Papageien lügen nicht

von de Ginder (copyright)

Sie werden sich fragen , wie ich auf diesen Titel komme – gemach Freunde, ein kleines Weilchen und das Rätsel löst sich wie von selbst.
Mein Schachfreund Wolfgang und seine Frau, die gehen gerne auf Reisen seit er im Vorruhestand ist. Nun hat sich aber Wolfgangs Frau, die Inge, der Papageienzucht verschrieben und die Frage stellte sich, was machen die mit den Viechern, wenn sie dort hinfahren, wo dieses Federvieh eigentlich zu Hause ist.
Da kam ich gerade recht, ein nichtsnutziger Kerl, der den ganzen Tag seinem Hobby, dem Schreiben nachgeht, der mehr Zeit, als die Uhr Stunden hat.

Gerade letztens waren sie wieder verreist und ich durfte mich um die kleinen Hosenscheißer kümmern. Ja, hätten die mal Hosen an, oder könnte man die Gasse führen, dann wäre das mit dem Sauberhalten der Käfige ein Kinderspiel. So aber habe ich die ehrenvolle Aufgabe tagtäglich grüne Papageienkacke zu entfernen – und das spielt sich dann so ab: Der Käfig hat unten ein Schubfach, das zieht man heraus, rollt die vollgeschiessene Zeitung zusammen und entsorgt diese in einem blauen Drecksack. Anschließend werden frische Zeitungsteile auf den Boden gelegt, und diese mit Quarzsand bestreut, damit die durch die Erdanziehung zu Boden fallenden Papageienfäkalien aufgesogen werden. Eines hab ich dabei schon mal gelernt, nämlich dies, daß sich der Feuilletonteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hervorragend dafür eignet, durch Quarzsand sinkernde Papageiennässe aufzunehmen, da er ziemlich dick ausfällt.
Dann werden die Schreihälse, z.Zt. sind es vier Stück, jeweils zwei in zwei Käfigen, gefüttert. Zunächst bekommen sie frisches Obst, das gewaschen, entkernt und kleingeschnitten werden muß. Darüber hinaus werden Sonnenblumen- und andere Kerne oder Körner gereicht. Nicht vergessen darf ich die Hirsestäbchen, das täglich zu wechselnde Wasser mit jeweils zwei Tropfen K2, das ist so´n Zeug gegen die Papageienkrankheit, und einen Löffel Beofutter, das nach Rinderdung stinkt. Wenn ich aber sehe, was die mit dem Essen anstellen, dann frag ich mich doch, ob die das Futter vor lauter Bosheit auf den Boden werfen. Da wird mal am Apfelstückchen gelutscht und zack liegt das Ding schon auf dem Boden.
Ich kann ihnen nicht sagen was das für Arten sind, die Inge da hält, ich kann ihnen aber sagen wie sie aussehen: Die zwei Großen sind grün mit bunten Federn. Und die zwei kleineren Papageien nur grün mit frechen Schnäbeln und listigen Augen. Letzere können nicht sprechen, die krächzen nur. Mein anderer Schachfreund, der Manfred, der wohnt zwei Straßen weiter, der kann ihnen genau sagen, wann diese Kerle ins Freie auf die Stange gesetzt werden. Da sind lärmende Kinder eine Wohltat dagegen, ich hab es selbst schon mitbekommen.
Die zwei anderen Papageien, vielleicht sind das Ara´s, die können sprechen. Oder sagen wir es einmal so, der eine kann sprechen und der andere will nicht sprechen oder ist taubstumm geboren worden. Der eine namens Kora, Inges Liebling, der hat mich total überrascht. Als ich so die Blumen versorgte – das darf ich auch noch machen – klingelt plötzlich das Telefon und was glauben sie sagt der? Der sagt doch glatt: TELEFON! Und das nach jedem Tuten. Also hab ich mich mal mit dem Burschen beschäftigt, um herauszukitzeln, was der so alles drauf hat. Ich mußte ihm schon lange und gut zureden, aber dann am dritten Tag wurde er etwas zutraulicher und wir haben etwas Konversation getrieben, die ungefähr so vonstatten ging:

Ich: Hallo!
Kora: Na du!
Ich: Wie geht´s?
Kora: Alles klar
Ich: Na du!
Kora: Mach die Tür auf
Ich: Nee du, das geht nicht
Kora: Saftsack
Ich: Du bist aber ein böses Mädchen
Kora: Halt die Klappe
Ich: Dir versohl ich gleich den Hintern
Kora: Komm nur her du
Ich: Noch ein freches Wort und du bekommst morgen kein Frühstück
Kora: Hau ab
Ich: Du freches Luder
Kora: Komm her du!
Ich : Na was?
Kora: Korinthenkacker
Ich: Jetzt reicht´s aber
Kora: Schnauze, Lutscher

So in etwa ist unsere Unterredung verlaufen. Es kann sein, daß ich manches Wort mißverstanden habe, da dieser Papagei nuschelt, aber Saftsack hab ich z.B. ganz deutlich gehört.
Papageien sind ja furchtbar intelligent und so dachte ich mir, in den vierzehn Tagen, die Wolfgang und Inge weg sind, bringst du dem Burschen, Inge sagt es sei ein Mädel, ein paar neue Worte bei. Zeit hab ich ja genug, wie mir unterstellt wurde. Und so habe ich der Kora immer wieder den Satz “Schmeiß das Futter rüber, dicker Entenarsch” vorgesagt.
Und ich darf ihnen berichten, daß meine Lehrstunden von Erfolg gekrönt waren. Es ist nämlich so, daß ich bei dem letzten Urlaub von Wolfgang und Inge nicht mehr gefragt wurde, ob ich denn die Betreuung der Lieblinge übernehmen wolle. Vielleicht hab ich auch die Blumen kaputt gegossen? Mein Schachfreund Wolfgang sagte mir jedenfalls neulich bei einem Spiel, daß der Papagei ständig einen merkwürdigen Satz losließe und seine Frau nun wirklich keinen dicken Entenarsch hätte. Ich aber sage nur eines: Papageien lügen nicht!

