sich um das Werbematerial balgt. Fraukes kleiner Mund formt sich zu einem überraschten “Oh”. Sie schiebt Hendrik zurück in den Gang.<br />
“Das dauert zu lange. Ich will einen guten Platz bei Ludger Langs Lesung.”</p>
<p>Hell leuchtet das Logo des “Rat&#038;Tat”-Verlages, dem Frauke einige ihrer Einsichten, vom Ikebana-Kurs über die neueste ernährungswissenschaftliche Mode bis zur Erstellung von Horoskopen, verdankt. Nie würde er die Phase vergessen, in der sie jedermanns Ohren unter die Lupe nahm und mit einer Charakteranalyse glänzte, die sie, ohne zu zögern, eine Woche später nach intensivem Studium von  “Was die Kopfform verrät” widerlegte.<br />
“Loslassen!” heißt das Werk ihres aktuellen Favoriten, dessen Konterfei auf dem Buchrücken Hendrik in den vergangenen Tagen beim Frühstück angelächelt hat.<br />
Überlebensgroße Versionen des gleichen Fotos flankieren die Bühne, schauen herab auf die ungeduldigen Ratsuchenden, die im caféhausähnlichen Zuschauerraum des Originals harren.<br />
“Da vorne!”, juchzt Frauke und prescht vor zu ihrem Platz in der ersten Reihe. Aus ihrer Tasche fischt sie zwei Lang-Bücher, zettelgespickt und zerlesen das eine, frisch aus der Folie das andere. Des Meisters Zeilen hat sie persönlich über die Messe getragen. Ein roter Fleck ziert ihren Hals. Seine Form erinnert an Sylt, doch anders als die Insel wächst er. Sie greift nach einem Flyer zum Frischluftfächeln, hält inne. Ein Wochenendseminar mit Lang zum Schnäppchenpreis von 1000 Euro. E-Mail-Coaching für nur 100 Euro monatlich, Einzelberatung vom Guru persönlich auf Anfrage. Flugs füllt Frauke die Anmeldung aus.<br />
Hendriks Protest verhallt ungehört im Begrüßungsapplaus.<br />
Ludger Lang erinnert ihn an den Autohändler, der ihm den “garantiert garagengepflegten” Wagen aufgeschwatzt hat, den er zwei Monate später vom ADAC direkt zum Schrottplatz schleppen lassen konnte. Mit federnden Schritten, den Oberkörper leicht nach vorne geneigt, tigert er auf der Bühne auf und ab.<br />
“Liebe Freundinnen und Freunde, ihr wollt euer Leben ändern?”<br />
Zaghaftes Nicken, begleitet von einem schwachen, mehrstimmigen “Ja”.<br />
“Ich höre euch nicht. Das könnt ihr besser!”<br />
Nicken bis zum Schleudertrauma, das “Ja” ist noch nicht synchron, aber kräftiger.<br />
“Dieses Buch wird euer Leben verändern!”<br />
Seine Stimme klingt, als hätte er ein Stück Kreide mit Öl hinuntergespült. Gurkenhobel könnte er auch gut anpreisen.<br />
“Der Erfolg ist in euch – ihr seid der Erfolg!”<br />
&#8220;Meidet Menschen, die euch negativ beeinflussen!&#8221;<br />
Mit ausgestrecktem Zeigefinger bohrt er dem Publikum seine Weisheiten ins Hirn. Fraukes Brillengläser beschlagen. Die ersten springen auf, drängen nach vorn – die verbitterte Geschiedene neben dem freigesetzten Manager, der hyperaktive Versicherungsvertreter neben der strebsamen Sekretärin. Hendrik zieht seine Jacke fester um sich.<br />
Lang stoppt seine Wanderung, schaut seinen Jüngern tief in die Augen.<br />
&#8220;Wollt ihr frei sein?&#8221;<br />
“Ja!”<br />
&#8220;Wollt ihr reich sein?&#8221;<br />
Mit diesem &#8220;Ja!&#8221; kann er zufrieden sein.<br />
&#8220;Macht euch frei und werdet reich!&#8221;<br />
Er streckt dem Publikum das Buch entgegen, tippt auf den Titel.<br />
&#8220;Das ist der Schlüssel!&#8221;<br />
&#8220;Lasst los, was euch gefangen hält!&#8221;<br />
&#8220;Entrümpelt euer Leben!&#8221;<br />
&#8220;Fangt sofort damit an – jetzt gleich!&#8221;<br />
Die Geschiedene löst den Haarknoten, befreit sich aus ihrer Kostümjacke. Der Manager zerfetzt sein Filofax.<br />
