Kurzgeschichten
Wenn Schreiben oder Lesen Ihre Leidenschaft ist – dann sind Sie hier für Kurzgeschichten richtig
Kurzgeschichten sind die Gesellenstücke vieler Schriftstellerinnnen und Schriftsteller. Die meisten der heute berühmten Autorinnen und Autoren haben mit Kurzgeschichten, als Fingerübung und Visitenkarte, begonnen und beweisen ihr Leben lang an Kurzgeschichten Ihre Meisterschaft. Wir bieten Ihnen mit unserem Portal die richtige Plattform, Ihre Texte (Kurzgeschichten) neugierigen Leserinnen und Lesern zu präsentieren – und vielleicht auch dem kritischen Verleger, der Ihnen die Chance für eine Buchveröffentlichung bietet. Lesen Sie hier, wie einfach es ist, Ihre Kurzgeschichte bei uns im Internet zu veröffentlichen: “Zusendungen“. Allen Leserinnen und Lesern wünschen wir auf unserer Seite interessante Entdeckungen und den Autorinnen und Autoren zahlreiche lesefreudige Besucherinnen und Besucher.
- Der Ausweg
von Eduard Breimann (copyright)
Pater Barnabas, Prior und Leiter der Klosterschule, schaut bedächtig auf die Köpfe, die ihm ihre messerscharf gezeichneten Scheitel zeigen. Die Jungen starren auf ihre Hefte; sie wagen es nicht, die Seiten des Katechismus umzublättern.
Es ist still, lautlos wie sonntags in der altehrwürdigen Klosterkirche, wenn der Abt, Pater Thomas, von der Kanzel auf [...] - New York, New York
Sie heißt Elke. Sie hasste ihren Namen und brachte ihn anagrammatisch mit Ekel in Verbindung. Die Eltern stammten vom Niederrhein, waren katholisch, muteten die Erziehung, die sie selbst ertragen hatten, auch der Tochter zu, „eine bittere Medizin gegen den störrischen Willen, zur Lenkung des Fleisches, zur Ehre Gottes.“ Verspätungen auf dem Schulweg wurden mit Schlägen geahndet. Der Vater schlug mit dem Riemen (sie schämte sich dann ihrer Nacktheit). Die Mutter musste währenddessen das Essen aufwärmen, damit das Kind seine warme Mahlzeit empfinge. Kinobesuche und Gänge ins Freibad waren verboten, denn der Vater litt keine „streunende Katze“. Er wollte sich später nichts vorwerfen lassen. Der Vater. Er wusste nicht, dass auch Mädchen masturbieren, sonst hätte er nächtliche Kontrollen „durchgeführt“. Die Mutter war ein eine Schürze, ein Nichts.
- Der Wind / Le vent
Der Wind – blättert in den Bäumen – und erzählt Geschichten aus der Zukunft, – denn er – wird der Letzte sein,
- Liebeslügen
Die Wildheit der Nacht – liegt hinter uns – der Morgen aber – ist beladen mit Lügen
- Sie ist alles, die Liebe
Du schlichst dich heimlich – in mein Bett – törichte blind machende Liebe – und ich konnte den Zauber des Rosengartens – in deinen Augen nicht widerstehen
- Frühlingshauch
Ein zarter Frühlingshauch – streift mein Herz – rührt an der Starre – die mich gefangen hält
- Der Kuppler
Was wissen wir über Chinesen? Eben. Darum habe ich die Ausstellung im Alten Museum besucht. Ich erinnere mich nicht genau an das Thema (Schätze der Himmelssöhne oder so ähnlich), aber ich erinnere mich daran, dass ich von einer Gruppe junger Mongolen oder Chinesen empfangen wurde (den Anschein hatte es), denn sie standen im Halbkreis auf dem Rasen im Lustgarten und sangen: „Oaaah“ und „Eiiih“. Beim tiefen Oaaah beugten sich die Sänger nach vorn, beim hohen Eiiih nach hinten. Sie fassten sich an den Schultern, winkelten ihre Beine und gaben mir und anderen Ankömmlingen Proben ihrer Sangeskunst.
- Mauerstreifen (oder Berlin im Herbst 1990)
Mauerstreifen – das ist nicht mehr die Berliner Mauer, aber immer noch die erkennbare Schneise in der ehemals geteilten Stadt. Der Roman spielt kurz nach der Wiedervereinigung, also nach einem Ereignis, das mit „Wiedervereinigung“ schlecht umschrieben ist (einer Bezeichnung, die auf juristische, auf finanz- und bündnispolitische Neuerungen hinweist) und besser „Annäherung“ genannt zu werden verdient. In der Handlung, die auch, aber nicht nur eine Kriminalgeschichte ist (in der sich der Kalte Krieg ein letztes Mal offenbart), begegnen sich Menschen voller Vorurteile, reiben sich aneinander, schleifen sich ab und bereiten sich so – mehr getrieben als planmäßig – auf ein Zusammenleben vor. Der „Held“ des Stückes, kein Held, ein Niemand, aber kein Dummkopf, empfindet die vier Tage der Annäherung als Alb und Lust, als Wechselbad der Gefühle – und als Chance zu einer Karriere, die ihm nicht zusteht, aber zufällt. Auch die Erotik kommt nicht zu kurz, weil der Anti-Held sich gelegentlich, wie ein Fisch im Wasser, von seinem Schwanz lenken lässt.
- Eva und die Physik
„Weißt du, Jürgen, …“ Eva ist mein Enkelkind. Sie nennt mich Jürgen, weil ich so heiße und weil ich die Bezeichnung Opa nicht ausstehen kann. Der Titel Großvater ist mir zu altväterlich. Er hört sich an, als trüge ich einen Rauschebart. Dabei trage ich alle drei Tage nur einen Drei-Tage-Bart und bilde mir ein, wie George Clooney auszusehen. Ich habe Eva gestattet, nein, ich habe sie gebeten, sie angefleht, mich bei meinem Vornamen zu nennen und zu vergessen, was ihre Mutter predigt, nämlich mich Opa oder Großpa zu schimpfen (was angeblich respektvoller ist).
- Flugs
… kai kathisas tacheos grapson pentekonta. Und setz dich auf deinen Arsch; ´tacheos´, das hattest du schon, das kannst du nicht immer mit ´schnell´ übersetzen, dachte der Junker und ersann ein neues Wort. Als er es erfinderselig niederschreiben wollte, stieß er gegen das Tintenfass. Es kippte um. Die Tinte ergoss sich, aber nicht gänzlich. Dazu kam sie nicht mehr, denn der Junker Jörg ergriff das Fass und schleuderte es gegen die Wand seines Zimmers im Vogteihaus der Wartburg. Nachdem er getobt und geflucht und das Dienstpersonal verrückt gemacht hatte, es möge ihm neue Tinte bringen, in einem neuen Behälter versteht sich, und nachdem das alles geschehen war, da setzte er sich hin und schrieb: … setz dich hin und schreib flugs fünfzig (Lukas 16, 6).