Computer und Tante Heidi

von de Ginder (copyright)

Also heute erzähl ich euch was vom Computern und so. Ja, ganz richtig, ich hab schon mal programmiert – ehrlich. Aber jetzt mal der Reihe nach.
Meine Mami und mein Papi, die waren auf irgendso nem Klassentreffen und da ham die mich zu Tante Heidi gebracht, wo ich auch übernachten durfte. Erst ham wir Menschärgeredichnicht gespielt und so ein Kram, das war aber langweilig. Klasse aber fand ich den Computer, da waren tolle Spiele drauf, da hab ich mich mit beschäftigt und Tante Heidi konnte fernsehen. Irgendwann kam sie und ich fragte sie, wie denn so tolle Spiele gemacht werden. Daraufhin erklärte sie mir, daß die programmiert werden mit Programmiersprachen wie Batik oder Kobold. Ich verstand das nicht ganz, daß Kobolde jetzt auch Programme machen und das alleine mit ihrer Sprache. Tante Heidi hat mir dann auch noch ein paar Sachen gezeigt mit Windos und Dos-Ebene und so´n Kram, wo man gucken kann, wieviele Kobolde noch da sind, und wieviele schon weg sind. Als die Tante Heidi wieder gefernseht hat, da hab ich mir mal die Bücher angesehen, die sie im Schrank hat und eines fiel mir auf, da stand DOS-Handbuch drauf und da hab ich das mal genommen und ein paar Sachen ausprobiert. Das war toll. Da hab ich so Schweizer Autokennzeichen eingegeben wie CHKDSK dann stand da was von DIR und MIR. Ich hab einfach mal alles ausprobiert und als ich dann zu dem Befehl für Waschmittel kam, ich glaub der hieß FORMAT C:, da ging plötzlich gar nix mehr, obwohl der Computer mich vorher noch gefragt hat, ob ich das auch ja machen will. Jedenfalls war der Computer von mir programmiert worden. Tante Heidi hat sich fürchterlich aufgeregt und mußte Tabletten nehmen, blos weil ich den Computer ein bißchen aufgeräumt hatte, jedenfalls hat sie das so ähnlich gesagt. Ich bin halt ein Genie auch wenn die zu meinem Papi, als der mich abholte, gesagt hat, daß das Wunderkind nie wieder bei ihnen übernachten dürfte – die alte Ziege ist ja nur neidisch, daß ich auch programmieren kann.

Die Fenstergucker: Juchendlische

von de Ginder “Die Fenstergucker”, Beobachtungen auf Hessisch

Im Covertext heisst es:
Für ein altes, eingespieltes Paar, ist der eigene Fensterplatz
die ideale Loge, über Façetten des Lebens zu philosophieren.
Lesen Sie hier, wie de Ginder den Nerv der Zeit trifft und lernen Sie Hessisch, denn es lohnt sich zu erfahren, wie so der Nagel auf den Kopf getroffen wird.
Diese Ansichten über Dönerfresser, Schwarzawweider, Erwwe, Juchendliche und
vieles mehr, kitzeln den Lachreiz und sind Wahrheiten, die nachdenklich stimmen.

Leseprobe: Juchendliche

Sie: Da gugg, äm Willi seun Tobias
Er: Der Griinschnawwel hat doch tatsächlisch ä Zigarett im Maul

Sie: Der iss doch erst fuffzee
Er: Wenn de Willi wüßt, daß der raacht, der däd aus-flippe

Sie: So aam däd isch’s Taschegeld sperrn
Er: Unn, was erreischste dademit? Nix, saach isch derr, dann geh’n die Paffer klaue

Sie: Gugg nur, wie der aach ärumleeft, Bomberjack unn Kopphörer im Ohr
Er: Wenn den ämol än Zuch üwwerfährt, der hört nedämol än Schlaach

Sie: Später ham se dann än Trinidus unn fraache sisch, wo des Pfeiffe herkommt
Er: Von dene ihr’ne Amimusik wirsde doch ganz bleed

Sie: Unn wenn der verstehe däd, was die Amis all für’n Scheiss zusammesinge, däd der erst rescht bleed wern
Er: Wenn der des verstehe däd, dann däd der seu CD zertrete unn in de Papierkorb schmeisse

Sie: Du maanst newwe de Papierkorb!
Er: Hast rescht, des iss ja heutzudaachs än Volkssport geworn – wie werf isch was in de Papierkorb, ohne’n zu treffe!?
Sie: Grad die Woch hat im Heimatbote gestanne, daß die Vereine uffgerufe sinn, an so äm Reinischungsdaach teilzunemme
Er: Reinischungsdaach?

Sie: Ei, die schwärme aus und sammele de Unrat in de Grünanlaache unn im Wald eu
Er: So weit käms noch, daß isch de Dreck von dene Dreckspatze wegmache däd, die sollte liewwer ma die Juchendlische zusammepfersche un dann ihr’n Dreck uffsammele lasse

Sie: De neueste Sport von dene Dreckspatze iss ja jetzt: Wie öffne isch mit äm gezielte Tritt de Bodedeckel von äm Papierkorb unn lass de ganze Abfall ärausfalle?
Er: Saach ma, hat’s sowas bei uns früjer gegewwe?

Sie: Mir sinn ja noch erzooche worn
Er: Du maanst also, daß de Willi den ned rischdisch erzooche hätt?

Sie: Wie de Herr, so’s Gescherr – gugg der’n doch aa, den Willi
Er: Was maanste dann?

Sie: Ei, der iss doch Alkoholiker
Er: De Willi?

Sie: Jetzt mach disch ned noch blöder, als de schon bist – der Willi schafft doch uff’m Bau
Er: Na und?

Sie: Die kippe doch locker än halbe Kaste Bier am Daach äweg
Er: Von der Sischt aus gesehe hasde schon rescht. Was soll aus dem Bub nur wern?
Sie: Gugg, do kimmt die Roth schon widder gerennt
Er: Die hat mer gradnoch gefehlt, des alde Plapper-maul

Frau Roth: Na, alles fröhlisch unn munter?
Sie: Hawwe se ewwe den Willi sein Tobias gesehe?

