Herzsteine
von Tom Delißen (copyright)
Der Frühlingswind streichelte sanft meine Haut, ein Zwitschern, Zirpen in der Luft, den Bäumen, dem Gras, dass keinen Zweifel daran ließ, Gevatter Winter war dabei, seine Stiefel anzuziehen, seinen Reisesack zu packen.
Einzelne Farbtupfer im Dunkelgrün oder den letzten Resten weißen Schnees, kündeten von trotzigen Blümlein.
Da vorne die alte Eiche, Begleiter durch die Jugend, Stütze im Alter.
Denkmal.
Hier hatte ich einst ich meine geliebte Ehegattin der Erde überlassen, hatte ihre Asche an den Stamm des Baumes gelegt, dem Wind seinen Anteil gegeben.
Allererste Knospen an den weiten Ästen, neue Energien manifestierten sich.
Schon aus guter Entfernung war ein ungewöhnliches Glitzern zwischen den mächtigen Armen der Wurzeln zu erkennen. Ich trat, durch das Gras streifend, näher an die holzige Gestalt meines Freundes heran.
Da lag ein Quarzkristall, groß wie die Blüte einer Rose, geformt wie ein Herz. Zwei Kammern, spitz zulaufend. Ein Herzstein. Wie gelangte er hierher?
Ich hatte einmal über Herzsteine gelesen, doch fehlte mir die genaue Erinnerung.
Fasziniert betrachtete ich die wunderschöne Maserung des Steines.
Eine tiefe Müdigkeit überkam mich, ich presste den Stein an meine Brust, ließ mich am Fuß des Baumes nieder.
Ich schloss die Augen. Aus warmen weißem Licht kam mir meine Frau entgegen, mit offenen Armen ging sie auf mich zu.
“Ich bin gekommen, Dich zu mir zu holen, mein Herz.“