Lorbeerträume
von Christa Schmid-Lotz (copyright)
Die Luft steht still. Keine Grille zirpt, kein Falter fliegt, kein Vogel regt sich in der Mittagsglut. Der Weg begleitet den Bach, der kühl glucksend durch die Berge fließt. Diesen Wasserläufen hat die Insel ihre Üppigkeit zu verdanken. Das Licht flirrt auf den Lorbeerblättern, Fuchsien lassen ihre Glocken hängen. Pinienzapfen knistern in trockenen Nadeln. Später wird sich der Pfad hinunterwinden zum Meer, wird Eukalyptus- und Drachenbäume unterqueren, dem Auge Hibiskuskelche, Stechäpfel, Purpurkranz,, Feuersalbei, Fetthenne, Ginster, Agaven und frühe Orchideen entgegenschleudern. Ein Feuerwerk von Farben wird uns umgeben, je näher wir dem Wasser kommen. Papayas, Orangen, Mangos, Mandeln, Feigen und vor der Hütte steht ein Hund, ein wenig räudig wie oft im Süden und kläfft uns entgegen. Weinlaub umrankt die kleine Terrasse.
Wir werfen die verschwitzten Shirts und Shorts auf den Lavastrand und stürzen uns in die Fluten. Wie das Salz brennt, wie kühl das Wasser an der Haut entlang streicht! Wir schwimmen in das Kräuseln der Wellen und das Licht hinein, das uns golden entgegenflutet.
Auf der Terrasse steht der Wirt mit öligem Bart. Er führt uns in die Küche, zeigt auf Krakenringe mit Zitronenscheiben, Filets vom Degenfisch , wilde Kartoffeln, Bananen,
Fleischragouts. Es muss aber das Typische sein: ein Spieß aus Rindfleisch, Zwiebeln und Lorbeerblättern, auf Lorbeerbaumholz gegrillt. Serviert auf rohem Holz und Steingut und daneben steht kühl der Rosé.
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