Frau Roth: Isch hab den schon gesehe, awwer die Juchend heutzudaachs sieht ja außer sisch gar nix mehr – kaan Gruß, nix mehr

Sie: Saach isch ja ewwe aach zu meim Eschon, daß die Juchend heutzudaachs kaa Maniern mehr hätt
Frau Roth: Unn zum Dank dodefer mäscht die Stadt jetzt ä Juchendhaus uff

Sie: Ei, wo dann?
Frau Roth: ‘S alde Gemeindehaus werd renoviert

Sie: Des iss de Dank, daß die Bagasch üwwerall die Papierkörb kaputt macht
Frau Roth: Nee, dess iss Taktik

Sie: Taktik?
Frau Roth: Ei, wenn die die Juchendlische in so Ju-chendhäuser locke, dann streune die ned vor Lange-weil in de Geschend ärum

Sie: Na, da wadde mer maa ab, wielang die des Juchendhaus uffhawwe – ‘s wird ned lang dauern, dann iss des alde Gemeindehaus abbruchreif
Frau Roth: Zumindest wird’s jetzt erst ma inne mit Graffiti schee eugesprüht

Sie: Dem Willi seu Gesischt meescht isch ma sehe, wenn dem seun Tobias ‘s Wohnzimmer so renoviern däd
Frau Roth: Hauptsach bundisch

Sie: Do, Frau Roth, gugge se nur ma rüwwer, was se mit dem Kleinschmitt seum Haus gemacht ham
Frau Roth: Isch hab’s schon gesehe, ‘s iss ä äschde Sauerei, was die do dran gesprüht hawwe

Sie: „Love your brother“ – wisse sie was des häsd?
Frau Roth: Seh isch wie än Dolmätscher aus?
Sie: Sauerei, wenischsdens könnte die ja Deutsch spraye, damit mer’s aach verstehe kann

Frau Roth: Da hawwe se rescht, awwer jetzt muß isch wieder
Sie: Na dann

Er: Macheses guud
Sie: Unn isch hab gedacht, die Roth hätt Abidur

Er: Kann ja ned ämol ä Fremdspraach
Sie: Ewwe

Er: Die iss genauso schlau wie mir aach
Sie: Ewwe

Rotäktchen und der Wolf

von Dieter J. Baumgart (copyright)

Die folgende, einigermaßen verfremdete Rotkäppchen-Version hat ihren Ursprung in einer wahren Begebenheit.
Der Autor, der sein Leben – nach Beendigung einer langjährigen Beschäftigung gegen Entgelt – während des größten Teils des Jahres im kleinsten Haus eines sehr kleinen Dorfes in Südfrankreich zubringt, ist alljährlich für zwei bis drei Monate zu Gast in seiner alten Heimat Deutschland, wo er Menschen in Schulen, Bistros, kulturellen Vereinigungen und Altersheimen mit Lesungen aus seinen Büchern erfreut. Im Jahr der Schwarzen Kassen 1999 trug es sich zu, daß er, wieder einmal in seiner französischen Heimat angekommen, feststellte, daß er einen wichtigen Aktenordner vergessen und statt dessen einen unwichtigen mitgenommen hatte. Telefonisch bat er seinen Sohn, den Inhalt des vergessenen Ordners baldmöglichst auf den Weg nach Frankreich zu bringen. Der Sohn, nach eigener Aussage auch als der lange Arm der Vergeßlichkeit im Familienkreis bekannt, reagierte recht schnell. Und so konnte der Autor bald ein Päckchen mit den, wie er annahm, erbetenen Dokumenten in Empfang nehmen. Als er das Päckchen öffnete, stellte sich ihm der Inhalt als feine Papierschnipsel mit obenauf liegendem Begleitschreiben dar, aus dem hervorging, daß der erbetene Ordnerinhalt leider versehentlich im Aktenwolf gelandet sei und nun in dieser Form beiläge. Tief unter den geschredderten Papieren fanden sich dann allerdings doch noch die wichtigen Dokumente.
Den Schock noch in den zitternden Fingern, so verfaßte der Autor die folgende Geschichte: “Wenn er mich schon zu Tode erschreckt, dann soll er wenigstens Gefahr laufen, sich totzulachen!”

* * *

Rotäktchen und der Wolf
Ein Märchen für Eingeweichte

Forsicht Mehrchen, nich klaum!

