O, Johanna
von Jürgen Jesinghaus (copyright)
Diebstähle haben nachts zu geschehen. Der Landwirt Odilo Moosmer schwieg zuerst, als er gefragt wurde, warum er annehme, er sei nachts bestohlen worden. Nach einer Weile sagte er nur, am folgenden Tag sei es ihm aufgefallen. Hätte es nicht auch am Sonntagvormittag gewesen sein können? Wer stiehlt schon sonntags! Aber wenn man es genau betrachtet, jaaa. Wir wollen es genau betrachten, sagte der Kommissar. Der Diebstahl des Hochspannungs-Schwachstrom-Geräts vom Weidezaun ist der Auslöser für diesen Bericht über Johanna. Der Dieb müsste gehörig ins Licht gestellt werden – wenn er nur bekannt wäre! Er hat Grund zu schweigen. Aber eines Tages wird er reden. Seine Träume werden sich immer wieder um das Eine drehen, bis zu dem Tag, an dem er den Diebstahl zugibt. Moosmer inserierte. Er forderte den Dieb öffentlich auf, der Polizei den gestohlenen Generator samt Trafo und Erdspieß auszuhändigen. Die Apparatur sei radioaktiv (nach dem GAU von Tschernobyl war Radioaktivität ein guter Grund für Panik).
Johanna hatte das Kind. Sie musste sich und Bébé, den Sohn, selbst über Wasser halten. Da war aus dem Physikstudium nichts geworden. Sie lernte Friseurin, weil Herr Ottokar Ferken sich danach gedrängt hatte, ihr ein Gehalt zu zahlen, dessen Höhe fast an das einer ausgebildeten Kraft heranreichte. Kein Wunder: Johanna war gut gebaut, nicht schön, aber hübsch, außerdem geschickt, von rascher Auffassung.
Der neue Beruf gefiel ihr. Er würde auch nur vorübergehend sein. Das Studium hatte sie nicht aus den Augen verloren. Sie verdiente gut an Trinkgeldern. Obwohl ihr das Meiste in die Hand gedrückt wurde, versäumte sie nie, es in den Gemeinschaftstopf zu legen. Sie war die einzige Herrenfriseurin. Kein Kunde wurde aufdringlich. So konnte sie in der jeweiligen Viertelstunde des Haut- und Haarkontakts gut mit ihnen auskommen. Die meisten Herren verkrampften sich. Sie rückte deshalb ihre Köpfe zurecht oder packte sie an den Schultern, um sie in die geeignete Positur zu setzen. Sie hatte gelernt, im Spiegel ihren Augen zu begegnen und dabei zu lächeln. Manch einer errötete und wusste keinen Fluchtweg, denn er musste unter dem weiten Tuch in der vereinbarten Haltung ruhig sitzen bleiben. Schon wahr, es blieb nicht aus, dass sie das eine oder andere Mal mit der Brust einen Kopf berührte. Sie trug bei der Arbeit derbe Büstenhalter, um den weichen, intimen Kontakt zu meiden. Aber was sie dadurch an Vorteil erreichte, erkaufte sie durch den Nachteil, dass ihre Brust noch mehr herausgehoben wurde. Das machte die tupfenden Berührungen nicht seltener.
Dann passierte Folgendes. Ihr Chef, besagter Ferken, bat sie ins Büro.
„Frau Brosheim. Ich beabsichtige, unseren Betrieb attraktiver zu gestalten. Wie Ihnen nicht verborgen geblieben sein dürfte, leben meine Frau und ich in Scheidung. Kurz und gut, es wird über kurz oder lang zu einer Trennung und damit zu einer Aufteilung des Geschäftes kommen. Meine Frau übernimmt den Damensalon. Und ich habe vor, den Herrensalon auszubauen. Ich möchte etwas Besonderes in die Wege leiten, was den Kundenkreis über diese Stadt hinaus ausdehnen wird.“
Bei ‘ausdehnen’ schaute Ferken über seine Brille hinweg in Johannas Gesicht, um sich zu vergewissern, dass sie die Bedeutung seines geschäftlichen Vorhabens begriffen habe. So weit so gut. Johanna hatte nichts dagegen, dass er sich scheiden ließ. Sie interessierte sich nicht für ihn, und die Ausdehnung seiner geschäftlichen Tätigkeiten würde ihr nicht schaden. Dann das! Ob sie sich im Nachtleben ein bisschen auskenne? Durch den Freund vielleicht? Kleiner Bar-Bummel? Stadt mit Herz, offenherzig eben, oben ohne, der Kunde ist König.
