DUFT
von Tom Delißen (copyright)
Da war ihr Duft, ein Geruch wie aus anderen Dimension. Tatsächlich alles ausfüllend, alles überziehend mit einem wie lilafarbenen Schleiergespinst, so süß, so unvergleichlich.
Sie hob gestikulierend ihren Arm, ihre Achselhöhle fügte, einen flüchtigen Augenblick der Zeit, ein etwas herberes Aroma zu dem exotischen Blumengebinde aus Wohlgerüchen.
Er durchdrang den pinkfarbenen Nebel, suchte ihre Augen. Blau schimmerten sie, wie Onyx, gleich einem tiefen Gebirgssee, das Universum hinter ihnen, Tausende von Sternschnuppen.
Ihre sprudelnden Lippen, rot wie die Kappen der Fliegenpilze, Wortergüsse weich wie warme Wellen wogenden Windes.
Ihre Gesichtszüge ebenmäßig wie blühender Jasmin in der aufgehenden Frühlingssonne.
Er umfasste ihre Ganzheit mit all seinen Sinnen.
Verliebt, das war er.
Ein Paradoxon. Denn er war Maschine. Andreoid. Roboter.
Nicht geschaffen, Gefühle zu leben.
Die Haare, flockig wie leicht schwebende Samenfäden in den Strahlen der Sonne.
Seine hochsensiblen Quantenphotosensoren tasteten den Körper ab, erstellten Gleichklangsanalysen, verglichen gespeicherte Parameter.
Sie schlenderte nun wiegenden Schrittes, mehr trieb sie wie eine wolkenweiche Feder, neben ihm, ihre Silhouette in goldenes Licht getaucht, ein bezauberndes Lächeln gab ihrem Antlitz den Glanz sternenwarmer Lieblichkeit.
Am Gestade angelangt, zog sie sich ohne Scham aus, enthüllte die zarte Frucht ihres Leibes.
Brüste ebenmäßig, kleine pralle Äpfel, flacher Bauch, die Konturen der Scham wie hingehaucht. Schlanke, lange Beine, schmale Zehen.
Haut ohne Makel, angenehm wie Sommerpfirsich.
Er scannte ihren Körper bis in den Nanobereich.
Sofort meldete sein Integralsystem einen faustgroßen Tumor an ihrem Großhirn.
Sanft beugte er sich über sie und küsste unendlich traurig ihren Mund.
Drucken