s war einmal ein Äktchen, das war so klein, daß sich nicht einmal der faulste Beamte im tiefsten Schlaf daran vergriffen hätte. So klein war es, daß nur ein armer alter Rentner, der jahrein jahraus mit seiner eben so armen und fast so alten Frau in einem klitzekleinen Häuschen im Süden der Europäischen Union sein Dasein fristete, sich seiner – des Äktchens – erbarmte und es in seinem klitzekleinen Auto, dem kleinsten, das die Automobilindustrie je vom Band gerollt hatte, stets mitnahm. Und weil das Äktchen meist ein rotes Ordnermäntelchen trug, wurde es allenthalben Rotäktchen genannt. Und so soll auch nicht verschwiegen werden, daß Rotäktchen auf seinen Namen recht stolz war und gelegentlich sogar mit dem Gedanken spielte, in die Sozialdemokratische Partei einzutreten, als es eines Tages ein grünes Mäntelchen bekam. Da sagte es sich mit Recht, daß es mit den politischen Bindungen so eine Sache ist, und verzichtete auf entsprechende Maßnahmen. Natürlich hatte es in stillen Stunden auch schon mal den einen oder anderen Brief in sich heimlich gelesen und wußte, daß der arme alte Rentner und seine eben so arme aber nicht ganz so alte Frau gegen rote und grüne Farbtöne nichts hatten, so lange sie nicht vom schwarzen Schimmel befallen wurden. Aber weil im nunmehr rotgrünen Äktchen stets fleißig geblättert wurde, bestand eigentlich auch keine Gefahr, daß sich der schwarze Schimmel einschleichen könnte. Und weil Rotäktchen auch weiterhin seinen Namen behalten konnte, war da eigentlich nichts, was dem Äktchen gegen die Blätter ging.
Da begab es sich eines Tages, daß der arme alte Rentner und seine eben so arme aber jüngere Frau mal wieder keine Tapeten mehr um sich haben wollten. Und so wurde das klitzekleine Autochen gepackt, und natürlich wurde auch für Rotäktchen ein klitzekleines Plätzchen freigelassen. Da aber trug es sich zu, daß sich die Sehschärfe des armen alten Rentners so weit verschlechtert hatte, daß er beim Bereitstellen der wenigen Habseligkeiten, die er und seine fast so alte und gleich arme Frau mit auf die beschwerliche Reise nahmen, einfach danebengriff. Leider wollte es das Schicksal, daß er nicht ins Leere griff, denn dann hätte es im klitzekleinen Autochen eine leere Stelle gegeben und dem armen alten Rentner wäre das aufgefallen. Er hätte seine eben so arme aber noch nicht ganz so alte Frau gefragt, ob sie auch ihre siebenunddreißig Nähmaschinen und die vier Doppelzentner Stoffe eingepackt habe. Und weil sie das stets als erstes einpackt, wäre es aufgefallen, daß das Äktchen fehlt. So aber wollte es ein unverständliches Schicksal, daß der arme alte Rentner zwar daneben, aber nicht ins Leere griff. Er griff ein anderes Äktchen, denn er war ein fleißiger armer alter Rentner und hatte im Laufe seines Lebens schon so manches Äktchen gefüllt. Also wanderte ein anderes Äktchen, das noch nie eine solche Reise gemacht hatte, statt des Rotäktchens in das klitzekleine Autochen und fuhr gemeinsam mit siebenunddreißig Nähmaschinen und vier Doppelzentnern Stoff in den Süden der Europäischen Union. Erst Tage später, als der arme alte Rentner wieder einmal ein wenig Gehirnschmalz zu Papier verarbeitet hatte und es im Rotäktchen der interessierten Nachwelt erhalten wollte, kam der verhängnisvolle Irrtum an das Rest- oder auch Dämmerlicht eines dahinwelkenden Spätwintertages im Süden der Europäischen Union. Fassungslos betrachtete der arme alte Rentner das falsche Äktchen und erahnte, was in den stern Redakteuren vorgegangen sein mußte, als sie entdeckten, daß die Hitlerschen Tagebuch-Äktchen nicht die richtigen waren. Natürlich hinkt dieser Vergleich noch wesentlich mehr, als der damalige Reichspropagandaminister, denn das Innenleben aller Äktchen, die der arme alte Rentner im Laufe seines staatsbürgerlichen Lebens befüllt hatte, war stets lauter und von loyaler Gesinnung, selbst gegenüber dem Finanzamt. Und das will schon was heißen. Aber wie dem auch sei: Selbst der armen und fast so alten Frau des Rentners traten angesichts der verzweifelten Situation die Tränen in die Augen und wollten sich schon in den beide Augen umgebenden Fältchen verlieren, als der arme alte Rentner eine seiner zündenden Ideen hatte. Im Zentrum der Europäischen Union hatte die Fruchtbarkeit des armen alten Rentners und seiner gleich armen aber doch jüngeren Frau Spuren hinterlassen. Eine dieser Spuren war auch unter dem zutreffenden Namen ‘Der lange Arm der Vergeßlichkeit’ bekannt. An diesen wandte sich der arme alte Rentner in seiner Not und bat, dem Rotäktchen doch einen Reiseplatz beim inzwischen privatisierten Akten-Reisebüro zu buchen, damit es mit einem Zettel um den Hals auch das klitzekleine Häuschen im Süden der zeitweise führungslosen Europäischen Union findet. Nun hatte der arme alte Rentner aber nicht bedacht, daß der Lange Arm der Vergeßlichkeit seinen Beinamen nicht zu Unrecht trug.
Auch hatte der zwei Hausangestellte, denen zwei ganz gegensätzliche Aufgaben oblagen. Der eine war fürs Verschicken zuständig, das war er aus Sparsamkeit selbst, und der andere war fürs Vernichten zuständig. Und das war der Böse Wolf! Beide hatten sie, wie das in einem ordentlichen Heimbüro so ist, ein Körbchen, in das die jeweiligen Arbeiten kamen. Und für das Verteilen der Arbeit war nun also der Lange Arm der Vergeßlichkeit zuständig. Das ist so etwa das Gleiche, als wenn man den Bock zum Gärtner bestellt und der ist dann der Mörder! Jedenfalls wanderte Rotäktchen in das falsche Körbchen und landete schließlich im Rachen des Bösen Wolfs. Rotäktchen war nun Papierspaghetti und der Lange Arm der Vergeßlichkeit grämte sich darob sehr. Sehr schnell und somit ganz gegen seine sonstige Gewohnheit packte er die Spaghetti, die einmal Rotäktchen waren, in ein Paket, um es mit Hilfe eines inzwischen privatisierten und trotz rotgrüner Regierung mit schwarzen Zahlen arbeitenden ehemaligen Staatsunternehmens auf einen Weg zu bringen, der nach Vorgabe des Langen Armes der Vergeßlichkeit direkt in das klitzekleine Haus im Süden der zwar nicht mehr führungslosen, aber auch weiterhin zerstrittenen Europäischen Union münden sollte. Dortselbst wurde das Päckchen dann auch angeliefert und seitens des armen alten Rentners und im Beisein seiner eben so armen aber doch jüngeren Ehefrau frohgemut geöffnet. Hatte er, der arme alte Rentner, die Spaghetti zuvörderst noch als weiches Beiwerk für einen angenehmen Reiseweg des geliebten Rotäktchen angesehen, so wurde er anläßlich der Kenntnisnahme der vom ‘Langen Arm der Vergeßlichkeit’ beigefügten erklärenden Zeilen schnell in tiefe Verzweiflung gestürzt. So etwa mußte einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuß zumute sein, wenn jener einen Koffer mit Stasi-Akten öffnet und nur noch Papierspaghetti vorfindet. Natürlich hinkt auch dieser Vergleich an maßgeblicher Stelle, denn Rotäktchen wurde erst nach der Wende gezeugt und war somit ein unbelastetes Spätgeborenes, was allerdings nichts daran änderte, daß es sich dem tränenumflorten Blick des armen alten Rentners und seiner eben so tränenumflorten armen und in diesem Moment nahezu gleichaltrigen Ehegattin als Papier-Spaghetti darstellte. Fassungslos betrachteten beide das, was in besseren Zeiten einmal Rotäktchen war. All die hehren Ideen, die sich nun zerfranst kringelten, tauchten bruchstückhaft im Hirn des armen alten Rentners auf, erzeugten Blasen an der Gedankenoberfäche und erinnerten an das faulige Wasser eines alten, umgekippten SED-Bonzen-Gartenteichs auf dem mit Altlasten gesättigten Grund und Boden einer ehemaligen DDR-Kooperative. Gewiß, auch dieser Vergleich hinkt. Schließlich war die Bodenreform durch den Viermächtestatus abgesichert, das Hirn des armen alten Rentners hingegen lagerte schutzlos unter schütterem Haupthaar. Ein Außenstehender, zu dem vielleicht auch der Leser dieser Zeilen gehört, mag denken, er, der arme alte Rentner, solle das Zeugs doch in den Kamin werfen und so den Tod durch Erfrieren um einige Minuten hinauszögern. Doch das brachte jener nicht über sich. Er bemächtigte sich einer der rechteckigen Backformen seiner eben so armen wie ungleichaltrigen Gattin, weichte das Spaghetti gewordene Rotäktchen darin ein, buk es im hauseigenen Backofen, lochte es ordnungsgemäß, ordnete es in einen eigens beschafften rotgrünen Ordner ein und ordnete den befüllten Ordner schließlich unter Tränen dort ein, wo eigentlich Rotäktchen seine Tage verbringen sollte. Beide, der arme alte Rentner und seine eben so arme und fast an ihn herangealterte Gattin verbrachten eine kummervolle Nacht. Und als der arme alte Rentner, kaum graute der Morgen, an das Aktenregal, in dem die gebackenen Rotäktchen-Spaghetti kauerten, herantrat, um noch einen Abschiedsblick in den Ordner zu werfen, da traute er seinen Augen nicht: Jungfräulich und im schönsten Blätterkleid bot sich ihm ein frisch erblühtes Rotäktchen dar. Schnell rief er seine sich augenblicklich verjüngende, wenn auch noch unausgeschlafene und eben so arme Gattin herbei und machte sie mit dem eingetretenen Wunder bekannt. Von nun an waren sie im Geiste reich. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie – alle drei – noch heute.