„Und wenn der Kunde König ist, dann auch spendabel. Für Sie fällt ein schöner Batzen ab. Gott hat sie vorzüglich ausgestattet. Sie brauchen nichts zu verstecken. Sie sollten es sichtbar werden lassen und die Herren frisieren, rasieren, maniküren, massieren. Verstehen Sie? Das Trinkgeld dürfen Sie behalten. Meinen Vorteil beziehe ich über den regulären Preis. Ich mache Ihnen keine Vorschriften darüber, wem Sie Ihre private Telefonnummer anvertrauen. Ich meine, Sie verstehen, was ich meine?“
Warum hatte sie ihn ausreden lassen! Weil sie das Gehörte nicht für wahr hielt. Sie glaubte zu träumen, einen der zügellosen Träume, denen sich auch anständige Menschen hingeben. Johanna packte alles in eine Plastiktüte, ihren Kittel, ihre leichten Schuhe, ein Foto von Robert de Niro, das sie aus einer Illustrierten ausgeschnitten und unter einen Bildhalter geklemmt hatte. Sie warf ihr Handtäschchen obenauf und rief ihrer Kollegin zu: „Ich rufe dich später an.“ Schon war sie aus dem Salon und hörte nicht mehr, dass jemand „Kundschaft“ schrie.
Karl Bebisch war erfolgreich. Er hatte es zwar nicht zur Berühmtheit gebracht, glaubte aber, dass sie ihm eines Tages zufallen würde, obwohl er als Vierzigjähriger nicht zu den Jungmanagern gehörte, die nach ihrem Ingenieurstudium in einer Garage Computer zusammenbauen und bevor sie die Dreißig erreicht haben schon Umsatz-Millionäre sind und sich in der Wirtschaftspresse als Beispiel für Einfallsreichtum feiern lassen, als Persönlichkeiten, denen es zusteht, teure Autos zu fahren und in Bluejeans bei Aufsichtsratssitzungen zu erscheinen. Bebisch hatte sein Ingenieurstudium abgebrochen, um sich frühzeitig in der Geschäftswelt zu orientieren, die ihm mehr zusagte als das schweigsame, ernste Umfeld, wo sich Männer wohlfühlen, die sich am Funktionieren schwer verständlicher Maschinen berauschen. Das war nicht seine Sache. Auch lagen ihm Bluejeans nicht, sie standen ihm nicht einmal. Seine Sache war es, sich nach der Herrenmode zu kleiden. Er konnte es sich leisten. Denn nach kargen Anfängen hatte er, durch die Bekanntschaft mit einem Informatikstudenten angeregt, den Sprung in die Software-Entwicklung gewagt und ein brauchbares Abrechnungssystem für eine Autofirma zuwege gebracht.
Nach der Umstellung auf Anwendungs-Software hatte er per Anzeige eine „intelligente Datatypistin“ gesucht und in Johanna Brosheim gefunden. Es machte ihm nichts aus, dass Johanna, die Friseurin, zu Hause über keinen PC verfügte und infolgedessen auch keinen elektronischen Briefkasten besaß, über den sie als „arbeitsame und lernwillige Mitarbeiterin eines zukunftsorientierten Unternehmens“ erreichbar gewesen wäre. Er fühlte sich in ihrer Gesellschaft wohl. Nicht, dass er sich sofort in sie verliebt hätte. Nein, er war nur stolz darauf, Chef einer so attraktiven Frau zu sein, stolz auf seine erste Angestellte mit Abitur, eine Ebenbürtige, die ihm dienen würde.
