Die Geschichte einer Geschichte und das neue Buch “Die Entstehung des Lächelns”

von Dieter J. Baumgart (copyright)

Buchtitel

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Es war einmal eine einfache, sagen wir ruhig schlichte Geschichte, eine von denen, wie sie täglich zu Tausenden auf Redaktionstischen landen und in Ermangelung eines bekannten Verfassernamens, Kürzels oder Pseudonyms, stets umgehend und unkommentiert in den Ausgangskorb oder gleich in die Ablage -P- wandern.
Die Geschichte, von der hier nun die Rede sein soll, landete allerdings zunächst nirgendwo – nein, nein, nicht im Nirgendwo, sondern buchstäblich nirgendwo, weil sie nie jemandem angeboten wurde. Sie blieb auf den Lippen des Verfassers und erfreute seine Zuhörer bei Lesungen. Einmal schickte er sie in einem kleinen, selbst verlegten Buch mit anderen Geschichten auf die Reise. Doch das Buch sagte den relevanten Gewerbetreibenden nicht zu – der Inhalt stand sowieso nicht zur Debatte – und so waren es einige wenige Exemplare, die einen Käufer fanden. Die, allerdings, erinnerten sich noch nach Jahren daran, was den Verfasser und Kleinstverleger zwar sehr freute, aber – weil es sich um einen lernfähigen solchen handelte – nicht den Wunsch aufkommen ließ, es noch einmal zu versuchen.
Erst, als ein Freund des Verfassers von der Geschichte so angetan war, daß er sie flugs in seine Heimatsprache übertrug – richtig, er übersetzte sie nicht, er übertrug sie – öffnete sich eine neue, unerwartete Perspektive. Der Freund, es war ein Franzose, übertrug die Parabel so gut, daß viele Franzosen, die sie nun auch lesen konnten, von der wirklich sehr schlichten Geschichte begeistert waren.
Da hatte der Verfasser eine Idee – dachte er – und setzte sie sogleich in die Tat um. Er schickte den Originaltext und die französische Übersetzung an den Auslandsender seines Heimatlandes und fragte an, ob es unter den fremdsprachlichen Mitarbeitern der Rundfunkanstalt vielleicht den einen oder anderen gäbe, der Interesse daran hätte, diese Geschichte, er nannte sie eine Parabel über das Entstehen des Lächelns, in seine oder ihre Heimatsprache zu übersetzen. Daß er nicht beabsichtige, die eventuellen Übersetzungen profitabel weiter zu veräußern, fügte er erklärend hinzu. Die Antwort kam umgehend und gab dem Verfasser zu denken:
Die Mitarbeiter der (hier folgte der Name der staatlichen Rundfunkanstalt) können leider keine kostenlosen Übersetzungen vornehmen, weshalb wir um Ihr Verständnis bitten, daß wir Ihrem Wunsch nicht entsprechen können.
Mit freundlichen Grüßen…


Dem Verfasser erstarb das Lächeln für einige Minuten auf den Lippen. Doch dann begriff er: Wenn da jeder kommen würde – eben…