Frauke, sprungbereit wie beim Schlussverkauf, lauert auf den Startschuss für die Signierstunde, boxt ihren Nebenmann unsanft in die Rippen, erstürmt das Podium und schiebt Lang ihre &#8220;Loslassen!&#8221;-Exemplare mit einem Blick unter den Füller, den Hendrik noch nie an ihr gesehen hat.<br />
Dass der Meister durch sie hindurch sieht, merkt sie nicht, saugt seinen Anblick auf wie ein Junkie seinen Stoff, bewegt sich erst als ihr Hintermann sie zur Seite schubst. Sie springt vom Podest, zerrt Hendrik am Arm:<br />
&#8220;Los, wir können den Fünf-Uhr-Zug noch erwischen. Gleich heute abend fangen wir an. Als erstes entrümpeln wir dein Studierzimmer. Da muss alles raus!&#8221;</p>
<p>Sie hetzen über den Bahnhof zum letzten Gleis. Dicht gedrängt warten Messemüde auf die Einfahrt des Zuges. Das Buch fest umklammert bahnt Frauke sich an der äußersten Bahnsteigkante ihren Weg. “Achtung, auf Gleis 11 fährt ein der Intercity aus Stuttgart!”<br />
Frauke drückt den signierten Lang fester an sich,   hat kein Auge für den kleinen Jungen, der sich nach seinem Eis bückt. Sie stolpert, rutscht aus. Hendrik packt sie am Ärmel, hält sie über dem Abgrund. Knallrot leuchten die Lettern des Buchtitels vor ihrer Brust. Wie von selbst öffnet sich Hendriks Hand. </p>
<p>Hendrik lehnt sich zurück. Der Sessel steht jetzt am Kamin. Knisternd verzehren die Flammen Ludger Langs Einladung zum Aufbauseminar. Sein Buch begleitet Frauke auch auf ihrer letzten Reise. </p>

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		<title>Jakob</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Dec 2006 16:27:33 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[„Das Ende der Liebe, das Ende der Träume ...“ Lena  zuckte zusammen, als sie die alte Schlagermelodie aus dem Transistorradio eines Mitpassagiers hörte. Wann hatte sie dieses  Lied das letzte Mal gehört? War das nicht vor  zwanzig Jahren in dem kleinen Lokal  in der Nähe des Leuchtturms, als sie zum ersten Mal mit Jakob auf der Insel Ferien machte ...]]></description>
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<p><em>von <a href=http://www.the-short-story.de/?p=68>Paola Reinhardt</a> (copyright)</em></p>
<p>„Das Ende der Liebe, das Ende der Träume &#8230;“ Lena  zuckte zusammen, als sie die alte Schlagermelodie aus dem Transistorradio eines Mitpassagiers hörte. Wann hatte sie dieses  Lied das letzte Mal gehört? War das nicht vor  zwanzig Jahren in dem kleinen Lokal  in der Nähe des Leuchtturms, als sie zum ersten Mal mit Jakob auf der Insel Ferien machte?  Zu diesem Zeitpunkt hatten sich ihre Gedanken allerdings bereits mit Alfred und einer gemeinsamen Zukunft beschäftigt.  Sie war ihm ein paar Tage vorher rein zufällig auf der versandeten Strandpromenade begegnet. Er hatte sie angesprochen, sie hatten sich unterhalten und kurz danach ihren Spaziergang gemeinsam fortgesetzt. Während sie entlang der Dünen wanderten, erzählte er ihr von seiner Fabrik in Herne, dem Reet gedeckten Haus auf Sylt und seinem Winterdomizil in den Schweizer Bergen. Für ihn war es Liebe auf den ersten Blick gewesen, wie er ihr später verriet.  Nicht für sie. Doch reich zu sein erschien ihr damals verlockender als verliebt. „Ach Jakob, ich habe doch immer nur dich geliebt, das musst du mir glauben“, dachte Lena in einem Anflug von Wehmut. „Alfred war doch nur &#8230;“ Erschrocken brach sie ihr stummes Bekenntnis ab und umklammerte mit beiden Händen das metallene Gitter der Reling. Ihre Haut spannte sich über den weißen Knöcheln der Finger, und einen Moment lang hatte sie das Gefühl  zu schwanken. „Land in Sicht“, sagte der schmallippige Tourist neben ihr, der sich seit der Einschiffung an ihre Fersen geheftet hatte. Leider sah er völlig unbedeutend aus, wie ein  Beamter von der Bahn oder dem Finanzamt mit baldiger Aussicht auf Ruhestand.  