20. Mai 2002

Vorsicht – zu spät – die Hesse komme

von de Ginder (copyright)

Heiner, der sitzt am liebste in seiner Äppelweikneipp, grad um die Eck un verdöst de ganze Tach mit seiner Zigarr. Jetzt war awwer dem sein Schwaacher in Berlin de Fluß nunnergeschwomme, oder wie mir Hesse saache: Der is abgenippelt, hat die Löffel abgegewwe.
Des hat unserem Heiner überhaupt ned gefalle und de Heiner hat zum Waachner Kurt, dem Wirt vom Griene Baum, gesacht: “Kann der Idiot ned warte, bis isch die Kurv gekratzt hab? Kaan respekt vor´m Alder, ei wo der doch viel Jünger is wie isch!”
Da der Heiner kaa Auto hat, geschweische dann en Führerschein ( un nebebei gsaacht, der kann ned emol schwimme – der steht immer mit einem Baa im Nichtschwimmerbecke und tut so als ob ), had er üwwerlescht, wie der nach Berlin komme ded könne. Erst wollt er trämpe, awwer wer nimmt schon en Hess mit. Dann wollt er mim Fluchzeusch fliesche, awwer des war ihm doch zu teuer. Mit der Bahn kam üwwerhaupt ned in Fraache. Erstens hat die immer Verspätung, saachte er sich, was wenn die de Schwaacher Karlheinz ohne ihn verscharrn, blos weil so´n Schlafwaacheschaffner vergesse hat den Lockomotivführer zu wecke und zweitens mit em ICE wär er sowieso ned gefahrn, denn de Willi, sein beste Freund hat ihm erklärt, was die Abkürzung bedeude dud: Im Club Entgleisse – und zu dem Club wollt er ned gehörn. Da wär nur die Bimmelbahn üwwer die Dörfer in Fraach gekomme und er wollt aach schon die Karde hole, da hat de Eschon, der Besitzer vom Wasserhäusje an de Eschersheimer Eck gesaacht, das mer heutzutags aach ganz billisch nach Berlin kommt – ei mit anner Mitfahrzentrale. Un der hat dem aach die Nummer gegewwe und aach gleisch angerufe und ihr werds ned glaube, er hat aach gleisch am selwwe Tach noch so e Privattaxi gekrischt und des sollt nur 100 Euro koste.
Als der Kerl mit der Schrottschüssel vorgefahrn is, da hat es dem Heiner die Hoseträscher gespannt – war des ein Student mit soner Ente, in der mer uff Holzbänk sitzt. Heiner steischt ein und begrüßt de Studende mit den Worte: “Wo hast´n die Kiste her, aus´m Museum geklaut?” Saacht doch der fresche Lümmel: “Nee Alder, beim Tüv geborscht, da wo die fahruntüchtische Schrottwaache weggesperrt wern.”
Dem Heiner is die Kinnlade runnergeklappt und der Student gibt aach schon Stoff. Jetzt war des so ä alt Kist, wo de Gang immer mit so einem Hebel in Höhe des Lenkrades eigekuppelt wird und de Heiner fraachte sich innerlisch, was der Kerl als mit dem Stock da mescht und üwwerhaupt – ein Geschaukel war des – typisch französische Bettenstoßdämpfer. Später kame die doch es bisje ins Gespräch und der Student hat erzählt, daß er Jura studiern würd un als Newwefach Sozialökonomie. Das Jura was mit Erdkunde zu tun hat, des hat der Heiner noch kappiert, awwer des anner, da konnt er nix mit anfange. “Was issn des?”, had de Heiner gefraacht und der Student hat geantwort: “Volkswirtschaftslehre!” Da hat sich de Heiner doch gewunnert, das mer des aach studiere kann. Un als se schließlich in Berlin angekomme sinn un er sich ein Taxi für die letzte Meter genomme hat und der Fahrer fraachte: “Hab ick dir hier schon ma jesehn – watt machsten so?”, da hat der Heiner nur gesaacht: ” Ei, seh isch so aus, als wär isch schonemol hier gewese un was isch so mach? – Ei isch hab Volkswirtschaft beim Waachner Kurt studiert.” “Kann ick von so watt leben?”, fragte der Schoför. Daraufhin der Heiner: “Ei du ned, aber der Waachner Kurt!”

Die Fenstergucker: Erwwe

von de Ginder (copyright)

Sie: Da gugg, die Mehlbrescht
Er: Unn?

Sie: Die hat doch geerbt
Er: Na unn?

Sie: Ei, die rennt neuerdings nur noch ins Feinkostgeschäft
Er: Gibt’s da besser Lewwerworscht als beim Helfrisch seuner Metzgerei?

Sie: Vielleischt sieht die Verpackung besser aus, awwer besser kann die nimmer unn nie seu
Er: Dadefer kost die Verpackung dann des dreifache wie die Lewwerworscht alaa beim Helfrisch

Sie: Des kannsde singe, du
Er: Stimmt, wenn des so sächsd, fällt merr uff, daß die Mehlbrescht de Kopp äbbes höher träscht, als sonst. Awwer saach ma, waast du wieviel die eischendlisch geerbt hat?