Jahre vergingen, die Parabel und auch der amtliche Bescheid des Auslandssenders machten die Runde unter den Freunden und Bekannten des Verfassers. Und so ergab es sich, daß gelegentlich einer meinte, du, ich kenne da jemanden, den frage ich mal… Eine gute Freundin hatte eine Nichte in Japan. -Das macht Taeko bestimmt sehr gern-, meinte sie. Und ein anderer Freund mobilisierte seine Kollegen in der Firmenvertretung in Hongkong, und so weiter, und so weiter.
Die Geschichte machte sich selbständig, sie besann sich auf den Titel, den ihr der Verfasser mitgegeben hatte, und flatterte buchstäblich um den ganzen Erdball. Unter den Menschen, die sie gern und mit Hingabe in ihre eigene Landessprache übertrugen, waren Leute aus nahezu allen Berufen und Wirkungsbereichen. Es waren Menschen mit Phantasie, für die das Lächeln immer noch mehr war, als eine bloße Muskelreaktion. Begeistert von diesen Erfolgen faßte der Verfasser schließlich wieder Mut und sah sich auch selbst um. Die gute Fee bei seinem Zahnarzt erinnerte sich an einen Onkel, der in einem koreanischen Kloster lebte und arbeitete. Der Menschenrechtsbeauftragte im brasilianischen Bundesstaat Santa Catharina, der per E-mail zu einer internationalen Post-Art Exhibition aufgerufen hatte, übertrug die Geschichte aus der englischen Fassung in Portugiesisch. Und als anläßlich des katholischen Heiligen Jahres in einer großen Tageszeitung ein Bericht über die Vorbereitungen im Vatikan erschien, wandte sich der Verfasser der Parabel an den im Bericht genannten Leiter der päpstlichen Kommission mit der Frage, ob es nicht schön wäre, wenn unter der stetig steigenden Zahl von fremden Sprachen auch Latein vertreten wäre und fügte neben dem Original auch eine italienische Fassung an. Einige Wochen geschah nichts. Als im Freundeskreis das Gespräch auf das Heilige Jahr und die Anfrage im Vatikan kam, meinte jemand: -Das Heilige Jahr in Rom? An wen hast du da geschrieben? Ach – mein Schwager leitet die Pressekommission. Ich spreche ihn mal darauf an.- Eine Woche später gab es auch einen lateinischen Text.
Neulich erst traf die vierzigste Sprachvariante ein: As Gaeilge, Gälisch, im sechsten Jahrhundert in Irland aus dem Keltischen entstanden. Und noch ein anderer Aspekt hat sich aufgetan: Eine schweizerische Malerin hat die Geschichte vom Entstehen des Lächelns in fünfzehn bezaubernden Aquarellen illustriert und mit drei Sprachen ausgestattet. Begleitet von allen guten Wünschen des Verfassers wird sie versuchen, einen Verlag zu finden.
Direkt vor dem Haus des Verfassers und seiner Frau öffnet sich ein kleiner Fußweg in den Talkessel an dessen Rand das Dorf liegt. An diesem Weg hängt an einem Holzpfahl, wetterfest eingeschweißt, die erste Übersetzung der Parabel Schmetterlinge. An manchen Tagen sind die Stimmen von Menschen zu hören, kleinen, großen, jungen und alten. Sie lesen die Geschichte einander vor und der Verfasser lauscht, freut sich und weiß, was wichtig ist an dieser schlichten Geschichte, die offenbar in nahezu allen Sprachen verständlich ist.

edition salagou © 2007

So der Text Dieter Baumgarts von 2007. Heute, 4. Februar 2009 erfuhren wir, dass das Buch Anfang März ausgeliefert und ab Ende März, bei verschiedenen Lesungen, der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Und hier lüften wir auch das Geheimnis um Titel und Inhalt:

