Nichts Neues unter der Sonne

von J.P. Brown (copyright)

aus dem Englischen von G.W Dittrich

Im Vergleich zum modernen Menschen waren sie Primaten, auch wenn man in Ihnen, in vielerlei Hinsicht, menschliche Eigenschaften erkennen konnte. Sie waren in der Lage, verschiedene grobe Werkzeuge, Geräte und Waffen herzustellen und besassen sogar eine mündliche Kommunikation, ähnlich unserer Sprache. Aber das Leben war hart und die grösste Gefahr waren räuberische Fleischfresser. Eines Tages fischte Oo-ra unten am Fluss mit einem angespitzten Stock, als er gegen Abend ein hell strahlendes Licht in der Dämmerung sah. Begleitet von einem brüllenden Lärm, blitzte es durch den Himmel. Darauf verschwand es hinter den Hügeln mit ihrer dichten Vegetation und das wütende Geräusch erstarb. Oo-ra nahm seinen Korb mit den gefangenen Fischen und eilte zum gemeinschaftlichen Gehege. Bei seiner Ankunft musste er feststellen, dass seine Gefährtin verschwunden war. Voller Sorge ging er mit einem Freund, dessen Partnerin ebenfalls unauffindbar blieb, in den nächtlichen Dschungel.

In diesen schlimmen Zeiten war das ein gefährliches Unternehmen. Sie konnten von zahlreichen wilden Tieren, giftigen Schlangen, Skorpionen, Raubkatzen und Hunden getötet werden. Doch ihn und seinen Gefährten trieb die Liebe an. Die Morgendämmerung kam, und sie hatten die beiden Weibchen immer noch nicht gefunden. Verzagt eilten sie nach Hause. Bei der Ankunft am späten Vormittag bemerkten sie überglücklich, dass ihre Gefährtinnnen inzwischen in das Lager zurückgekehrt waren. Es schien, dass ihr Verschwinden mit der Himmelserscheinung zu tun hatte, aber keine der Frauen konnte erklären, was ihnen zugestossen war. Oo-ra war nicht sehr beunruhigt darüber. Das Wichtigste war für ihn, dass seine Gefährtin sicher zurück war. Und er war noch glücklicher, als er bald darauf herausfand, dass sie schwanger war. Er sah das als einen Zufall an und ging seinen gewohnten Aufgaben, Nahrung zu beschaffen, nach,. Die beiden Kinder, welche die Frauen bald darauf bekamen, waren ihren Zeitgenossen in jeder Hinsicht weit überlegen. Sie übervorteilten jeden in der Gruppe und beanspruchten führende Rollen und, das schon in jungen Jahren. Der Stamm wuchs schnell und wurde bald in der Region der stärkste, als sich diese zwei Individuen der neuen Rasse vermehrten. Sowohl geistig als auch körperlich waren ihre Nachkommen der von Oo-ra’s Art überlegen. Er selbst war inzwischen alt geworden und bereit, diese Welt zu verlassen. Als er auf seine wunderbaren Kinder und Kindeskinder schaute, fragte er sich in seiner schlichten Art, wie diese Nachkommen wohl die Welt verändern würden.

Und sie änderten diese Welt. Ihre Nachkommen erstarkten und vermehrten sich. Sie bauten Dörfer,Städte,Metropolen. Sie rekrutierten grosse Armeen und führten Krieg. Sie bauten Strassen, Dämme, Monumente. Sie strebten ein höheres Verstehen für die Welt an, in der sie lebten, und gleichzeitig töteten sie mit ihren Armeen gegenseitig ihre Kinder. Und so ging es weiter. Sie begriffen Dinge, die der frühe Mensch nicht kannte, sie lernten zu fliegen und nutzten die neue Technik, um Ihr Steckenpferd, den Krieg, noch furchtbarer zu machen. So warfen Sie Bomben ohne Zahl, bis schliesslich wenige ausreichten, alles zu vernichten. Damit war das endgültige Aus besiegelt.

Am Tag als es begann, war Sam, der Schimpanse, am Zaun des Geheges auf seinem Posten. Zusammen mit einigen anderen Schimpansen lebte er in einem Zoo ausserhalb der Stadt. Diese Stadt war eine der wenigen, die während des grossen Atomkrieges nicht pulverisiert wurde. Vielleicht war es das vorausgesagte Armageddon. Diesen letzten Tag regnete es Bomben, als die Menschheit sich selbst in die Knie zwang. Das Ende begann mit einem Knall,aber das Regieren der Menschheit endete mit dem Gewimmer der Niederlage. Krankheiten und Plagen versprühten diese schrecklichen Bomben. Die Menschheit konnte dieser Schlächterei nicht standhalten. Sam war sich nicht so sicher was eigentlich los war, aber er und die anderen spürten, dass irgendetwas vorsich ging. Aufjeden Fall gab es weniger zu essen, und die Fütterungszeiten wurden unregelmässig.

