Quanten
von Tom Delißen (copyright)
Es ging also darum, dass die Wirklichkeit nur eine Frage der subjektiven Anschauung sei. Die Realität, die unsereiner wahrnimmt, ist nur ein Produkt unseres eigenen Wissens um diese Welt. Wer hätte je gedacht, dass die simple Weisheit “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.” so eine eminente Bedeutung erlangen sollte? Das “göttliche” der Angelegenheit: Jede Manifestation des menschlichen Geistes ist gezwungen zu wissen, zu lernen. Es scheint jedoch, neben dem individuellen Potential an Wissen, ein universelles zu geben. Wenn wir uns den Fortschritt nicht nur der Wissenschaft, sondern auch der sprachlichen Möglichkeiten, die im Laufe der Menschheit ungeahnte Bedeutungstiefe und Relevanz gewonnen haben, ansehen, wird das sehr deutlich. Das “Begreifen” der Dinge und die Deutung ihrer Ursachen, hat seine Struktur verändert, bzw. es hat sich selbst in gewisser Weise sichtbar gemacht. Es drängt sich der Vergleich mit einem Pflänzlein auf, dessen Sproß im Frühling aus dem Boden treibt. Was nun Quanten und Relativität angeht, so stellen sich die grundsätzlichen Fragen: Ist es Frühling, oder gar schon Herbst? Handelt es sich hierbei um den Trieb oder eine Blüte? Welcher Art ist die Pflanze? Ist sie winterhart? Stellt die in der Quantentheorie dargestellte Denkart gar einen Nottrieb oder einen Auswuchs dar? Wenn wir davon ausgehen, dass es im Universum eine allgemein gültige Formel für den Begriff “Existenz” gibt, nämlich das jede Form die Variation einer Grundform ist, drängt es sich auf, die Meinung zu vertreten, aufgrund des jede Zeitbegrifflichkeit negierenden Blickwinkels, der sich durch ebendiese Sichtweise ergibt, das kollektive Wissen der Menschheit stehe, trotz aller immensen Fortschritte, inklusive Quanten und Relativität, inklusive Raumfahrttechnik und Nanotechnologie, immer noch ganz am Beginn. Ein zartes Pflänzlein also nur, das es zu beschützen gilt? Die Realität des Erdenballs, seiner Situation im Weltall, die Vielzahl hungernder und leidender Menschen, die globale Umweltkatastrophe zeichnen ein anderes Bild. Hier scheint die Anwesenheit des Menschen eher als gieriges Parasitengewächs, das, einem bösartigen Tumor gleich, über den Planeten wuchert. Wo aber steht in diesem System der Einzelne? Dürfen wir, weil wir zu dieser Erkenntnis gekommen sind, in eine gelähmte Lethargie verfallen, angesichts der unüberschaubaren Größenbegriffe, die uns nur noch als winzigstes Teil in Raum und Zeit eines gigantischen Ganzen aufzeigen? Gewiss ist Ehrfurcht angebracht, Staunen. Es mag sogar sein, dass Verzweiflung ihre Berechtigung hat. Doch dürfen wir uns auch geborgen fühlen, als Partikel eines großen Planes. Daraus können wir Sinn für unser Dasein schöpfen, denn der Plan existiert, er funktioniert und wir sind Teil. Auch wenn wir ihn noch nicht verstehen können.
Drucken