Die Entstehung des Lächelns in Celles

„Geh zu den Menschen und sei das Lächeln“, lautet der letzte Satz in der Geschichte vom unsichtbaren Schmetterling, für den es keinen Körper, keine Flügel und Fühler mehr gab. „Nichts von alledem, was seine Brüder und Schwestern, die wie wunderschöne Blumen durch die Lüfte flatterten, so hatten.“ Dieter J Baumgart, der Autor dieser Parabel über das Entstehen des Lächelns, lebt mit seiner Frau in Mourèze. Ende der siebziger Jahre entdeckte er das verlassene Dorf Celles am Lac du Salagou auf der Suche nach Fotoplätzen für Auto-Prototypen.
Zehn Jahre später, in den Stunden vor der Aufführung der Diaporamaschau „Die Reise nach Mourèze“ in einer Strafanstalt in Deutschland, kreisten die Gedanken des Autors um die Menschen, die er mit diesen Bildern aus einer Welt, die ihnen verschlossen war, vielleicht schockierte. In diesen Stunden erwachte der unsichtbare Schmetterling im Kopf des Autors zum Leben. In 30 Minuten hatte er die Parabel geschrieben. Zum erstenmal gelesen hat er sie in dieser Strafanstalt. Zusammen mit anderen Geschichten veröffentlichte er sie in einem kleinen Buch, das jedoch mangels professioneller Werbung kaum Käufer fand.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit „seinem“ Schmetterling „preiswerte Rundflüge in den Köpfen interessierter Menschen“ zu ermöglichen, kam er auf die Idee, die Parabel, die inzwischen von Freunden und Freunden von Freunden aus aller Welt in mehr als 24 Sprachen übersetzt worden war, an einem alten Holztor in Celles aufzuhängen.
Jahre später, beim Auswechseln beschädigter Blätter, sprach ihn die schweizerische Malerin Theres Studer an und fragte, ob sie das Thema illustrieren dürfe. Die Idee, diese Parabel in mehreren Sprachen in einem Buch zu veröffentlichen, wurde geboren. Wieder sollten mehrere Jahre vergehen. Die Aufgabe, einen unsichtbaren Schmetterling bildlich „zum Leben zu erwecken“, war eine künstlerische Herausforderung. Doch nicht nur das gelang der Malerin. Vor einem Jahr konnte sie auch den Züricher Verleger Alexander Auer, éditions à la carte, für das Projekt begeistern.

Jetzt, im Jahr 2009, ist das Buch „Die Entstehung des Lächelns – Schmetterlinge“ in Deutsch, Französisch und Englisch erschienen. 2009 ist es auch vierzig Jahre her, daß die letzten Bewohner von Celles ihr Dorf mit Booten verlassen mußten, weil die Straßen schon von den Wassermassen des Stausees überschwemmt waren.

Alles Zufall? Die Idee mit den Texten am Holztor, das Zusammentreffen mit der Malerin und vieles, vieles andere im Zusammenhang mit dieser Parabel?
„Ja – aber“, sagt der Autor. „Was ist ‚Zufall‘, einfach Zufall? Nein. Der Zufall ist, so meine ich, der große Veränderer, Gestalter, in einem Wort, der Regisseur, der in einem Menschenleben eine Rolle spielen kann.“
Und natürlich sieht der Autor auch durchaus Parallelen zwischen Celles, dem Dorf, das einem Stausee geopfert wurde, und einem unsichtbaren Schmetterling, der den Menschen das Lächeln bringt: „Ich habe die Veränderungen in Celles in den letzten dreißig Jahren miterlebt. Wie mein Schmetterling, hat auch dieses Dorf aus dem Nichts heraus eine neue Aufgabe gefunden: Die Wiederentdeckung der Natur.“

2009 erschienen im Verlag: Editions à la Carte
www.editions.ch
Technoparkstr.1
CH-8005 Zürich
Fax +41 44 440 44 59
Mail: info@editions.ch

29,7 x 21 cm
40 Seiten
Hardcover
ISBN ISBN 978-3-905708-52-3
Subskriptionspreis: € 17,00*/ SFR 26,00* bei Best. bis 31. Dezember 2009
später: € 19,00/ SFR 28,00
* zzgl. Versandkosten

Das Lächeln, diese schönste aller Sprachen, ist doch tatsächlich nur
eine sympathische Muskelbewegung, die aber aus dem kommunikativen Umgang
der Menschen miteinander nicht mehr wegzudenken ist.
So ist diese von Theres Studer so zauberhaft illustrierte Parabel
auch eine Hommage an das Lächeln.

Le sourire, cette plus belle langue du monde, n’est – en réalité – rien
de plus qu’un sympathique mouvement musculaire, mais on ne peut le séparer
du contexte de la communication des humains entre eux.
Aussi cette parabole, illustrée merveilleusement par Theres Studer,
constitue un hommage au sourire.

The smile, the most beautiful language in the world, is – really – nothing
more than a nice movement of muscles, but we cannot separate it from its
context within the communication between human beings. So this parable,
illustrated magnificently by Theres Studer, is a tribute to the smile.

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