Sie: Was waas dann isch? Millione wern’s ned gewese sei, sonst wär die längst in Malibu in Kann oder sonstwo.
Er: Un hasde aach gehört, von wem die geerbt hat?

Sie: Ei, so wie mers die Paula erzählt hat, hat die von ihrm Vadder geerbt

Er: Komisch, daß immer nur annern von ihrm Vadder was erwwe

Sie: Ja, dein Vadder hat ja aach alles in die Wertschaft getraache, da konnt der nix mehr vererwwe
Er: Komm, jetzt mach awwer ma langsam. Mein Vadder hat sisch sein Lebdaach de Buckel krumm geschafft für seu Familie

Sie: Iss ja gut, awwer ischendwie iss des Lewwe ungerescht – die aane schaffe sisch de Buckel krumm unn komme uff kaan griine Zweisch und die annern kriens in de Aasch geschmiert
Er: Da gugg, die Roth kimmt – hat bestimmt widder ä paar Neuischkeide

Sie: Gudde Morsche Frau Roth
Frau Roth: Morsche
Er: Moin

Sie: Saache se ma, Frau Roth, stimmt des, daß die Mehlbrescht geerbt hätt?
Frau Roth: Von weesche geerbt, wisst ihr dann ned, daß die von ihrm Vadder nur Schulde geerbt hat?

Sie: Schulde?
Frau Roth: Ei, der ihrn Vadder hat doch seu Haus mit ä Hypothek belast, damit er seu Babscherbuud üwwer Wasser halde konnt

Sie: Do had die awwer des Erwwe sischer ned aagenomme, oder?
Frau Roth: Wär se ja schee bleed gewese, wenn se des aangenomme hätt

Sie: Ja awwer misch wunnert nur, warum die neuerdings im Feinkostgeschäft driwwe in de Karlstroß eukaafe dud
Frau Roth: Ei, wissese dann ned, daß die neuerdings do putze geht?

Sie: Jetzt waas ischs
Frau Roth: Awwer jetzt muß isch wieder, mein Ewin will was zu futtern

Sie: Na dann
Er: Mache ses guud

Sie: Die bleed Paula erzählt awwer aach en Dreck, von weesche geerbt
Er: Awwer geerbt hat se doch die Mehlbrescht

Sie: Geerbt hab isch, wenn isch was uff die Flosse
kriesch
Er: Awwer aans wunnert misch doch

Sie: Ei, was dann?
Er: Warum die Mehlbrescht jetzt de Kopp höher träscht!

Sie: Do hasde rescht, des iss merkwürdisch, könnt ja seu, daß de Vadder der Schmuck vererbt had, wo kaaner was von waas
Er: Könnt seu, awwer dann däd die doch ned putze gehe

Sie: Des mescht die doch nur, daß kaaner merkt, daß die Schmuck geerbt had
Er: Die iss ja ä ganz raffiniert Luder

Sie: Awwer uns kann die ned täusche
Er: Mir sann doch ned bleed

Die Fenstergucker: DNA unn Telekom

von de Ginder (copyright)

Sie: Da gugg, wenn isch den Kerl da unne seh, wär isch schon dadefer, daß mer än fläschedeckende genetische Fingerabdruck eiführe däd
Er: Ei warum dann des?

Sie: Der sieht doch aus wie än Verbrescher
Er: Der sieht doch ganz normal aus, oder?

Sie: Waas mer’s, was so aaner uff’m Kerbholz hat?
Er: Also, isch bin da ned dadefer, für so ä fläschedeckende DNS-Analyse

Sie: Hast wohl was zu verbersche?
Er: Horsch ämol, daß die Politiker do ned dodefer sinn, iss mir ja schon klar, ei die weil die all irschendwo Dreck am Stecke hawwe, awwer isch bin sauber

Sie: Unn warum bisde dann gesche so ä Zentraldatei?
Er: Ei, stell derr doch ämol vor, die hätte alle männlische Daade gespeischert und jetzt kimmt aaner uff die Idee und klaut derr von deuner Haarberscht ä Haar unn geht dann irschendwo klaue unn läßt dann dei Haar am Tatort falle – zack hawwe se disch am Arsch

Sie: Wenn mer’s so sieht hasde ja rescht
Er: Saach isch doch

Er: Wo, im Knast?

Sie: Da gugg, der Hebert da unne, der soll sisch ja aach an de Börs ganz schee verspekuliert hawwe.
Er: Hat derr des die Roth erzählt?

Sie: Ei, wer dann sonst?
Er: Unn?

Sie: Der iss doch bei de Telekomm
Er: Unn?

Sie: Ei, der hat gedacht, er däd inne guud Firma awweide
Er: Ei die Telekomm, des iss doch ä guud Firma

Sie: Ob ä Firma guud iss oder ned, des bestimme immer noch die Aktionäre
Er: Unn, de Hebert, der had gedacht, daß er inne guud Firma awweide däd?

Sie: Der had gedacht, telefoniert wird immer unn da had der Aktije von seune Telekomm gekaaft
Er: Doch ned do, wo der Kurs von de Telekomm uff’m Höchststand war?

Sie: Genau do
Er: So än Dabbes, mer kaaft doch ned Aktije uff’m Höchststand

Sie: Des had der halt ned kapiert
Er: Unn jetzt guggt der blöd

Sie: Saublöd
Er: Isch werd des nie kapiern

Sie: Was?
Er: Wie merr Aktije uff’m Höchststand kaafe kann

Sie: Isch aach ned

Die Fenstergucker: Sportlerehrung

von de Ginder (copyright)

Sie: Gugg, wie sich de Müller von driwwe uffgeputzt hat
Er: Iss jemand gestorwwe?

Sie: Nee du, der geht bestimmt zu der Sportlerehrung von de Stadt
Er: Woher waast’de des dann schon widder?

Sie: Zufällischerweise hab isch die Roth ma widder getroffe
Er: Un für was soll der dann geehrt wern, doch ned etwa für’s Radfahrn?

Sie: Wenn der für’s Radfahrn geehrt wird, wirst du für’s Blumegiesse geehrt
Er: Ei für was soll der dann sonst geehrt wern?

Sie: Isch glaab für seu fünfundzwanzischsdes Sportabzeiche
Er: So was wird geehrt?

Sie: Wenn se die Jedermannssportler mit ihre Abzeiche ned ehre däde, do könnte die ihr Veranstaltung doch gleisch zumache
Er: So viele solle des seu, die do geehrt wern?