Eines Nachts betrat eine Gruppe von Männern den Zoo, um Essbares zu plündern. Sie brachen in den Schimpansenkäfig ein und konnten einen Unglücklichen in eine Ecke treiben. Die anderen, zusammen mit Sam, brachen aus und flüchteten ins nahegelegene Feld, um Schutz zu suchen. Im verödeten Land, von den anderen verlassen, war es für diese kleine Gruppe relativ leicht zu überleben. Doch für die verbliebenen Menschen, gabe es bald keine Chancen mehr zu Überleben. Tausend. Plagen trieb sie in die Nichtexistenz. Schliesslich waren sie alle verschwunden, verliessen diese Welt damit Sam’s Art sie erben konnte. Und die Sanftmütigen beerbten sie. Die Welt wurde ein neuer und schöner Platz für Sam und seine Art. Ausser kleiner Streitereien gab es keine grossen Gefahren und an Nahrung fehlte es nicht. Sie hatten Nachkommen und lebten so fort für unzählige Monde.Nicht eine Spur der zerstörerischen Menschen-Gesellschaft war mehr zu sehen und die Erde war wieder ein Paradies.

In diesem Paradies regierte Sam’s Art mit der höchsten, vorhandenen Intelligenz.
Aber neue Jäger und lang vergessene, kleine giftige Feinde kehrten zurück. Dennoch, sie überlebten und gediehen. Sie entwickelten sich zu aufrechten Gestalten und auch ihre Gehirne vergrösserte sich. Mit Gesten und Lauten fingen sie an, zu kommunizieren und erfanden primitive Werkzeuge.Grün umgab sie von allen Seiten, als ihr primitives Leben sich langsam zu Grösserem entwickelte. Unter ihnen war eine kleine Gruppe, die im dichten Dschungel lebte. In dieser Gruppe gab es ein junges Männchen mit dem Namen Ba-ga.

Ba-ga war ein Muster seiner Art. Er war mager, geschmeidig und stark. Zusammen mit anderen jungen Männchen war es seine Aufgabe zu jagen und Nahrung zu sammeln. Im Gegensatz zu ihren Vorvätern, war ihre Nahrung nicht nur vegetarisch,sondern schloss auch Fleisch mit ein. Er hatte eine Vorliebe für ein junges Weibchen aus seiner Gruppe, und nach Erfüllung der erforderlichen Bedingungen wurden sie ein Paar. Als er eines Tages einem kleinen Schwein nachjagte, wurde er müde und lehnte sich gegen einen Dornenbaum.Es war später Nachmittag und er beobachtete den Sonnenuntergang im Westen. Er war gerade dabei, zum Lager zurückzukehren, als er über sich eine grosse Scheibe durch den Himmel schiessen sah. Sie erschien zusammen mit einem hellen Licht und einem Geräusch und verschwand ungefähr in der Richtung seines Lagers. Schnell eilte er zurück, um mit den Anderen das wundersame Ereigniss zu besprechen, das sie sicher auch gesehen hatten. Sein Schreck war gross, als er herausfand, dass seine Gefährtin zusammen mit zwei anderen Weibchen verschwunden war. Ba-ga und ein anderes junges Männchen wurden ausgewählt, sie zu suchen.Die Nacht war lang und dunkel, tödliche Feinde lauerten im Dickicht. Aber sie setzten ihre Suche bis zum späten Vormittag fort, um erst dann in das Camp zurückzukehren und neue Instruktionen zu holen. Bei ihrer Ankunft fanden sie zu ihrer Überraschung die Weibchen sicher und unbeschadet zurück. Allerdings konnten diese nicht erklären, was ihnen zugestossen war. In seiner Freude verlobte sich Ba-ga auch mit einem der anderen Mädchen, die verschwunden gewesen waren.

Seine Freude war noch grösser, als er erfuhr, dass seine zwei Frauen, wie auch das andere Mädchen, schwanger waren. Die Kinder, die von diesen Frauen geboren wurden, waren hübsch, weitaus stärker und klüger; als Bagas Leute. Sie wurden grosse Führer und ihre Kinder begannen die gesamte Welt zu bewohnen. Während Ba-ga den Orion betrachtete, kehrte ein Raumschiff in eine ferne Galaxis zurück, in der Hoffnung, dass das Experiment diesmal erfolgreicher sein werde. Jetzt war Ba-ga alt und dem Tod nahe,aber seine Gedanken waren immer noch stark.Sie waren ähnlich denen,die jemand dachte, der lange vor ihm gelebt hatte, zahlose Jahre. Und ihm wurde bewusst, dass das alles schon einmal geschehen sein musste. Das alles was ist schon mal war und wieder sein wird. Da ist nichts Neues unter der Sonne.

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