Obwohl der stoppelkurze Schnitt seiner dichten grauschwarzen Haare und die leicht getönte Sonnenbrille so gar nicht zu seinem langweiligen Outfit  passte. Wahrscheinlich kaufte er seine Garderobe in einem Warenhaus von der Stange, denn sie entbehrte jedes modischen Schicks. „Ja, Land in Sicht“, wiederholte Lena und knipste ihr Gewohnheitslächeln aus, sobald sich ihre Blicke für einen kurzen Augenblick trafen.  Im Laufe der letzten Jahre hatte sie sich angewöhnt,  Fremden gegenüber vorsichtig, wenn nicht gar argwöhnisch zu sein. Schnell steckte sie die feingliedrigen Hände mit den kostbaren Ringen in die Taschen ihres schwarzen Kaschmirmantels, drehte sich um und ging zu ihrem Platz im Unterdeck zurück.  Doch auch hier fühlte sie sich schon nach kurzer Zeit erneut beobachtete und ohne von ihrer Zeitung hochzusehen, wusste sie auch von wem. Du bist zu argwöhnisch, Lena, versuchte sie sich zu beruhigen. Vielleicht verspürt dieser Mann ja nur Langeweile und würde sich gern mit dir unterhalten. Oder du gefällst ihm als Frau. Ja, warum eigentlich nicht! Schließlich war sie mit ihren zweiundfünfzig Jahren noch nicht zu alt, um auch das in Betracht ziehen zu können. Lena überblätterte den Sportteil der Zeitung und kam zu der Programmvorschau des Fernsehens. Ihre rechte Hand zitterte ein wenig, während sie weiter las. Heute Abend gab es schon wieder einen Krimi im Ersten und noch auf fünf anderen Kanälen. Was den Leuten nur an Krimis gefiel? Ein Mord war doch schließlich kein Vergnügen!</p>
<p>Zwanzig Minuten später, als sie von Bord der Fähre ging und ein wartendes Taxi herbeiwinkte, verspürte sie beim Anblick der Insel weder Sentimentalität, noch Erinnerungsfreude, sondern nur eine prickelnde Unruhe, die sie eigentlich hätte warnen müssen. Es ist nicht mehr die Insel von damals, dachte Lena enttäuscht und betrachtete während der Fahrt  die Windräder zu ihrer rechten Seite, die sie fast bis zum Ort  begleiteten. Das Hotel von damals, gleich hinter dem Deich, hatte sich in den letzten Jahren rein äußerlich nicht verändert. Der Herr an der Rezeption zeigte das übliche roboterhafte Lächeln, als er ihr die Schlüssel für das reservierte Zimmer aushändigte. Doch Lena dachte nicht daran, es zu erwidern und nickte nur kaum merklich mit dem Kopf. Freundlichkeiten dem Personal gegenüber muss man sorgsam dosieren und nicht verramschen, hatte Alfred kurz nach der Hochzeit zu ihr gesagt und daran hielt sie sich noch heute.</p>
<p>Das  Zimmer mit Meeresblick entsprach nicht ganz ihrer Vorstellung von einem selbstverständlichen Luxus, an den sie sich während ihrer zweiten Ehe schnell gewöhnt hatte. Doch wenigstens der Service schien zu funktionieren, denn ihre Koffer standen bereits vor dem großen Doppelbett.  Lena beachtete sie nicht weiter,  sondern zog es vor, erst einmal den Inhalt der Minibar zu überprüfen, obwohl sie seit ihrem letzten Syltbesuch immer eine Flasche ihres Lieblingswhiskys im Handgepäck trug.   Damals hatte das junge Mädchen vom Room-Service sie wegen der Lücken in der Minibar so mitleidig angesehen, als sie zum Auffüllen des Bestandes kam. Eine Unverschämtheit! Schließlich war sie doch keine Trinkerin und außerdem verdiente das Hotel nicht gerade schlecht an diesen kleinen Fläschchen, für die Gäste einen völlig überhöhten Preis zahlen mussten. Lena spürte, wie ihre Hände zitterten, als sie den Knoten ihres roten  Schals löste, den sie sich während der Überfahrt um die halblangen schwarzen Haare gebunden hatte. Achtlos warf sie ihn auf den Boden und öffnete hastig die rote Guccitasche. Sie nahm  die Flasche heraus, schraubte den Verschluss auf und nahm einen kräftigen Schluck vom Whisky.  