Er kehrte nie den Chef gegen sie heraus, aber den dynamischen Weltmann. Er schuf ein Kraftfeld um sie. Daher hatte sie stets das Gefühl seiner Gegenwart. Mal stürmte er durch ihr Büro, dann wieder rief er ihr aus halboffenen Tür etwas zu. In der Firma hieß es bald: „Der Chef hat mir einen Termin zugerufen“, in Eile, im Vorüberrauschen. So dynamisch war er. Dieses Kraftfeld manifestierte sich manchmal in Johannas Zimmer. Es wurde dann für Augenblicke sichtbar. Sie hatte Angst vor diesen Erscheinungen. Eines Tages wird er dich in Anspruch nehmen, dachte sie, wird von dir Übermenschliches verlangen, und du wirst bis zehn Uhr abends hier sitzen. Nichts dergleichen. Sie fing sogar an, sich zu langweilen, wenn er sich nicht in ihrer Nähe aufhielt.
Die große Welt des zukunftsorientierten Unternehmens spielte sich ab in dem Stockwerk über ihr, wo Herr Bebisch inmitten vieler Flipcharts drei fünfbeinige Chefsessel hinter einem Tapeziertisch aufgestellt hatte, um bequem vor ausgebreiteten Plänen optimale Lösungen zu diskutieren. Sie wusste es, weil er sie ab und zu als Protokollantin gebrauchte, auch weil sie dort einmal zur Verblüffung der Anwesenden das Prinzip der Kodierung und Dekodierung ohne Schlüsselaustausch erläutert hatte: Ein Kasten hat zwei Schlösser a und b. Frau A verschließt a und schickt den Kasten zu B. Frau B verschließt b und sendet den Kasten zurück an A. Frau A entriegelt a und schickt den Kasten wieder zu B, wo ihn Frau B mit dem eigenen Schlüssel entriegelt. Voila! Dabei hatte Johanna gelacht.
Sie hielt es für ein Zeichen von Respekt vor der Würde berufstätiger Frauen, dass Karl Bebisch sie niemals gebeten hatte, Kaffee für ihn zu kochen, obwohl er Kaffee trank wie andere Männer Bier. Dann geschah es. Er stand vor ihrem PC, auf dem Sprung, die eine Hand über die Augen gelegt, als versuchte er sich zu erinnern, was ihn so eilig in dieses Zimmer getrieben hatte. Das Kraftfeld strudelte um ihn herum. Da sagte sie:
„Soll ich Ihnen einen Kaffee kochen, Herr Bebisch?“
Wie kam sie dazu, eine solche Frage zu stellen, als wäre Kaffeekochen ein angeborenes weibliches Bedürfnis! Aber jetzt war es heraus. Da spürte sie plötzlich, wie sein Kraftfeld zusammenfiel und sich in ihn zurückzog. Stattdessen breitete sich ein Geruch von Rasierwasser aus. Herr Bebisch hatte die Hand fallen lassen und schaute Johanna an mit einem Ausdruck der Müdigkeit.
„Gerne, Frau Brosheim, und für sich bitte auch einen. Ich hole den Kaffee und die Tassen, wenn Sie zwischenzeitlich schon mal das Wasser aufsetzen.“
Ab dieser Zeit hatte sich das Kraftfeld von ihm abgelöst und wirbelte im All. Nur kleine Turbulenzen wurden von Zeit zu Zeit hinter seinen Augen sichtbar. Jetzt kam er öfters zu ihr, nahm sich Zeit.