Sie: Än ganze Stall voll
Er: Des iss ja echt lächerlisch, Leut für des Sportabzeiche zu ehrn, die müsse aa Rund um de Platz laafe, Hauptsach, die komme an
Sie: Da gibt’s ja so verschiedene Alterklasse, de Müller derft so in M50 seu, do muß mer ja ned mehr so schnell wie die Junge seu
Er: Am schnellste iss der hinnerher an de Theke

Sie: Vielleischt iss der ja aach deutscher Meister im Kampftrinke geworn
Er: Und wer wird dann noch so alles geehrt, waasde noch jemanden?

Sie: Ei, sischer, de Faust Dieter, zum Beispiel
Er: De Faust?

Sie: Sischer!
Er: Awwer für was soll dann der geehrt wern, der hat doch nur noch aa Baa?

Sie: Waasd dann du ned, daß der Behinnerdesport mäscht?
Er: Woher soll isch des dann wisse? Was mescht dann der für än Behinnerdesport, vielleischt Rollstuhlweitwurf oder wie?

Sie: Dabbes, der iss doch bei de Sitzballer
Er: Un was sinn die geworn ?

Sie: Europameister
Er: Da hawwe die quasi in de Tschämpiensliescha gespielt

Sie: Tschämpiensliescha?
Er: Ei dodefo hast du kaa Ahnung, wenn’s um Fußball geht

Sie: Wer hatt’n gewußt, was der spielt, du oder isch?
Er: Iss ja schon gut, isch fraach misch halt nur, wie die Behinnerde im sitze uff so äm große Fußballfeld Tor’n schiesse kenne

Sie: Die spiele des doch in de Halle
Er: Hätt misch aach gewunnert

Sie: Manschma denk isch, daß du ä bissi bleed bist
Er: Warum dann des?

Sie: Du krieschsd scheinbar gar nix mehr mit, was in de Welt so vor sisch geht
Er: Bloß, weil ich des mit dem Faust Dieter ned gewußt hab? Jetzt heer awwer ma uff du. Dodefer kriesch isch üwwer’s Fernseh jede Menge mit, was in de Welt so vor sisch geht

Sie: Wenn die Russe komme dede un die da unne am Fenster vorbeilaafe dede, dedst du misch noch fraache, ob des än Fassnachtsumzuch wär
Er: Warum bist’n so aggressiv heut? Hat disch etwa die Roth aagesteckt?

Sie: Mit was soll isch misch dann bei der aagesteckt hawwe?
Er: MKS

Sie: Mit was?
Er: Ei, mit der Maul- und Klugscheisser-Seuche

Sie: Werd ma ned fresch jetzt, sonst versteck isch die Fernbedienung, wenn de Jauch heut Abend kimmt
Er: Iss ja schon gut, bin ja widder friedlisch

Die Fenstergucker: Nervesäsche

von de Ginder (copyright)

Sie: Der Willibald nervt heut awwer widder unner aller Sau
Er: ‘S geht äm Winter zu

Sie: So viel schneie kanns bei uns doch gar ned, wie der Holz mäschd
Er: Wenn Gebete erhört wern däde, däd dem seu Kreissäsch jetzt verrecke

Sie: Un dem seun Kreislauf noch dadezu
Er: Des war jetzt awwer ä bissi hart

Sie: Des Lewwe iss hart
Er: Kennste den Spruch: Wen Gott liebt, den holt er zu sisch?

Sie: Den kenn isch, de Willibald kann de liewwe Gott also ned lieb hawwe
Er: Sieht so aus!

Sie: Was will de liewwe Gott aach mit so äm Krachmacher im Himmel?
Er: Stell derr ämol vor, de Willibald kimmt in de Himmel und nirschends iss ä Kreissäsch zu finne

Sie: Ei, der wird verrieggd
Er: Verriegd iss der doch schon lang

Sie: Was der an Holz do zu sitze had, des langt mindestens für zwanzisch sibirische Winter
Er: Mindestens

Sie: Unn stinke tut dem seun Kamin dann aach noch mindestens zwanzisch Jahr
Er: Ei, mannst dann du, daß bei dene Ölpreise noch irschendjemand uff irschendwas ä Rücksischt nemme ded?

Sie: Ei, do misse merr halt aach uff Holz umsteische, aach wenn’s dann stinke sollt
Er: Unn wer soll uns des Holz dann bringe unn klaamache?

Sie. Ei du, du Dabbes, wer dann sonst?
Er: So weit käms noch, daß isch hier de Aff mach, nur weil de Hobbyholzfäller do newweaa än Holzklaaschneidtick hatt

Sie: Ä bissi Beweschung könnt dir gar ned schade
Er: Unser aans iss froh, wenn die Kautsch uff aan wart

Sie: Üwwerlesch doch ämol, was mir do sparn könnte im Jahr, wenn mir mit Holz heize däde
Er: Saach ma, willst du mich mit aller Gewalt zu äm Herzinfaktkandidate mache?

Sie: Mäusje, wo denksde dann hie? Schon ämol was von Fitness gehört?
Er: Nach dem Motto: Nur die Stärkste üwwerlewwe?

Sie: Quatschkopp, reschne derr doch nur ämol aus, was mir do im Jahr sparn däde – isch denk, do iss mindestens än Urlaub drin
Er: Ei, wo dann? Uff so äner Fittnessfarm? Wo de de ganze Daach geqäult und eugeschmiert werst? Nee du, dodefer hack isch doch kaa Holz.

Sie: Ei gugg der doch de Willibald und die Karla aa – die gönne sisch jedes Jahr ihrn Urlaub und sehn blendend aus
Er: De Willibald had ja aach nix zu melde dehaam

Sie: Wieso had der nix zu melde?
Er: Ei, wenn der was zu melde hätt, däde die ned jed Jahr wegfahrn

Sie: Ei warum dann ned?
Er: Ei, weil der immer total aus seum Rhythmus kommt

Sie. Was für’n Rhythmus?
Er: Hast du ned gesehe was der für Schwierigkeide hat, wenn der aus’m Urlaub zurück kimmt?