Gleich würde es ihr bestimmt wieder besser gehen! Als ihr Blick danach zufällig in den Spiegel über der dunkelbraunen Kommode mit den altmodischen Messingbeschlägen fiel, erschrak sie. Ihr Gesicht sah blass, ja fast grau aus.  Wie soll das noch werden, wenn schon das beginnende Alter so grausam ist, dachte sie wehmütig.  Es hatte sich zuerst mit winzigen Fältchen in ihr Gesicht geschlichen und sich dann allmählich wie ein feines Spinnennetz darin verbreitet. Lena seufzte.  Leider hofierten die Spiegel sie in letzter Zeit immer seltener. Zeigten ihr eigentlich nur noch bei Kerzenlicht, oder nach dem Besuch einer Kosmetikerin das Gesicht einer strahlenden Frau. In anderen Momenten half ihr nur  noch der Alkohol über den Verlust der Jugend und ihrer großen Liebe hinweg. Erneut öffnete sie ihre Reisetasche. Der gute alte Whisky, er tröstete sie auch in den Nächten, wenn die Schlaftabletten nicht mehr wirkten, oder dieser Traum sie marterte und aufweckte. Jetzt war die Flasche leer. Sie musste gleich morgen für Nachschub sorgen! Einen Augenblick lang überlegte Lena, sich noch an der Minibar zu bedienen. Doch dann ging sie mit einem entschlossenen Gesichtsausdruck unter die Dusche, schminkte sich anschließend sorgfältig, steckte die Haare hoch, zog den blauen Hosenanzug und eine rote Bluse über die schwarze Seidenunterwäsche. Der Verschluss ihrer Kette hakte zunächst, als Lena sie schließen wollte. Die großen Perlen waren ein letztes Geschenk von Alfred und zogen häufig begehrliche Blicke auf sich. Auch die ihrer Bridgepartnerin, gegen  die sie nur aus diesem einzigen Grund hin und wieder gewinnen konnte. Lena  schloss die Zimmertür hinter sich, ging zum Fahrstuhl und glitt sacht ins Parterre.  Den  richtigen Platz im Speisesaal ließ sie sich auch heute ein großzügiges Trinkgeld kosten. Während sie gelangweilt die Speisekarte studierte, grüßte der einzelne Herr vom Nebentisch freundlich zu ihr herüber. Augenblicklich fühlte Lena eine leichte Benommenheit, die noch wuchs,  nachdem sie den Mann im schwarzen Hemd und grauen Anzug wiedererkannt hatte. Der Ober hinter ihr musste seine Frage noch einmal wiederholen, bis sie endlich in der Lage war,  den richtigen Wein zu bestellen. Doch  auch der schaffte es später nicht, sie in eine bessere Stimmung zu versetzen.  Und als ein anderer  Kellner ihr die gedünstete Seezunge servierte,  fühlte sich Lena nicht in der Lage, den Fisch mit Genuss zu verspeisen. Beilagen und Nachtisch verschmähte sie gänzlich. Dafür bestellte sie entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit eine zweite Karaffe Wein. Um den zudringlichen Blicken des Fremden zu entgehen, sah sie sich Hilfe suchend im Speisesaal um.  Doch außer  sechs oder sieben älteren Ehepaaren und zwei betagten alten Damen, konnten sie keine weiteren Gäste entdecken. Lena, es ist Ende Oktober, was hast du um diese Zeit an Abwechselung erwartet, dachte sie ernüchtert. Erneut spürte sie die Blicke des Fremden auf sich gerichtet, der im Gegensatz zu ihr über einen guten Appetit verfügte.  Fröstelnd stand Lena auf, zog ihren warmen Mantel an und verließ das Hotel.</p>