Die Frage ‘Soll ich Ihnen einen Kaffee kochen’ hätte sie besser nicht gestellt, nicht weil sie damit in ein Klischee gefallen war, das sie verabscheute, sondern weil die Frage dazu führte, mit Herrn Bebisch näher bekannt zu werden, sich für seine Hobbys zu interessieren, vor allem für das eine: Motorrad. Und nicht Tennis (das wäre für Johanna besser gewesen). Gut, sie hätte sich auf dem Centercourt gelangweilt, vielleicht mit Bebisch oder seinen Bekannten spielen müssen, vielleicht hätte sie ihre Muskeln vor der Ballkanone gestählt, ihre Figur getrimmt, ihren Schwerpunkt tiefer gelegt – aber nicht ihr Leben verloren. Dabei interessierte sich Herr Bebisch auch für Tennis, aber nur von Berufs wegen, denn die meisten seiner Kunden waren Mitglieder von Tennisclubs, so dass er sich für den Sport und seine Matadore zu interessieren begann, um in privatdienstlichen Gesprächen nicht nur Empfänger zu sein, sondern auch dort seine Kompetenz, seine umfassende Bildung, die nicht einmal vor Tennis Halt machte, hervorzukehren und den positiven Eindruck, den er seiner Meinung nach in geschäftlichen Unterredungen hinterließ, zu vertiefen: Dies ist ein Mensch mit Durchblick. Trotzdem, er spielte kein Tennis. Er hätte es vielleicht getan, wenn er jemals in einen Club eingeführt worden wäre. Aber es hatte ihn niemand eingeführt, vermutlich weil jeder voraussetzte, dass er bereits einem Verein angehörte oder dass er Mitglied in einem Playboy- oder Rotary-Club war oder wenigstens Freimaurer oder irgendetwas anderes, was seiner gehobenen Stellung angestanden hätte.
Tennis verschaffte ihm nicht die Befriedigung wie das Motorrad, das ihm, gemessen am Tennis, fast schon einen geistig zu nennenden Genuss bot: Sein Kopf ruhte vorausschauend auf den Schultern und war verbunden über die Nerven, die ummantelt vom Fleisch seiner langen Finger, zu den Griffen strebten und dadurch, dass sie auf Geheiß seines Geistes kleine Bewegungen ausführten, ein Hundertfaches an Energie hervorriefen und dienstbar machen konnten. Dagegen war ihm Tennis ein biederes Handwerk, obwohl – zugegeben – dieser Sport ein geometrisches Talent voraussetzt, die Beherrschung des Dreidimensionalen. Er meinte nicht oben, neben, unten, er meinte Feld, Ball, Gegner und das in dynamischer Beziehung. Johanna nickte. Sie verstand das sehr gut.
„Motorrad, nur mit Köpfchen!“ meinte er, „Biker sind nicht doof, dürfen es nicht sein. Auch Berufsfahrer sind intelligente Leute, gerade sie. Damals hatte ich noch den BMW 1602 tii mit Solex-Doppelvergaser, ein nervöses Auto. Mir war der Keilriemen gerissen. Den Ersatzriemen konnte ich kaum auseinander ziehen. Ich brachte ihn nicht über das Rad der Lichtmaschine. Ich steh an der Landstraße, hält ein Brummi, heraus steigt der Fahrer. Was, glauben Sie, macht der? Beugt sich unter die Haube und schaukelt den Motorblock ganz sachte, bis der Keilriemen in die Nut vom Rad der Lichtmaschine passt. Er taucht unter der Haube auf und sagt, das werde ich nie vergessen: Wenn der Prophet nicht zum Berge will, muss der Berg zum Propheten kommen. Sagts und geht. Ich habe Respekt vor solchen Leuten!“
Johanna fragte nur:
„Muss es nicht umgekehrt heißen: Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt …?“
„Aber Johanna, ich darf sie doch Johanna nennen, der Berg – das ist der Motorblock!“
„Selbstverständlich, sonst wäre der Motorblock ein Prophet und der Berg ein Keilriemen.“
„Sie nehmen mich nicht ernst, Johanna! Das muss sich ändern. Wie wäre es mit einem Gläschen Wein? Ich ziehe den italienischen dem französischen vor.“
Bebisch gehörte zu den gereiften Männern, die ihr Handwerk zu beherrschen meinen und von allen Seiten auf den Punkt kommen. Alle Wege führen zu diesem Punkt, dem Puncto puncti. Johanna ließ es sich gefallen, ließ sich beim Vornamen anreden, weil er das höfliche Sie beibehielt, und sie nahm auch seine Einladung an. Das war noch nicht der denkwürdige Abend, aber eben doch der Anfang einer Reihe von Einladungen, die Johanna halfen, sich an ihren Chef zu gewöhnen, und die sie den Fehler begehen ließen, in einem Brief an Philipp über ihre neue Beziehung zu berichten.
