Happy der Geburtstagszwerg
von Steffi Beckmann (copyright)
„Hatschi“ nieste Happy der kleine Geburtstagszwerg und wischte seine Nase am Jackenärmel ab. Fix schaute er sich nach seiner Mutter um. Zum Glück, sie hatte nichts bemerkt. Sonst wäre sicher wieder der Teufel los. Sie mochte es nämlich nicht, wenn er den Ärmel als Schnupftuch gebrauchte.
Ausgerechnet heute musste seine kleine Nase jucken. Dabei konnte er so eine scheußliche Erkältung überhaupt nicht brauchen. Womöglich kratzen ihm die Schnupfenbazillen auch noch seinen Hals ganz rau. „Bloß nicht“ dachte er. Schnell hüpfte er zum Spiegel und streckte seine Zunge ganz weit heraus. „Ahhh“ und noch einmal „Ahhh“ erleichtert zwinkerte er seinem Spiegelbild zu. „Nichts zu sehen, zum Glück“. Er setzte sich wieder an den Tisch und beugte sich über die darauf verstreut, liegenden Einzelteile.
Happy musste sich beeilen um sie zu einem Rennflitzer zusammen zu bauen, denn heute Nacht, wenn im großen Haus alles schlief, sollte der Flitzer als Geschenk auf dem Geburtstagstisch des kleinen Tobias seinen Platz finden.
Tobias wünschte sich schon lang so ein Auto. Seine Mutter sagte erst heute wieder: „Male doch ein Bild und lege es unter die Stufen. Der Geburtstagszwerg kann es dort abholen. Vielleicht erfüllt er ja deinen Wunsch.“
„Pha, Geburtstagszwerge gibt’s gar nicht“ maulte Tobias. „Ich weiß ja, dass der Papa oder du die Geschenke im großen Spielzeugladen abholt. Ich will kein Bild malen.“ Die Mutter strich ihm sanft über sein Haar. „Wirst schon sehen.“ Tobias zog dicke Falten mit seiner Stirn. Das machte er immer so, wenn er angestrengt nachdachte. „Mama, wo wohnen die Geburtstagszwerge?“ fragte er neugierig. Sie überlegte kurz und antwortete:
„Überall dort wo Kinder wohnen gibt es auch eine Geburtstagszwergenfamilie. Jedes Kind hat seinen eigenen Zwerg.“ Tobias zog seine Stupsnase kraus. „Hast du sie schon gesehen?“ wollte er neugierig wissen. „Natürlich nicht. Sie sind sehr scheu und verstecken sich. Nur am Vorabend des Kindergeburtstages, hört man ein leises trippeln und trappeln, wenn der Zwerg flink durch die Zimmer huscht und das Geschenk auf den Geburtstagstisch legt.“ Tobias überlegte. „Und wo genau wohnen sie?“ quengelte er. „Komm mit“ sagte die Mutter „aber sei ganz leise“. Auf Zehenspitzen schlich Tobias hinter ihr her. „Alles Pillepalle“ dachte er. So eine Geschichte wollte er einfach nicht glauben. Beide gingen in die Wohnküche. Die Mutter zeigte geheimnisvoll auf Tante Agathes kleines silbernes Teehäuschen. Tobias kannte es gut. Es stand schon immer an dem gleichen Platz, auf der Fensterbank rechts neben den Blumentöpfen. „Dort“ flüsterte sie, „dort wohnen sie“. Tobias beugte sich ganz dicht zu dem Häuschen. Zu sehen war nichts. Was wäre, wenn die Mutter Recht hatte und die Zwergen Familie tatsächlich hier wohnte? Angestrengt lauschte er, ob nicht vielleicht doch etwas zu hören ist. Schließlich ist schon morgen sein 5. Geburtstag. Wenn der Zwerg ihm wirklich seinen Wunsch erfüllen sollte, dann müsste man ein hämmern und werkeln hören. Oder etwa nicht? „Woher soll er wissen was ich mir wünsche? Das Bild habe ich nicht gemalt und schreiben kann ich noch nicht.“ überlegte Tobias nun doch etwas besorgt. Dann hatte er eine Idee. Ganz nah ging er an das Teehäuschen heran und flüsterte: „Hallo Geburtstagszwerg, wohnst du ehrlich hier? Kannst du mich hören? Ich habe kein Bild gemalt aber ich wünsche ich mir doch so sehr einen blitzenden Rennflitzer. Kannst du mir den morgen bringen? Bitte, bitte, bitte!“
Er hauchte noch schnell ein Luftküsschen in Richtung des Teehäuschens. Sicher ist sicher, vielleicht hilft es ja.
Als Tobias an diesem Abend in seinem Bett lag, dachte er ganz fest an den rot verchromten Rennflitzer. Wie würde er damit um die Ecken sausen alle würden staunen. Als die Mutter ihm seine Schlafdecke noch einmal zu recht rückte und ihm sanft über sein Strubbelhaar strich, war er schon längst eingeschlafen und träumte von Geburtstagszwergen, dem Teehäuschen und seinem blitzenden Rennflitzer.
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