<p>Draußen atmete sie tief die kühle Abendluft ein und sah den  grauweißen Wolkenbergen nach, die der Wind respektlos vor sich her trieb. Die  Sonne hatte ihre Verneigung vor dem Meer nicht überlebt und nur einen feuerroten Widerschein am Horizont hinterlassen. Er wirkte bedrückend auf die einsame Frau, die sich hastig auf den Weg zum Strand machte. Da nur die erste Strecke entlang der Dünen gepflastert war, veränderte sich schon bald der Klang ihrer hohen Abätze. Er wurde lauter und dumpfer, als sie über die Holzbretter weiter schritt. Dann hörten auch die irgendwann auf und es blieb Lena nichts anderes übrig, als in Strümpfen weiter durch den Sand zu gehen, oder umzukehren. Doch sie ging weiter, immer weiter wie ferngesteuert, bis zu der Stelle, die in diesen Träumen eine so wichtige Rolle spielte. „Ach Jakob, weißt du eigentlich, wie sehr ich dich in all den Jahren vermisst habe? Zugegeben, zuerst war ich froh, als ich dich los war und Alfred  um meine Hand anhielt. Aber später habe ich oft um dich geweint. Deswegen finde ich es auch unverschämt von dir, dass du  mir immer noch diese Albträume bereitetest. Es ist doch nichts mehr daran zu ändern. Tot ist tot!  Also hör endlich auf, dich wie ein Alb auf meine Brust zu setzen und mir Angst einzujagen.  Manchmal sitzt sogar Alfred neben dir und ihr lacht mich beide aus. Das ist zu viel, das halten meine Nerven einfach nicht mehr aus! Ich habe nicht mehr die stärksten, nach all diesen Jahren. Das könntest du dir eigentlich denken!“ Lena erschrak vor ihrer eigenen Stimme, blieb stehen und drehte sich erschrocken um.  Aus dem leichten Nebelschwaden, der vom Meer herüberschwankte, tauchte plötzlich eine dunkle Gestalt auf.  Und in dem Augenblick, als sie näher kam, schrie die Frau entsetzt auf. Dabei war es weder Jakob noch Manfred, sondern nur dieser Fremde von der Fähre, der Mann aus dem Speisesaal.  Ob er wohl ein Dieb war, der  reiche Witwen verfolgte, um sie auszurauben?  Bei diesem Gedanken fasste Lena beinahe erleichtert nach den Perlen um ihren Hals und lächelte. Von ihr aus konnte er auch ihre Ringe und Armbänder haben und dann auf Nimmerwiedersehen verschwinden! Jetzt stand er direkt vor ihr und seine Augen hinter den Brillengläsern sahen sie fast ein wenig verliebt an. Aber nicht etwa wie ein Verehrer, sondern wie ein Jäger, der ein lang gesuchtes Wild fest im Visier hat und weiß, dass es ihm nicht mehr entkommen kann. „Was ist damals wirklich auf dem Boot passiert?“, fragte der Mann und Lena erschauerte unter dem  harten Klang seiner Stimme. Plötzlich wusste sie, wo sie die schon einmal gehört hatte. Vor einem Jahr in Hamburg im Gerichtssaal. Er war der Staatsanwalt und sie die Angeklagte.  Doch das Gericht hatte sie freigesprochen und ihr geglaubt, dass sich Alfred im Champagnerrausch ein wenig zu weit über die Reling gebeugt und dann im aufgewühlten Meer ertrunken war. Leider gab es an diesem stürmischen Tag keine Schwimmweste und keinen Zeugen an Bord.  Genau wie damals bei Jakob. Lenas Körper schüttelte sich in einem ausweglosen Zittern, das zuerst an den Füßen begann und schon nach kurzer Zeit bis hinauf zur Kopfhaut seine Wirkung zeigte. Dieser Mann würde sie bestimmt mit immer neuen Fragen quälen. Er würde fragen und fragen, solange bis ihr der Kopf davon zu platzen drohte. Und irgendwann würde sie dann einfach gestehen, Alfred umgebracht zu haben, damit sie endlich Ruhe vor ihm und ihrem Gewissen hatte. Denn im Grunde war es doch völlig egal, ob sie für einen vermeintliches oder ein echtes Verbrechen büßen musste. Mord war Mord! Und es ließ sich verdammt schlecht leben mit dem Mord an Jakob.</p>

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		<title>Flucht nach vorne</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Apr 2006 12:02:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Werner-Kurt</dc:creator>