Philipp, der Vater ihres Sohnes, war der einzige Mann, den sie über sich stellte und dem sie gewissermaßen als ihrer vorgesetzten Instanz berichtete. Aber der von Johanna überschätzte Student fand sich sehr gescheit, als er ihr nach einem Monat antwortete, dass er sowieso nie an seine Vaterschaft geglaubt habe und dass sie ja nun hinreichend versorgt sei. Er habe damals doch nur als Seelentröster gedient. Und dass sie sexuelle Erfahrungen mitgebracht habe, sei von ihm dankbar zur Kenntnis genommen worden, denn Mädchen zu Frauen zu machen, das sei eine verantwortungsvolle, eine pädagogische Aufgabe. Philipp lebte in der letzten Phase seiner Pubertät: Druff und durch. Wer seinen Weg nicht macht, ist selber schuld. Andere nehmen auch keine Rücksichten. Im Alter bis dreißig stehen die Jünglinge der Welt frontal gegenüber, haben sich noch nicht arrangiert und sind schon so oft gekränkt worden, dass sie sich einen (von ihnen als Lebensweisheit bezeichneten) Zynismus aneignen, der die Kränkung anderer als notwendiges Übel erscheinen lässt. Auch Philipps Brief, der trotz seiner drei Seiten mit 55 Cent richtig frankiert war, auch er steht in der Konkurrenz der möglichen Ursachen für den tödlichen Unfall Johanna Brosheims. Denn nach diesem Brief kochte sie für Herrn Bebisch nicht nur den Kaffee, sie warf sich ihm in die Arme.
Warm und erschöpft und wund von der Hingabe an den Mann, der im Bett mit der Besessenheit eines Jagdhundes ihren Leib durchwühlt hatte, stand sie fröstelnd vor der Garage und wartete darauf, dass Karl (sie nannte ihn jetzt Karl) die Maschine herausschieben würde, um sie nach Hause zu bringen. Sie wohnte, der niedrigen Miete halber, im ländlichen Umkreis, den zwei Buslinien mit der Stadt verbinden. Johanna durfte nicht die ganze Nacht bei Karl bleiben, denn ihr Kind war wehleidig, und die Frau, die auf es aufpasste, hatte bei Herrn Bebisch angerufen, weil sie wusste, dass Johanna noch spät abends, auch an Samstagen, „wichtige Korrespondenz“ im Haus des Junggesellen zu erledigen pflegte. So war vielleicht doch Bébé die Ursache für den Tod seiner Mutter? Oder die Frau, die bei Bebisch angerufen hatte und besser ein Mittel hätte suchen sollen, das Kind zu beruhigen, statt dem Liebespaar die gemeinsame Nacht zu stehlen? Oder der Friseur? Hatte er sie nicht in die Arme von Bebisch getrieben? Oder Philipp?
Die Nacht war klar und darum schwarz an den scharfen Rändern des Scheinwerferkegels, der einen waagerechten Brunnen bohrte, dessen Grund im Horizont lag. Bebisch vertraute der weißen Linie. Er vertraute darauf, dass Landstraßen leer sind, wenn auf ihnen keine gelben oder roten Lichter erstrahlen. Deshalb drehte er noch einmal am Gasgriff und beschleunigte. Johanna presste sich fest an die Lederjacke des Fahrers, der sich nicht nach vorn beugte, denn er wollte sie vor dem Fahrtwind schützen und ihr gestatten, Luft zu holen mit zur Seite geneigtem Kopf. Sie konnte nichts erkennen, obwohl sie die Augen offen hielt.
Das Fleisch explodiert wie nach einem Granateinschlag. Die führerlose Maschine schleift über die Piste. Sie sprüht Funken. Sie erscheint in dem fahlen Licht wie mit Tang behangen, mit Resten von Segeltuch. Erst als sie hinter dem Gestrüpp, das sie durchbrochen hat, in Flammen steht, wird sichtbar, was die Dunkelheit verhüllte und was nun die Flammen braten, Teile der vom Motorrad geschlachteten Kuh, die aus einem durch keine elektrischen Impulse verteidigten Weidezaun gebrochen war. Als Odilo Moosmer von dem Unfall in der Nähe seines Anwesens hörte, dämmerte ihm, dass zwischen der Katastrophe und dem Diebstahl des Generators ein Zusammenhang besteht.