Sie: Was maanste dann?
Er: Ei, isch maan, wie der sisch schwer dud, nach seum Urlaub in den gewohnte Kreissäscherhytmus zurückzukehre

Sie: Erzähl hier nix vom Pferd. Apropo – ‘s wird Zeit, daß de in deun tächlische Mühlaamer- Entleerungs-Rhythmus kimmst – awwer ä bissi flott -’s stinkt schon in de Küsch
Er: Kaa Panik, lass ämol den Wilibald zuend säsche, dann bring isch des Stinkische schon zur Mülltonn

Sie: Awwer ned, daß de de Deckel widder zumäscht, wie’s letzte ma
Er: Bin isch dann bleed? Der soll doch aach seun Spass hawwe, wenn mir de ganze Daach Lärm hawwe
Sie: Hoffentlisch kimmt de Wind aus de rischdisch Rischdung
Er: Hoffe mer’s – zumache kenne merr den Deckel ja noch immer

Sie: Komm in die Gänge
Er: Der säscht doch noch

Sie: Awwer die Karla doch ned
Er: Du maanst, die könnt schon ämol ä Prise nemme?

Sie: Sischer – unn vergeß ned des alde Katzefutter in die Mülltonn zu lesche
Er: Dess alaa däd ja schon reische um ä Kompanie auszuräuschern

Sie: Wer säschd, muß leide
Er: Auche um Auche

Sie: Wer klaabeigibt verliert
Er: Des kenn isch aus de eischene Reihe

Sie: Was maanst de dann jetzt schon widder?
Er: Nix!

Sie: Dann iss ja gut!

Die Fenstergucker: Ehrung von de Torngemeinde

von de Ginder (copyright)

Sie: Kannst du mer maa saache, wer die Hitz do bestellt hod?
Er: Des kann isch der saache, die bleede Sonneanbeeder

Sie: Vierundreisisch Grad unnerm ausgeklappte Rollade, des hält doch kaa Sau aus
Er: Die wolles ja ned annerster, die Bleede

Sie: Da schwitzt mer ja schon, wenn mer nur ma uffs Klo geht und drückt
Er: `S ganze Jahr schreie se nach de Sonn, dodebei iss es doch am scheenste so um die vierunzwanzisch Grad mit äm leichte Lüftscher

Sie: Genau, awwer wenn die Wetterkart ned ä riesisch Sonn üwwer ganz Deutschland zeischt, dann iss bei dene de Daach gelaafe
Er: Möscht wisse, was die Bagasch jetzt so mäscht, außer sich’s Ozon euzuverleiwwe

Sie: Volle Pulle in die Sonn geknallt, damit mer aach sieht, wie braun än Bleede wern kann
Er: Ei die nutze des halt aus, do sparn die jede Menge, wenn se ned ins Sonnestudio müsse

Sie: Awwer braun müsse se wern, die eitle Fratze
Er: Geheert halt zum Jungseu wie’s Ozon zu den Sonn

Sie: Unn dann in dene Schwimmbäder noch ä Portion Chlor eugeschnüffelt und am Mondach geht’s zum Dokter, weil sisch Allergije eugestellt hawwe

Er: Un des widder ma alles uff unser Koste
Sie: Un die Waldbränd, was die erst koste, ‘s ganze Klima geht de Bach änunner
Er: Apropo Waldbränd. Hast du gewußt, daß die von de freiwillisch Feuerwehr Auslaacheersatz kriesche, wenn die zu so äm Brand gerufe wern?

Sie: Nö du, isch hab gedacht, daß des freiwillisch wär
Er: Von wesche, die kassiern bei so Eusätz ab, so wie de Hillisch Bernd

Sie: Du mannst, der kriescht genauso viel Monete, ob der jetzt in de Fabrikhall steht oder bei so äm Containerbrand ma kurz de Schlauch äneuhält?
Er: Ei sischer, un hinnerher noch ä schee Brandwach geschobe

Sie: Des iss mer de Rischdische, sisch freiwillisch von de Awweit drücke
Er: Un immer de erste am Ort des Geschehens, die Neuschier

Sie: Sach ma, kriesche die aach Kohle, wenn die wie letzt bei der Ehrung von de Torngemeinde hinne mit ihrne Uniforme dumm rumstehe?
Er: Ei klar, oder maanst du, die mache des freiwillisch?

Sie: Wenn mer schon ämol dodebei sinn, waast du was mer die Roth erzählt hat?
Er: Sischer, isch war ja dodebei

Sie: Wo warst dann du do debei?
Er: Ei fraach doch ned so dumm, ob isch des wüßt, wenn isch eh ned dodebei war

Sie: Also, die hat mer erzählt, daß de Picard Heinz kaa Woch nach seuner Ehrung bei de Torngemeinde aus’m Verein ausgetrete iss
Er: Ach komm!

Sie: Ei sischer, un waasde aach warum?
Er: Warum?

Sie: Weil einische von dene Lewwensmittel in dem Präsentkorb ‘s Verfalldatum schon längst üwwerschritte hatte
Er: Des iss awwer aach ä stark Stück, bezählt der fünfunzwanzisch Jahr Beitrach, nur das der dann ma geehrt werd und dann so was

Sie: Des war awwer kaan Zufall
Er: Hä?

Sie: Die hawwe mit Absischt so alte Dinger do äreugeleescht
Er: Du maanst, die hawwe de Picard äreugeleescht
Sie: So kennt mer’s aach saache un isch waas aach warum

Er: Ei warum dann, machs ned so spannend?
Sie: Ei, weil der mit seum Beitraach saache uns schreiwwe fünf Jahr im Rückstand war

Er: Nur fünf Jahr? Isch bin schon fünfunzwanzisch Jahr im Rückstand mit meum Beitraach bei de Torngemeinde

Sie: Du bist ja gar kaa Mitglied bei dene
Er: So weit käms noch, daß isch dene ihrne Tennisplätz finanziern däd, damit die Sonneanbeeder uff meu Koste dort ärumhippe könnde

Sie: Du bist halt ned so bleed wie der bleede Picard
Er: Isch geh ja aach ned in die Sonn un lass mer’s Gehirn uffkoche

Sie: Apropos koche, komm, de Laafer kimmt gleisch im Fernseh un kocht
Er: Bei der Hitz?

Sie: Iss ä Wiederholung!
Er: Dene fällt aach nix mehr neues eu, oder?

Sie: Ei sischer, die sinn mit ihrne Ideen halt aach ämol am End
Er: Oder in Urlaub

Sie: Sälber maa des knusbrische Hähnsche spiele, haasd des Motto uff Mallorca
Er: Schmore im eischene Saft, un dadezu gibt’s ä schee Tiroler Nussöl

Sie: Mahlzeit

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