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<p><em>von <a href="http://www.the-short-story.de/?p=43">Christa Schmid-Lotz</a> (copyright)</em></p>
<p>Dimitri hat mir erzählt, dass ein Fremder ins Dorf gekommen sei, ein Deutscher. Es kann nichts Gutes bedeuten.<br />
Die Dunkelheit fällt schnell herab, wie immer hier im Süden. Nachdem der letzte Fischer gegangen ist, drücke ich Dimitri ein paar Euro für das Thunfischsteak in die Hand und gehe zu meiner Strandhütte. Es ist so finster, dass ich mir den Weg mit der Taschenlampe suchen muss. Etwas Glitzerndes liegt im Sand. Der Schreck lähmt mich vom Scheitel bis zur Sohle: es ist Martins silbernes Feuerzeug. Es lag immer neben ihm auf dem Tisch, und er hatte sich seine Zigaretten damit angezündet, die Hände schützend um die Flamme gelegt. Zitternd greife ich danach, es brennt wie Feuer in meiner Hand. Ich werfe es in hohem Bogen ins Meer; es verschwindet mit einem leisen Platschen.</p>
<p>Ich schließe die Tür, ziehe mich aus, versuche zu schlafen. Die Flucht ist zu Ende, denke ich, er hat mich aufgespürt in meinem Versteck. Mir ist heiß, ich werfe das Bettzeug auf den Boden. Alles hatte ich hinter mir gelassen, war mit Bahn, Flugzeug und Bus in dieses Land gekommen, hatte die etwas träge, selbstverständliche Lebensart dieser Menschen in mich aufgesogen, hatte versucht, sie zu imitieren. Doch der Albtraum war nicht zu überwinden gewesen. Immer wieder kochte die Vergangenheit hoch, so sehr ich mich bemühte, das Licht dieser Landschaft, die Heiterkeit ihrer Menschen in mich eindringen zu lassen. Wohin ich auch gehe, die Bilder in meinem Kopf sind da.<br />
Als ich damals im Zug saß, war ich etwas zur Ruhe gekommen. Es waren alte Waggons aus der früheren DDR. Die Fenster konnte man noch öffnen; der Fahrtwind blies mir die krausen Gedanken weg. Ich bin frei, dachte ich, jetzt kann mir nichts mehr passieren. In dem Land, in das ich fuhr, waren wir glücklich gewesen, in einer Zeit, als das Leben noch lebenswert war.</p>
<p>Meine Lider werden schwer. Plötzlich falle ich in ein Loch, meine Füße zucken. Ein Knall schreckt mich auf. Mein Herz klopft heftig. Ich springe aus dem Bett, ziehe mir das Kleid über den Kopf. Die Läden klappern. Es ist der Wind, denke ich. Vorsichtig öffne ich die Tür. Wolken ziehen schnell vorüber, die abendliche Brise hat sich zu einem Sturm ausgewachsen. Mit weichen Knien gehe ich hinaus, höre die Grillen durch das Tosen und das nun lautere Donnern der Brandung hindurch, sehe die Schatten der Pinien über den Strand zucken. Eine Gestalt steht am Rand des Waldes und schaut zu mir herüber. Ich renne zurück ins Haus.<br />
Hier bin ich nicht sicher, bin es niemals gewesen. Hektisch schaue ich mich um nach einem Versteck. Draußen knirschen Schritte durch den Sand, ich höre sie ganz deutlich. Der Schlüssel klappert leise und fällt klirrend auf den Boden. Wie ein Embryo kauere ich mich zusammen, die Arme um die Schultern geschlungen, den Kopf auf dem Boden. Ob er ein Messer hat? Die Haut zwischen meinen Schulterblättern vibriert, zieht sich schmerzhaft zusammen wie ein winziger Hohlraum. Wie lange wird es dauern, bis ich den Einstich spüre? Die Kälte des Steinfußbodens kriecht in mein Hirn, macht es eisig klar, lässt die schrecklichen Bilder wieder auferstehen.<br />
Es wird dunkel um mich.<br />
Langsam komme ich zu mir. Die Sonne scheint durch die Ritzen der Fensterläden. Mühsam erhebe ich mich und trete vor die Tür. Der Sturm hat sich gelegt, kleine Wellen kräuseln das Meer. Es ist niemand da gewesen, das Unwetter hat mir die nächtlichen Geschehnisse suggeriert. Mein Magen knurrt. Ich gehe in die Küche, öffne den Kühlschrank: er ist leer. Warum musste ich mir dieses gottverlassene Nest aussuchen? Ich werde von hier verschwinden müssen, lieber heute als morgen. Oben im Kafenion hängt ein Busfahrplan.<br />
Mit dem kleinen Rucksack auf dem Rücken breche ich auf ins Dorf. Es ist gut, in Bewegung zu sein. Die Sonne steht schon hoch; es ist brüllend heiß. Der Weg führt durch einen Olivenhain. Jeder meiner Schritte wirbelt Staub auf. Steil geht es den Berg hinauf, der Pfad führt schwindelerregend an einem Abgrund entlang, dessen Rand mit Ginster und Krüppelkiefern bewachsen ist. Weit unten glitzert das Meer. Ich wische mir den Schweiß von der Stirn. Schließlich erreiche ich das Dorf und betrete den einzigen Laden. Der Vorhang aus Perlenschnüren klingelt, so dass ich zusammenzucke. Ich kaufe Brot, Schafskäse und Milch,  gehe hinüber zum Kafenion. Alte Männer sitzen an ihren Tischen, unterhalten sich und  trinken Ouzo. Wenn ein Auto vorbeifährt, drehen alle ihre Köpfe in eine Richtung. Der Wirt läuft mit einem Messingtablett herum, auf dem er Wassergläser und Mokkatassen balanciert, ohne einen Tropfen zu verschütten. Die Menschen leben hier mit einer Selbstverständlichkeit, die ich niemals haben werde. Der Bus nach Athen fährt erst Morgen früh, doch das ist nicht sicher, Abfahrtszeiten sind hier niemals sicher.<br />
Wieder zurück zum Strand. Vielleicht haben meine Nerven mir einen Streich gespielt, und ich habe das Feuerzeug damals selber eingesteckt und hier verloren. Aber ich bin zu unruhig, um länger bleiben zu können. Noch eine Nacht in diesem Haus überlebe ich nicht.<br />
Gehetzt setze ich Fuß vor Fuß, schaue mich immer wieder um. Der Mittag lastet schwer über der Landschaft, der Himmel wabert; die Grillen haben ihr grelles Zirpen beendet. Da sehe ich eine Gestalt stehen, mitten auf dem Weg. Mein Herz macht einen Satz; ich spüre den Schweiß eiskalt die Schenkel hinunterrinnen.</p>
<p>Es ist Dimitri. Vor Erleichterung sinke ich auf einen Stein.<br />
Waren Sie im Dorf?, fragt er. Seine Olivenaugen blitzen.<br />
Ich habe eingekauft. Morgen fahre ich zurück nach Deutschland.<br />
Das ist schade. Warum müssen Sie gehen?<br />
Ich fühle mich nicht mehr sicher. Haben Sie den Fremden noch einmal gesehen?<br />
Oben im Dorf sagen sie, er sei abgereist.<br />
Danke, Dimitri, Gott sei Dank. Heute Abend komme ich wieder vorbei.<br />
Kalispera.<br />
Kalispera, Dimitri.</p>
<p>In dem kleinen Hafen neben Dimitris Kneipe sind die Fischer mit ihren Booten beschäftigt. Sie ziehen einen Thunfisch auf die Mole. Er ist sehr groß, wirft seinen schweren Körper verzweifelt hin und her, bäumt sich auf, kracht gegen die Planken. Er will sich nicht in sein Schicksal ergeben. Einer der Männer nimmt sein Messer und schneidet ihm blitzschnell die Kehle durch. Blut spritzt und besudelt die groben Schürzen der Fischer. Das ist  ein Zeichen, denke ich mit aufkommender Panik. So war es auch mit dem Feuerzeug gewesen: jetzt erinnere ich mich, es lag auf dem Tisch in unserer Wohnung, und ich hatte es automatisch eingesteckt. Schnell laufe ich durch den heißen Sand zu meinem Haus. Ich werde packen und die Nacht in Dimitris Kneipe verbringen. Wenn der Mann nun doch nicht abgereist ist? Du kannst nicht ewig davonrennen, denke ich. Die Tür ist nicht verschlossen; ich ahne nichts Gutes, doch einmal muss ich dem ins Auge sehen. Jemand sitzt auf meinem Bett.<br />
Aber es ist nicht Martin. Der Mann steht auf.</p>
<p>„War gar nicht leicht, Sie zu finden“, sagt er. „Ich nehme Sie vorläufig fest wegen Mordes an Ihrem Gatten, Martin Grossmann.“</p>

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